So leidet die Kosmetik-Branche unter der Corona-Krise

Nageldesignerin Corinna Wimmer aus Haag: „Ich fühle mich nutzlos“

Nageldesignerin Corinna Wimmer in ihrem Home-Studio in Haag
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Corinna Wimmer arbeitet in ihrer Wohnung in Haag als Nageldesignerin. Die Corona-Krise beutelt die Kosmetik-Branche, die Tag für Tag ums Überleben kämpft.

Seit Wochen Lockdown und kein Ende in Sicht: Gerade die Selbstständigen leiden unter der Corona-Krise und ihren Auswirkungen. Medizinische Pflege ist erlaubt, kosmetische nicht - „Wo ist da der Unterschied und wo soll das alles noch hinführen?“, fragt sich Corinna Wimmer. Sie betreibt ein kleines Home-Nagelstudio in ihrer Wohnung in Haag – und bricht eine Lanze für die Branche in Corona-Zeiten.

Haag - „Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem es zu einer nachgewiesenen Corona-Infektion in einem Nagelstudio gekommen ist“, unterstreicht Corinna im Gespräch mit innsalzach24.de. „Wir nutzen eine flächendeckende Desinfektion, halten Abstand und tragen während der gesamten Behandlung Masken, die Kundin wäscht und desinfiziert ihre Hände, ich trage bei der Arbeit Handschuhe, uns trennt eine Glasscheibe.“


„Darüber hinaus wird gelüftet und ich verwende Einmalprodukte – Feilen und Buffer – die nach jeder Kundin entsorgt werden. Ich desinfiziere nach jedem Besuch alle Arbeitsflächen- und Materialien“, erläutert Corinna. „Das ist eine 1:1-Betreuung, bei der bei einem Verdachtsfalls eine Kontaktverfolgung keinerlei Probleme darstellt. Ich weiß nicht, wie ich meine Kunden noch mehr schützen kann. Wie soll man sich denn da überhaupt anstecken können?

Nageldesignerin Corinna Wimmer aus Haag plagen Existenz- und Verlustängste


Corinna gehört weder der Querdenker-Szene an, noch leugnet sie das Virus. „Es gibt Corona bestimmt und es ist auch ansteckend, aber das Leben muss doch irgendwann weitergehen. Erst waren es noch vier Wochen, die hätte man schon überstanden. Aber seither jagt eine Verlängerung die nächste“, flüstert die selbstständige Nageldesignerin mit gesenktem Kopf in Bezug auf den nicht enden wollenden Lockdown und spannt den Bogen im selben Moment zur psychischen Belastung: „Ich habe Existenz- und Verlustängste, seit drei Monaten darf ich nicht arbeiten und es ist kein Ende in Sicht. Ich fühle mich nutzlos.“

Corinna vermisst den Kontakt zu ihren Kundinnen, das soziale Leben, die Nähe. „Auch wenn wir uns freilich nicht umarmen - aber es fehlt einfach das unverbindliche Reden, die Normalität meiner Arbeit. Ich habe jetzt kein immens großes Studio, aber ich fühle mich wohl, liebe meine Arbeit“, erzählt die 41-Jährige. Immer wieder erhält sie Nachrichten von Kundinnen, die ihr mitteilen, wie verzweifelt sie seien und wie gerne sie wieder kommen würden, fährt Corinna mit stockender Stimme fort. „Das ist schon schlimm.

Viele können sich den „Luxus“ gepflegter Nägel nicht mehr leisten

Wie ihr geht es tausenden Kollegen in der Kosmetikbranche – ob Nageldesigner, Tatöwierer oder Masseure. Corinna ist in regem Austausch und weiß: Anderen geht es ähnlich, wenn nicht noch schlechter. Weil Corinna ihr Studio zuhause eingerichtet hat, fällt bei ihr immerhin die Miete für einen Laden nicht an. Einnahmen gibt es trotzdem keine, staatliche Hilfen lassen auf sich warten. Die Nageldesigner kämpfen um ihr Dasein, auch Corinna hat schon Kunden verloren – weil die sich den „Luxus“ gepflegter Nägel seit der Corona-Krise einfach nicht mehr leisten können.

Kosmetik-Branche Nagelstudio: „Da steckt nicht immer nur Schönheit dahinter“

„Wir werden immer abgestempelt als die Malfinken, die man ja nicht zwingend braucht“, erzählt Corinna und ihre Augen werden groß: „Dabei gibt es sehr viele ältere Menschen, die zur Maniküre oder kosmetischen Fußpflege ein Nagelstudio aufsuchen und sich helfen lassen, weil sie allein aufgrund starrer Gelenke vielleicht nicht mehr zurechtkommen. Nagelbeißer, die sich ohnehin für ihr Verhalten häufig schämen, hilft ein regelmäßiger Besuch im Nagelstudio, ehe sie sich die Nägel und Fingerkuppen rund um den Fingernagel blutig beißen, was zu schmerzhaften Entzündungen führen kann. Es gibt Roll- und Spaltnägel, die korrekt behandelt werden müssen. Da steckt nicht immer nur Schönheit dahinter, wie viele vielleicht meinen.“

Ein Ende des Lockdowns hat die Regierung bisher nicht in Aussicht gestellt. Corinna persönlich glaubt nicht, dass es mit dem 14. Februar getan ist: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich am 15. Februar wieder anfangen darf. Ich bin ein positiver Mensch, aber es fällt mir zunehmend schwer, optimistisch zu bleiben. Und immer wieder stelle ich mir die Frage: Was ist danach?

mb

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