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Nach WM-Aus gegen die Azzurri

WM 1982 wird in Haag fast zum Kriminalfall: Deutsche Fans verbrennen Italienflagge – Bedrohungen folgten

Italien gewinnt am 11. Juni 1982 vor 90.000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion von Madrid das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Deutschland mit 3:1 und sichert sich den dritten Titel. In Haag verbrannten Deutschland-Fans aus Frust eine Italienflagge.
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Italien gewinnt am 11. Juni 1982 vor 90.000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion von Madrid das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Deutschland mit 3:1 und sichert sich den dritten Titel. In Haag verbrannten Deutschland-Fans aus Frust eine Italienflagge.

Friedliche Stille herrschte im Haager Zentrum, als die italienische Fußballmannschaft die Europameisterschaft gewann. Keine der drei Pizzerien übertrug das Spiel. Im Gegensatz dazu wurde die Weltmeisterschaft vor knapp 40 Jahren in Haag beinahe zum Kriminalfall.

Haag – 3:1 hieß 1982 das Ergebnis, mit dem die Italiener die Deutschen im Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft besiegten. Im Gegensatz zur Europameisterschaft am Wochenende hatten sich Vereine, Freundschaftskreise, Familien und die Italiener in der Pizzeria zusammengefunden, um das Spiel zu verfolgen.

Enttäuschung der deutschen Fans groß

Die Enttäuschung bei den deutschen Fans war groß. Vom Stammtisch des einstigen „Korea-Wirts“ in der Kirchdorfer Straße, der seinen Namen davon hatte, weil in seiner Umgebung zu Zeiten des Korea-Krieges in den 50er Jahren eine Wohnsiedlung gebaut worden war, machten sich die Fans auf den Nachhauseweg. Die Italiener feierten den Sieg in der Pizzeria. Inhaber war damals Da Lello, der zweite Italiener, der in Haag diese Küche im ehemaligen Café Preßl etablierte.

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„Ich habe damals mitgearbeitet“, erinnert sich Emilio Falcone. Er war der Nachfolger von Da Lello und hat heute seine Pizzeria in der Münchener Straße in der Casa Tropea. Die Italiener hatten jedenfalls in ihrer Siegesfreude die italienische Fahne auf der Fensterterrasse ausgehängt und demonstrativ über die Haupt- und Wasserburger Straße wehen lassen.

Dieser Anblick war für die enttäuschten deutschen Fans zu viel, wie sich Karin Lipp, heute Gemeinderätin bei „Wir für Haag“ (WfH) erinnert: „Die Jungs haben sich das so zu Herzen genommen, dass sie an der Fassade hoch in den ersten Stock kraxelten und die dort angebrachte Fahne einholten und anschließend verbrannten.“

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Das Fazit hieß nach Karin Lipp: „Das haben die Italiener mitbekommen und gar nicht lustig gefunden. Der Ärger war groß und manch einer hatte bestimmt nachher Angst, Besuch von der Mafia zu erhalten.“

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An diese Fahnendemontage kann sich Emilio Falcone heute nicht mehr erinnern. Er hatte heuer zum Endspiel für sein Lokal einen Ruhetag angesetzt: „Ich habe geschlossen, ich möchte in Ruhe das Spiel anschauen.“ Da kam er auch nicht in Versuchung, dass wie zu vorangegangenen Siegen der Italiener italienische Fahnen geschwenkt oder gar aufgehängt wurden.

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Giuseppe Costanzo vom „Il Caminetto“ war schon am Vorabend wegen einer geschlossenen Veranstaltung im Stress und dachte nicht daran, einen Fernseher aufzustellen: „Ich muss arbeiten.“ Kellner Dani vom „Il Ritrovo“ kommentierte im vollen Ristorante ähnlich: „Wir haben keine Zeit zum Fußballschauen, wir müssen arbeiten.“

Nach Bedrohung Polizei geholt

Vor knapp 40 Jahren kochten durch den Fahnenklau die Emotionen in Haag hoch. Die Geschichte war bald in aller Munde. Ein juristisches Nachspiel gab es nicht, doch die Italiener ließen sich ihre Wut anmerken. So erinnert sich John Kleiner, damals Wirt vom „Korea“: „Ich bin vom Auto heraus bedroht worden und habe die Polizei holen müssen.“

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Er bezweifelt nach wie vor, dass die Aktion mit seinem Stammtisch etwas zu tun gehabt haben soll und betont, „ich habe mit der Sache nichts zu tun gehabt.“ Eine Rechtfertigung für diese Aktion gebe es nicht: „So was tut man nicht. Man darf den Nationalstolz anderer nicht kränken, gerade beim Fußball, wo sich alle verstehen sollten.“

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