Energiewende im Wärmebereich

„Weg von fossilen Energieträgern“ - Nahwärmeversorgung in Lerchenberg mit Hackschnitzel

Heizkessel der Anlage Nahwärmeversorgung Hackschnitzel Lerchenberg
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Die neue automatische Hackschnitzelanlage versorgt aktuell vier Haushalte.

Lerchenberg/Haag - Um einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, entschied man sich bei einem Bauvorhaben in Lerchenberg für den Energieträger Hackschnitzel, der regional verfügbar und weitestgehend CO2-neutral ist. Nach einigen aufwendigen Umbauten versorgt die neue Nahwärmeanlage nun aktuell vier Haushalte.

Die Mitteilung im Wortlaut


Welche Heizung ist die beste? Diese wichtige Frage stellte sich für Hans Urban aus Lerchenberg bei Haag bei der Planung eines neuen Bauvorhabens genauso wie für viele andere Bauherren oder Einfamilienhausbesitzer. Die Energieträger Öl oder Gas kamen dabei für den Elektroingenieur, der sich seit vielen Jahren sehr intensiv mit erneuerbaren Energien beschäftigt, nicht in Frage. Vielmehr sollte die Heizung in jeden Fall weitestgehend CO2-neutral sein.

Der Energieträger Hackschnitzel


Puffer und Verteilung der automatischen Hackschnitzelanlage.

Für ein neues Haus mit hohen energetischen Standards und Fußbodenheizung hätte sich natürlich insbesondere zunächst die Kombinationen einer PV-Anlage mit einer Wärmepumpe angeboten. Die relativ günstigen Luftwärmepumpen eignen sich zwar gut für die Brauchwasserbereitung, für die Beheizung eines großen Hauses sind Sie bei wirklich kalten Temperaturen allerdings nicht unbedingt ideal. Für diesen Anwendungsfall wäre eher eine Wärmepumpe in Kombination mit einer Tiefensonde oder mit einem sogenannten Ringgrabenkollektor in Frage gekommen. 

Da das geplante neue Haus aber in direkter Nachbarschaft zum Bestandshaus gebaut werden sollte, überlegte Hans Urban, ob man nicht auch eine gemeinsame Lösung für mehrere Gebäude finden könnte. Das bestehende Anwesen wurde bisher mit einem Kachelofen, kombiniert mit einer großen thermischen Solaranlage beheizt. Direkt daneben gab es noch ein Zuhaus, ebenfalls mit einer Holzheizung und auch Urbans Bruder plante für sein angrenzendes großes Haus mit Einliegerwohnung eine neue Heizung.

So bot es sich natürlich an, alle diese Gebäude über ein kleines Nahwärmenetz zusammenzufassen und zukünftig mit dem heimischen und regionalen Energieträger Hackschnitzel zu beheizen. So eine Hackschnitzelheizung vereint nämlich mehrere Vorteile: Sie ist CO2 neutral, der Brennstoff ist im Vergleich zu anderen Energieträgern vergleichsweise immer noch günstig und steht in unserer Region in ausreichenden Mengen zur Verfügung und die Beschaffung erfolgt 100% regional.

Die Befüllung des Vorratsbehälters für Hackschnitzel findet direkt vom Kipper aus statt.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung war auch, dass Wärmepumpen zwar für neue Gebäude eine sehr gute Lösung sind,  aber für Bestandsgebäude, die nicht über eine komplette Fußbodenheizung  oder ein ähnliches Niedertemperatursystem verfügen, meistens nicht ideal sind.

Normale Radiatorenheizungen benötigen nämlich im Vergleich zu Fußbodenheizungen relativ hohe Vorlauftemperaturen. Für eine Wärmepumpe bedeutet das aber, dass bei solchen Gebäuden die Arbeitszahl der Wärmepumpe eher schlecht und damit der Strombedarf vergleichsweise eher hoch ausfällt.

Eine automatische Hackschnitzelanlage wurde deswegen letztendlich als die optimale Lösung ausgesucht. Sie ist zwar wegen des recht hohen Platzbedarfes und auch wegen des Investitionsaufwands für ein Einfamilienhaus normalerweise nicht rentabel, aber für große Gebäude bzw. für ein kleines Nahwärmenetz aus mehreren Gebäuden ist sie eine ideale Lösung

Die aufwendigen Umbauten lohnen sich

Die Baggerarbeiten und die Verlegung der Nahwärmeleitungen erledigte Hans Urban mit Unterstützung aus der Familie selbst.

Um seine Idee eines Nahwärmenetzes weiter zu konkretisieren, brauchte Urban nun einen Heizungsbauer mit Erfahrung auf diesem Gebiet. Einige ähnliche Anlagen, die teilweise von privaten Betreibern oder kleinen Genossenschaften errichtet wurden, gab es ja schon in der Gegend – und auch mehrere Heizungsbaubetriebe, die schon gute Erfahrungen mit solchen Anlagen gemacht hatten.

Die Firma Pflügl aus Lengmoos bei Haag lag zufällig sogar in direkter Nachbarschaft. Der Inhaber Josef Pflügl hatte nicht nur seinen Betrieb vom kleinen Installationsbetrieb zu einer mittlerweile weit in der Region bekannten Installationsfirma mit über 30 Mitarbeitern ausgebaut, sondern er konnte auch bereits viele Erfahrungen mit Hackschnitzelheizungen und auch Nahwärmesystemen mitbringen. So hatte er Hans Urban auch bereits im Vorfeld beraten und bei seiner Idee mit Kräften unterstützt. 

Der nächste Schritt war also die Detailplanung und Umsetzung. Als Hersteller für den Heizkessel wurde aufgrund der guten Referenzen und der modernen Steuerungstechnik die Firma Eta aus Österreich ausgewählt. Auch die Abgasreinigung setzt bei diesem System Maßstäbe: Ein mit 27 Kilovolt Hochspannung betriebener integrierter Partikelabscheider holt Feinstäube zu fast 100% aus dem Abgas.

„Wer es nicht weiß, der kann kaum noch erkennen, ob der Kamin raucht oder nicht“, stellt Urban im Nahhinein zufrieden fest.  Der Heizkessel und die Pufferspeicher wurden in einem ehemaligen Stallgebäude untergebracht, dabei mussten allerdings zuerst noch recht aufwendige Umbauten erfolgen, die ganze Familie „durfte“ dabei mit anpacken.

Während der Umbauphase gab es noch einige „Baustellenverzögerungen“, denn im neuen Heizraum hatte sich ein Rotschwanz-Pärchen eingenistet.

Auch der Vorratsbehälter für die Hackschnitzel fand im ehemaligen Stall und im darüber liegenden Stadel Platz. Für eine möglichst einfache und schnelle Befüllung direkt vom Kipper aus wurde eine Förderschnecke der Obermeier GmbH aus Schwindegg eingebaut, die Dimpflmeier Tiefbau GmbH unterstützte schnell und flexibel beim Einbau des Schüttbunkers.

Die Baggerarbeiten und die Verlegung der Nahwärmeleitungen zu den angrenzenden Nebengebäuden und zum geplanten Neubau erledigte Hans Urban mit Unterstützung aus der Familie selbst. Die Installation der Heizanlage selbst wurde von der Firma Pflügl trotz Corona-Einschränkungen optimal organisiert, so dass genau rechtzeitig zum Beginn der Heizperiode der Schalter umgelegt und die Anlage in Betrieb genommen werden konnte.

Kleiner Beitrag zum notwendigen Umbau des Energiesystems

Obwohl die Anlage mit 4 Pufferspeichern, mehreren Übergabestationen und Frischwasserstationen doch vergleichsweise komplex aufgebaut ist, war auch die Inbetriebnahme der Steuerung dank der modularen Technologie von Eta und natürlich vor allem dank des kompetenten Personals der Fa. Pflügl keine große Sache.

Dennoch werden wohl in den nächsten Wochen noch einige Feineinstellungen erforderlich sein, bis alles wirklich optimal aufeinander abgestimmt ist, sind doch in die Anlage alleine drei solarthermische Anlagen eingebunden. Diese Anlagen waren bereits vorher auf verschiedenen Gebäuden errichtet worden und wurden im Zuge der Neuinstallation in die zentrale Eta-Steuerung mit integriert. So kann in Zukunft nicht nur am Display des Kessels, sondern auch an jedem PC oder Mobiltelefon jede Komponente der Anlage gesteuert oder diagnostiziert werden.

Gerade auch die Einbindung der vorhandenen Solaranlagen war Hans Urban dabei sehr wichtig. „Hackschnitzel werden wir in unserer Region in den nächsten 20 Jahren mehr als genug haben“, davon ist Urban überzeugt. Sie entstehen als Restholz in der normalen Forstbewirtschaftung, aktuell aber besonders durch Borkenkäfer- und nachfolgende Sturmschäden. Und für die heimische Land- und Forstwirtschaft sind diese Heizanlagen zumindest eine optimale Vermarktungsmöglichkeit.

Für die Heizanlage wurde ein Fertigkamin in zwei Hälften mit dem Kran von oben ins Dach eingehoben.

„Dennoch wäre es schade, das Material im Sommer unnötig zu verheizen, wenn Solaranlagen die Wärmeversorgung genauso gut übernehmen können“ ist Urban überzeugt. Er sieht sein Projekt als einen kleinen Beitrag zum dringend notwendigen Umbau des Energiesystems – weg von fossilen und hin zu erneuerbaren Energieträgern. Hackschnitzel und Biomasse sieht er dabei nicht als Lösung aller Probleme, aber für unsere vergleichsweise waldreiche Region ist Biomasse eine Lösung, die viele Vorteile bietet: CO2-Neutralität, Ersatz fossiler Energien und regionale Wertschöpfung.

Artikel von Hans Urban

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