Wie gut geht es unseren Wäldern wirklich?

+
Gerd Eisgruber zeigt befallene Eschenzweige
  • schließen

Haag - Die Region ist froh um ihren Wald. Doch wie geht’s unserem grünen Freund wirklich? Auf Spurensuche mit Gerd Eisgruber von der Forstverwaltung.

Das ganze Jahr über gibt es viel zu tun im heimischen Wald. Gerade im Herbst ist es wieder Zeit, sich um den Wald zu kümmern. Auch viele Landwirte, die Waldbestände haben, können sich nach den Erledigungen in den Sommermonaten auf dem Feld in den Herbstmonaten verstärkt um die Bäume kümmern.

Die Borkenkäfer sind zwar in den letzten drei bis vier Jahren eher weniger geworden, doch ein überdurchschnittlich heißer Sommer reicht aus, um große Schäden zu verursachen. Im Herbst und in den Wintermonaten ist die Haupteinschlagszeit für Holz. Bei dieser Gelegenheit sollte man auch noch den restlichen Käferbefall beseitigen, der im Sommer noch nicht erkennnbar war, erklärt Gerd Eisgruber.

Für ihn gilt die Devise: Im Sommer diejenigen Aufgaben, die in den Wintermonaten nicht geschafft wurden, aufzuarbeiten. Die Erledigungen sind nicht wenig. Der Wald müsse stets in gutem Zustand bleiben, heißt es von Eisgruber. Es gäbe das ganze Jahr über viel zu tun.

Pflichten für Waldbesitzer

Jeder Waldbesitzer sei verpflichtet, den Wald in den Sommermonaten regelmäßig zu kontrollieren. Somit können eventuelle Befälle durch unerwünschte und schädliche Insekten wie etwa dem Borkenkäfer rechtzeitig erkannt werden. Dann sei ein Handeln zugunsten der Bäume möglich. Schadholz müsse aufgearbeitet werden, damit der Wald gesund bleibe. Die Forstverwaltung kontrolliert, ob jeder Waldbesitzer seiner Pflicht nachkommt und unterstützt gegebenenfalls. Dabei ist es völlig egal, ob der Wald in Privatbesitz ist oder es sich um Körperschaftswald oder gar Staatswald handelt. Alle bekommen gleichermaßen Hilfe bei der Aufgabenerfüllung.

Wegebau

Einen Wald richtig zu bewirtschaften, ist nur möglich, wenn auch zugängliche Wege durch die Wälder existieren. Der Wegebau sei deshalb ein sehr wichtiger Punkt im Aufgabenfeld. Die Wälder der Region seien schon gut erschlossen, so der Profi. Doch hier dürfe man sich nicht ausruhen.

Es sei wichtig, dass Fahrzeuge, beispielsweise im Falle eines Waldbrandes oder einer Rettung gut durch bestimmte Bereiche kommen. So werde auch zukünftig der Wegebau und passende Erschließung immer Aufgabe bleiben.

Schulklassen

Es gibt in Bayern die Richtlinie, dass jeder Schüler in der dritten Klasse Anrecht auf eine Waldführung mit einem Förster erhält. Innerhalb von zwei bis drei Stunden werden anhand von bunten Infos und pädagogischen Spielen den Kindern der Wald und die Natur näher gebracht. Anstrengend sei es, manch uninteressierte Schüler für dieses Thema zu gewinnen, so Eisgruber.

Es mache ihm jedoch großen Spaß, den Kindern und oftmals sogar Jugendlichen den Wald genauer zu erklären. Auch Achtklässler durchlaufen manchmal Waldführungen, weil der Lehrplan das Thema Wald auch in dieser Jahrgangsstufe vorsieht. Nicht nur mit Schulklassen schlendert der Förster durch den Wald.

Begehungen für Waldbesitzer zum Informationsaustausch für wichtige Themen stehen des Öfteren an. Teilweise wird ein für viele ansprechendes Thema in gruppenrelevanten Infoveranstaltungen direkt vor Ort ausdiskutiert. Regelmäßige Herbsttreffen mit Waldbesitzern werden in den heimischen Wäldern durchgeführt. Die gesamte Gruppe bespricht sich z. B. über den aktuellen Waldzustand.

Wer ist Freund, wer ist Feind?

Die bekanntesten Bewohner im heimischen Wald sind Hase, Reh, Dachs, Fuchs und Wildschwein. Auch viele Vogelarten leben hier.

Gerd Eisgruber sieht den Eichelhäher als sehr nützlich. Manch Jäger sieht ihn nur als Nesträuber. Der Eichelhäher sucht sich Eicheln und verliert immer mal wieder eine.

Beim Herbstspaziergang sieht man kleine, wild aufgegangene Eichen, wie Eisgruber uns zeigt. Dies sei dem Eichelhäher zu verdanken. Man könne ihn eigentlich fast als Mitarbeiter bezeichnen.

Rehschäden sind für die Bäume natürlich oft bedrohlich. Rehe ernähren sich von Pflanzen. Sie sind sogar richtige Feinschmecker. In Sommer halten sich viele Rehe überwiegend in Mais- und Getreidefeldern auf. Hier werden sie am wenigsten gestört. In nahegelegenen saftigen Wiesen suchen sie sich die besten Kräuter aus. Wenn die Felder abgeerntet sind, ziehen sie sich wieder in den Wald zurück.

Wenn dann im Spätherbst die letzten Wiesen abgemäht sind und die meisten Kräuter im Wald dem Frost zum Opfer gefallen sind, greifen Rehe auch gern auf Baumknospen zurück. Dies gilt als schädlich für das Wachstum des Waldes.

Zuviel Rehe bedeuten Gefahr für einen ungestört heranwachsenden Wald. Ein Gleichgewicht wird vorausgesetzt. „Wenn der Bestand passt, ist alles gut. Er muss im Wesentlichen ohne Schutz auskommen, damit das Gleichgewicht im Wald stimmt“.

Schonzeit

Forstverwalter Eisgruber erklärt die Schonzeiten, die gesetzlich geregelt sind. Ab 1. Mai beginnt die Jagdsaison auf Rehwild. Ausgenommen sind jedoch Rehgeißen mit ihren Kitzen. Diese sind ab September bis Mitte Januar frei.

Die Jagd auf Böcke endet am 15. Oktober, weil diese im Winter ihr Gehörn abwerfen. Für alle Wildarten sind Jagd- und Schonzeiten gesetzlich geregelt. Bedrohte Tierarten sind ganzjährig geschont.

Der natürliche Feind des Rehs befindet sich nicht mehr im Wald. Wolf, Bär und Luchs wurden in Bayern im 19. Jahrhundert ausgerottet. Gerd Eisgruber sieht das Verhältnis für die Wilddichten in der Region dennoch in Ordnung. Für die Regulierung sind die Jäger zuständig.

Verbisse werden notiert

Regelmäßige Vegetationsaufnahme, beispielsweise Verbiss-Schäden muss der Forstverwalter aufnehmen und protokollieren. Dies dient als Grundlage für Abschuss-Pläne. Dabei muss der Zustand der vorgefundenen Vegetation im Blick bleiben. Alle drei Jahre kommt es zu Stichprobenverfahren, die über mehrere Wochen aufgenommen und zu Papier gebracht werden. 2015 steht diese Aufgabe erneut an.

Viel Tanne, viel Buche

Naturnahe Flächen sind noch verbreitet zu finden im Landkreis. Umwelteinflüsse haben den Wald oft im Griff. In den 80er Jahren kam es zu Problemen in den Beständen. „Die schwefelhaltigen Abgase der Kohlekraftwerke hatten zu einem massiven Tannensterben geführt. Daraufhin hat die Politik schnell gehandelt. Die Kraftwerke mussten Filteranlagen einbauen.

Seitdem geht es der Tanne wieder deutlich besser“. Gerd Eisgruber erwähnt, dass Ozon in zu hoher Konzentration sehr ungesund für die Bäume ist. Treibhausgase greifen die Wälder an.

Insgesamt steht der Wald jedoch wieder gut da.

Als neues Schadbild stellt seit etwa 5 Jahren das sogenannte Eschentriebsterben die Waldbesitzer in ganz Europa vor große Probleme. Eine Pilzart, die in unseren Wäldern schon immer vorhanden und für die Zersetzung von morschem Holz zuständig war, wurde aggressiv und befällt Eschen jeden Alters, vom einjährigen Sämling bis zum alten Baum.

Das kann bei schwächeren oder jungen Bäumchen bis zum kompletten Absterben führen. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Ende des Befalls absehbar, sodass bis auf weiteres die Pflanzung von Eschen nicht empfohlen werden kann.

Gesundes Wachstum ist sehr wichtig

Ein gemischter Wald ist auf vielen Flächen zu erkennen. In den letzten 30 Jahren wurden die jungen Flächen überwiegend gemischt bepflanzt. Früher war dies anders. Der Bedarf an Bauholz war sehr groß. Man glaubte, dass man mit Reinbeständen den größtmöglichen Profit erwirtschaften kann. Außerdem ist das Hochbringen von reinen Fichtenbeständen einfacher.

Verbiss-Schäden sind bei Fichte und Kiefer seltener. Tanne und Buche sind begehrt als Futter bei Wild.

Förster oder Jäger?

Die Jagdreviere im Privatwaldbereich werden an Jäger verpachtet. Gerd Eisgruber ist sowohl Forstverwalter als auch Jäger.

Jeder Förster hat auch eine Jagdausbildung. Seitdem in seinem Gebiet auch ein Jagdrevier frei wurde, deckt er beide Funktionen ab. Der Jäger ist speziell für’s Wild zuständig. Die Zusammenhänge beider Gruppen müssen stets bewusst sein. Ein gutes Einvernehmen sei vorhanden, stellt Eisgruber klar.

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Haag

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser