Heiraten nur mit Zeugnis

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Rund 200 Besucher kamen zum Auftakt der Geschichtstage in Gars.

Gars - Rund 200 Besucher kamen zum Auftakt der Geschichtstage in Gars. In diesem Jahr geht es bei über 40 Veranstaltungen um die Geschichte von Schule und Bildung im Landkreis.

Die bis zum 16. Oktober gehenden Geschichtstage sind dem Thema "Schule und Bildung - von der Schiefertafel zum Laptop" gewidmet und wurden am Donnerstagabend mit über 200 Besuchern in der Mittelschule Gars eröffnet. Die Big Band des Gymnasiums Gars unter der Leitung von Stefan Christofori umrahmte den Festakt schwungvoll musikalisch.

Bildungsforscher Dr. Max Liedtke, emeritierter Professor für Pädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg, befasste sich mit viel Humor und Fachwissen mit dem Thema: "Warum hat Schule "Schule" gemacht? Bayern von 1800 bis 2011".

Einer der ersten Programmpunkte der Mühldorfer Geschichtstage war die Einstudierung einer Szene aus der "Mühldorfer Hex" durch den Kulturschupp'n in der Grundschule Mühldorf (Bild oben). Am Vorabend hatte Professor Liedtke (Zweiter von rechts) die Geschichtstage eröffnet. Danach las er beim Besuch der Ausstellung "Von der Dorfschule zum Schulzentrum Gars"aus einem alten Schulbuch vor.

Er sei ein typischer Vertreter der Generation, die sich von der Schiefertafel zum Laptop entwickelt habe. Nach den vielen Jahrhunderten, in denen ausschließlich Klosterschulen Bildung für die Menschen angeboten hätten, habe der Staat 1802 die Notwendigkeit der allgemeinen Schulpflicht sowohl für Buben als auch für Mädchen erkannt: "Wenn Bürger und Bauern Lesen und Schreiben lernen, dann können sie auch Kenntnisse und Gefühle mitteilen!" Als Motivation und "Druckmittel" zur Einhaltung der neuen Schulpflicht musste nach sechs Schuljahren eine Prüfung abgelegt werden. Nur wer den dann ausgestellten Entlassschein vorweisen konnte, durfte ein Gut erwerben oder heiraten.

Seitdem haben sich die Zahl der Schulen und die Schultypen ständig erweitert, die Unterrichtssituation und die Methoden laufend verbessert und die Wirtschaft einen Aufschwung genommen. Das eingeführte Förderschulsystem beweise deutlich die "Verschiebbarkeit von Bildungsgrenzen": Früher sei behauptet worden, ein Taubstummer sei nicht bildungsfähig.

Schule als organisierte Form von Unterricht neben der familiären Erziehung sei also die wichtigste Basis aller Formen von Kultur und diene der Absicherung des gesamten Lebens und Überlebens.

In Ländern mit durchorganisiertem Bildungswesen finde man eine höhere Lebenserwartung, einen positiven Ausbildungsstand und eine so deutlich verbesserte wirtschaftliche Situation: "Schule öffnet Tore zu allen höheren Formen der Kultur, das Wissen wächst von Generation zu Generation."

In seinem "Lobgesang auf die Schule" zeigte Liedtke an den jeweiligen Schulbüchern auf, dass der Unterricht stets auch im Spiegel der Zeit stattgefunden habe: In der "Jugendlust"-Ausgabe 1914 finde man unter der Überschrift "So gefährlich ist Krieg nicht" ein überzeichnetes Bild mit dem Text "Nicht alle Kugeln treffen".

Landrat Georg Huber betonte, dass die vielfältigen Veranstaltungen der Geschichtstage Gelegenheit seien, sich zurückzuerinnern und das Frühere erneut zu erleben. Rektor Wolfgang Egger von der Mittelschule Gars warf mit leichter Ironie einen Seitenblick auf die vielfach schwieriger gewordene Zusammenarbeit mit den Eltern.

Schirmherr Staatsminister Dr. Marcel Huber erinnerte an die Wandlungen, die Schule durchgemacht habe, vom Rechenschieber zum Taschenrechner, vom Münzfernsprecher zum Mobiltelefon und von einem Hauptschul-Klassendurchschnitt von rund 50 Schülern auf nur mehr 20.

Die Leiterin des Kreisheimatmuseums, Dr. Susanne Abel, zuständig für die Organisation der fünften Geschichtstage, erklärte, dass es mehr als 40 Veranstaltungen in 24 Orten des Landkreises gebe. Das Ergebnis der erfolgreichen Arbeit vieler Helfer sei auch eine Ermutigung, sich als Heimatforscher und Bürger weiter intensiv mit der eigenen Geschichte auseinander zu setzen.

ba/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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