Historisch holprig für Rollstühle

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Hoher Granit-Bordstein: Hier wäre Schluss für einen Rollstuhlfahrer ohne Begleitung.

Haag - Ins Schwitzen kamen die CSU-Mitglieder, die in einer Erkundungsaktion auf Rollstühle umstiegen. Dem Haager Zentrum wurden dabei schlechte Noten ausgestellt.

Für Behinderte brauche es sofort Abhilfe, so die Erkenntnis.

CSU-Mitglieder, drei "richtige" Rollstuhlfahrer und weitere Interessenten machten sich auf Probefahrt. Die Rollstühle hatte Thomas Sax vom Haager Sanitätshaus zur Verfügung gestellt. Ihn hatten schon des Öfteren Kunden in Rollstühlen auf die schwierige Fahrsituation im Haager Zentrum angesprochen: "Manche haben mich gleich geschimpft."

So kam es zu der Aktion, die auch ihren Beitrag leisten soll für die Erneuerung des Ortskerns. Sie steht nach Umwidmung der Bundesstraße 15 und in Zusammenhang mit der Ausbesserung des Kanalnetzes in der Hauptstraße an. "Das war eine wichtige Erfahrung, auf den Rollstuhl umzusteigen", so CSU-Vorsitzender Dr. Winfried Weiß. Anders könne man sich gar nicht vorstellen, "welche Schwachstellen es gibt".

Den Ausgang nahm die Rollstuhltruppe am Sanitätshaus Sax, von wo sie problemlos auf den gegenüberliegenden Gehsteig vor der Metzgerei Baumgartner gelangte. Einen ersten Engpass galt es an der Ecke Münchener- und Westendstraße zu passieren. Holprig und unangenehm wurde es bei der Jäger-Einfahrt auf dem Kopfsteinpflaster. Über die Ampel am Löwenbrunnen ging es schwungvoll, doch auf der anderen Seite blieb der erste Rollstuhl hängen: Er kam nicht mehr auf den Gehsteig und musste auf der Straße weiter. Ein Mädchen im Rollstuhl, die jüngste Teilnehmerin, drückte den Ampelknopf mit dem Kopf. Die anderen mussten rangieren, um heranzukommen.

Noch höher war die Hürde wieder auf der Gegenseite von der Ausfahrt Zeno-Kern-Straße Richtung Buchhandlung und Café Bauer. Da gab es nur den Weg zurück, in die Krankenhausstraße und von hinten heran an das Zentrum.

Bei der Eingangssituation der Geschäfte wurde festgestellt, dass äußerst wenige neben den üblichen Treppen eine Rollstuhlauffahrt haben. Schwierigkeiten gebe es auch mit der Zufahrt zu den Geschäften, so die Erfahrung der Rollstuhlfahrer. Sie gelangten oft deshalb nicht hinein, weil vor dem Eingang auf dem Gehsteig die Autos parken.

Am Bräuhausplatz fiel die Situation bei der Bushaltestelle als recht holprig auf. Allgemein wurden die Gehsteige als uneben kritisiert. Die Rollstuhlfahrer hätten Angst zu kippen.

"Man wird nachdenklich", resümierte Hans Ketterle, der noch nie im Rollstuhl durch Haag gefahren war. Es könne ja jeder einmal in diese Situation kommen und dann solche Hürden vorfinden. Insgesamt gibt es nach der Statistik von Thomas Sax 200 Rollstuhlfahrer in Haag. Daneben nutzten zwei Prozente der Bevölkerung Rollatoren. Dafür ist die Fahrsituation für Behinderte seiner Meinung nach "nicht zufriedenstellend".

CSU-Vorsitzender Dr. Winfried Weiß und Schriftführerin Christina Nikolaus zogen aus dieser Erfahrung eine erste Konsequenz. Die Sanierung des Haager Zentrums lasse mindestens noch drei Jahre auf sich warten. So lange dürfe die Situation nicht so bleiben. Die CSU werde einen Antrag einbringen, dass die schlimmsten Fälle wie Bordsteinabsenkungen und die Hürden an der Ampel beim Löwenbrunnen sofort gelöst würden.

xy/Wasserburger Zeitung

Quelle: innsalzach24.de

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