"Die Lage spitzt sich dramatisch zu"

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Altötting/Mühldorf - Die Rauschgift-Fahnder sind im Großeinsatz. Die Polizei greift immer öfter auf zeitgleich durchgeführte Groß-Razzien zurück - und wird fast immer fündig.

Die Polizeiberichte zum Thema Drogen in den Landkreisen Altötting und Mühldorf sprechen eine deutliche Sprache: Februar 2011: Die Polizei durchsucht 15 Wohnungen und findet eine Marihuana-Plantage im großen Stil. Oktober 2011: In Aschau am Inn stoßen Ermittler auf eine Cannabis-Plantage mit 34 Pflanzen. November 2011: Bei einer groß angelegten Razzia durchsuchen die Beamten zwölf Wohnungen, in acht finden sie Drogen aller Art in rauen Mengen. Januar 2012: Einsatzkräfte durchsuchen dreizehn Wohnungen in Altötting und Mühldorf, in elf davon finden sie Drogen wie Speed, Amphitamine, Haschisch, aber auch illegale Waffen.

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"Zu diesen Razzien kommen die Kollegen immer auf dem selben Weg," erklärt Pressesprecher der Polizeidirektion Südbayern Andreas Guske. "Eine Razzia führt zur nächsten. Sind die einen Tatverdächtigen festgenommen, stößt die Kripo beim Verhör auf neue Spuren. Für die besorgt sie sich dann Durchsuchungsbefehle bei der Staatsanwaltschaft und führt die nächste Razzia durch," so Guske. Besonders erfolgsversprechend sind hierbei die großen, zeitgleich angelegten Durchsuchungen der Zielobjekte. "So können sich die Verdächtigen nicht gegenseitig vorwarnen," erklärt Guske. "Das kommt immer öfter vor und wird auch sicherlich weiterhin so sein."

In einem Interview mit dem Mühldorfer Anzeiger hat sich jetzt auch Kripochef Josef Maier zu derartigen Großeinsätzen geäußert: "Im Moment sind wir sehr, sehr gut in der Szene verankert.Alleine im vergangenen Jahr wurden nach unseren Ermittlungen über 30 Haftbefehle ausgestellt. Darüber hinaus ergeben sich mit jedem Fall ja auch immer wieder neue Erkenntnisse, die zu neuen Verfahren führen. Da steht uns in naher Zukunft noch einiges ins Haus."

Auf die Frage, wie schwer es sei, hier in der Region Drogen zu bekommen, antwortete Maier wie folgt: "Eine offene Szene gibt es hier nicht. Also einfach mal loszuziehen und an bestimmten Orten nach Drogen zu fragen, würde wohl keinen Erfolg bringen. Aber wenn man die richtigen Leute kennt, ist das überhaupt kein Problem. Der Handel spielt sich überwiegend in den Wohnungen der Händler ab."

Caritas-Geschäftsführer in Mühldorf Herbert Späth hat ebenfalls mit Sorge von den aktuellen Geschehnissen gehört. "Diese Wellenbewegungen sind üblich. Im Nachhinein betrachtet bemerken wir immer wieder solche Zuspitzungen, unheimliche Konstellationen. Da verschlimmert sich die Lage plötzlich dramatisch - woran das liegt, wissen wir nicht," gibt Späth zu. Der Caritas-Geschäftsführer war über 25 jahre lang Betreuer von Suchtkranken und kennt sich auch in der Mühldorfer Szene gut aus. Und er bestätigt Kripochef Maiers Einschätzung der hiesigen Drogenszene: "Hier stehen nirgendswo Dealer rum, die man einfach ansprechen muss. Wer Drogen kaufen will, muss über die entsprechenden Kontakte verfügen oder die einschlägigen Etablissements kennen. Wenn er aber mal so weit ist, geht's ganz leicht."

Dass bei der Groß-Razzia in der vergangenen Woche zahlreiche verschiedene Suchtmittel und auch Waffen gefunden wurden, wundert Späth überhaupt nicht. "Das ist - etwas salopp ausgedrückt - die Regel. Wer zumindest psychisch abhängig ist, findet einfach leichter den Einstieg zu anderen, vielleicht härteren Drogen," erklärt Späth. Und bei dem einfachen Verbraucher bleibe es dann eben auch selten. Späth erklärt: "Die wenigstens begnügen sich damit, einfach nur Endverbraucher zu sein. Drogen sind teuer und wollen finanziert werden. Da ist die Versuchung groß, in den Verkauf mit einzusteigen. Und da ist dann die Gewaltszene nicht mehr weit entfernt."

Herbert Späth ist sich bewusst, dass Mühldorf sich momentan wieder in einer harten Zeit befindet. "Wir wollen handeln. Wir sind dran und überlegen, was wir an unserer Aufklärungsarbeit tun können, um den Menschen entgegen zu kommen."

ds/ha

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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