Einsatzflut für Wespenexperten

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Nur wenn es gar keine andere Möglichkeit mehr gibt, kommt der Schädlingsbekämpfer und tötet die Wespen.

Mühldorf - Zu 276 Einsätzen sind die zehn Hornissen- und Wespenberater 2011 im Landkreis gerufen worden. Besorgte Bürger hatten Wespen- oder Hornissennester entdeckt.

Die ehrenamtlichen Berater sind in ihrer Freizeit im Einsatz, um dann mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, berichtet Claudia Huber, die am Landratsamt die Hornissen- und Wespenberater koordiniert.

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Dann gilt es zuerst, die Angst zu zerstreuen, berichten ihr die erfahrenen Berater immer wieder aus der Praxis. Stechen würden Wespen und auch Hornissen nur, wenn sie sich bedroht fühlen, wenn sie gequetscht oder gedrückt werden, oder wenn sie ihre Brut in Gefahr sehen. Auch die Annahme, Hornissenstiche seien sehr gefährlich, stimmt nicht. Am giftigsten ist das Gift der Biene, aber auch das ist für einen Menschen, außer für Allergiker, nicht lebensbedrohlich oder gesundheitsschädlich. Hornissenstiche sind lediglich schmerzhafter, wegen des größeren Stachels.

Die meisten Wespen durften bleiben

Diese Beratung hat in rund 60 Prozent der Fälle 2011 Wirkung gezeigt: Die Wespen durften bleiben. Dabei gebe es einige ganz einfache Tipps, um mit den Tieren nicht ins Gehege zu kommen: Das Nest nicht erschüttern, Ruhe bewahren und die Flugrichtung der Wespen so leiten, dass sie in freies Gelände fliegen. Dazu reicht oft schon ein Brett, das die Wespen vom Nest aus beispielsweise weg von der Terrasse, direkt in den Garten leitet.

Zudem sind Wespen duftgesteuert, riechen sie Nahrung kommen sie. Dagegen haben sie eine Abscheu gegen ätherische Öle wie Nelken, Zeder oder Teebaumöl. Eine Schale Wasser mit ein paar Tropfen davon hält sie vom Esstisch fern. Als Prophylaxe kann man Stellen, an denen Wespen gerne nisten, wie Rollokästen, mit dem Gemische einsprühen, um die Ansiedlung zu vermeiden. Auch Rollos regelmäßig zu öffnen und zu schließen, hält die Tiere ab. Und wer verlassene Nester hängen lässt, hat auch eher Ruhe - sie werden meist nicht wieder bezogen. Und auch wenn es schon spät im Jahr ist, sind die Wespen keine allzu große Gefahr mehr. Das Volk stirbt im Herbst ab, nur die Königin überwintert an einer geschützten Stelle und gründet im nächsten Frühjahr ein neues Nest.

Hornissen stehen unter Artenschutz

Hauptaufgabe der Hornissen- und Wespenberater ist, die Nester zu erhalten, schließlich stehen Hornissen unter Artenschutz. Nur wenn Leib und Leben in Gefahr ist, etwa bei sehr kleinen Kindern oder Allergikern, kommt eine Umsiedlung in Frage. Dann wartet der Wespenberater bis abends alle Tiere zurück ins Nest kommen, packt es als ganzes samt der Tiere in einen Transportbehälter, und setzt es in freier Natur wieder aus.

Beratung und Umsiedlung sind kostenlos. Nur wenn beides nicht möglich ist, etwa weil das Nest an einer unzugänglichen Stelle hängt, ziehen die Berater als letztes Mittel einen Schädlingsbekämpfer hinzu, der die Tiere tötet. Das wird in Rechnung gestellt. Von frei verkäuflichen Insektenvernichtungsmitteln raten die Experten ab: Das Nervengift wirke bei allen Warmblütern, also auch beim Menschen und bleibt bis zu einem halben Jahr lang in der Raumluft.

Weitere Informationen und Vermittlung der Hornissen- und Wespenberater am Landratsamt Mühldorf a. Inn unter Telefon 0 86 31/ 69 93 78.

nl/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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