Anti-A94-Verein aufgelöst - Arbeiten ruhen teilweise

"Notfalls müssen wir halt alles wieder einreißen"

+
  • schließen

Landkreis Mühldorf am Inn - Der Verein "Bürgeraktion die bessere Lösung" gegen den Bau der A94, der sich seit 1979 für den Ausbau der B12 über Haag als Alternative eingesetzt hatte, wurde nun aufgelöst. Die Bauarbeiten stocken unterdessen teilweise.

"Rechtlich haben wir verloren, aber sachlich Recht behalten", resümierte Vorsitzender Joachim Wild gegenüber dem Mühldorfer Anzeiger. Der Bau der A94 durch das Isental habe Fakten geschaffen, die nicht mehr abzustreiten seien. Er hält das Isental wegen seiner schwierigen Bodenbedingungen weiterhin für falsch. Am Donnerstag der vergangenen Woche gab der Verein seinen Mitgliedern in Stierberg ein letztes Mal Rechenschaft, bevor die Auflösung beschlossen wurde. 

Die Bauarbeiten an der 350 Meter langen Brücke über das Ornautal ruhen unterdessen seit Monaten. Zwar schweigen die Behörden, aber neu aufgetretene Risse machen nun statische Untersuchungen notwendig, so die Süddeutsche Zeitung (SZ). "Notfalls müssen wir halt alles wieder einreißen", erklärte ein Bauarbeiter lapidar gegenüber der SZ. Auch sonst sind viele der von den Autobahn-Gegnern prophezeiten Szenarien eingetreten, wie Hangrutsche, sandige Untergründe, die Unmengen von Beton erfordern und Wasserquellen, welche das Setzen von Fundamenten erschweren.

Die A94 Richtung München soll eigentlich bis Mitte oder Ende 2019 fertiggestellt sein. Insgesamt werden für das Großprojekt 57 Brücken gebaut, 35.000 Kubikmeter Erde werden täglich bewegt und 450 Menschen sind auf der Baustelle beschäftigt. Teilweise sind auch schon deutliche Fortschritte erkennbar. 

Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte es im Bundestag eine Anfrage der Grünen zu einer möglichen Kostenexplosion gegeben. Laut Bundesverkehrswegeplan sind für den Bau der Isenautobahn zwischen Pastetten und Heldenstein rund 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Doch dann gab es Hinweise darauf, dass die Strecke teurer werden könnte, als jemals gedacht. Demnach sollten die Baukosten bisher immer bei 400 Millionen Euro liegen. Im Bundesverkehrswegeplan sind die Kosten mit 540 Millionen Euro angegeben, sprich rund 140 Millionen Euro mehr.

Dabei kam heraus, dass auch im Bundeshaushalt Kosten eingestellt waren. Dies trotz ÖPP (Die Öffentlich-private Partnerschaft baut die Isentalautobahn auf eigene Kosten). Auch diese Kosten sind von ursprünglich 38 Millionen auf 119 Millionen gestiegen - also um rund das Dreifache. Auch nach einer Rechnung von MdB Ewald Schurer (SPD) Anfang Oktober 2017 ergibt sich eine Kostensteigerung auf 1,21 Milliarden Euro und damit eine Differenz von nicht weniger als 110 Millionen Euro. Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich dazu damals nicht.

hs

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Landkreis Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser