Realschule: Neubau oder andere Lösung?

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Mögliche Konkurrenten im Wettbewerb um einen Realschulstandort: die Mittelschule Mühldorf, an der ein Flügel für die Realschule angebaut werden könnte (oben) und das BFZ Peters, in dem Platz für Klassenzimmer wäre.

Mühldorf - Am Freitag diskutiert der Kreistag über die Zukunft der Realschulen im Landkreis. Neben dem Neubau einer Schule in Neumarkt-St. Veit gibt es andere Vorschläge.

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Den Bau einer neuen Schule in Neumarkt-St. Veit, die Erweiterung der bestehenden in Waldkraiburg, ein Schulstandort Peters in Waldkraiburg oder das Kooperationsmodell mit der Mühldorfer Mittelschule. Mit einem Beschluss über einen Standort für eine Realschule ist in dieser Sitzung nicht zu rechnen. Denn den Kreistagsmitgliedern werden drei neue Varianten vorgestellt. Die Gründung eines Realschulzweckverbandes mit dem Landkreis Landshut für den Standort Neumarkt-St. Veit, das Petersschulungsgebäude in Waldkraiburg und eine detaillierte Darstellung der Kooperation der Mittelschule Mühldorf sind die Themen.

CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Sterr hat für diese Sitzung einen umfangreichen Antrag zu Klärung von offenen Fragen eingereicht. Im Mittelpunkt stehen dabei die finanziellen Auswirkungen auf den Landkreis bei allen vorgeschlagenen Modellen und Standorten. „Wir wollen diese umfangreichen Fragen geklärt haben, denn ohne diese Klärung ist eine Entscheidung nicht möglich.“

Die bisher vorgelegten Zahlen gehen davon aus, dass ein Realschulneubau dem Landkreis rund 20 Millionen Euro kosten würde. Die Erweiterung in Waldkraiburg und die Kooperation in Mühldorf würden rund 7,2 Millionen Euro und acht Millionen Euro kosten. Welche Kosten dem Landkreis bei einer Schule im Petersgebäude entstehen, ist noch nicht berechnet.

Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch hat in einem Schreiben an Landrat Georg Huber und die Kreistagsparteien die Vorteile eines Kooperationsmodells dargestellt. „Finanzielle Gründe sind wichtig, dürfen aber nicht zur maßgeblichen Entscheidungsgrundlage werden.“ Knoblauch geht von niedrigeren Kosten für den Kooperationsbau in Mühldorf aus. Nach seinen Angaben sind keine 2,7 Millionen Euro für den Grundstückskauf nötig. Die Energieversorgung könnte durch die EVIS über die Mittelschule erfolgen. Investitionseinsparungen sieht er auch bei den Sportanlagen, weil die an der Mittelschule bereits vorhanden sind. Weitere Kosten-Einsparungen sieht er auch durch den Wegfall der Buslfahrten von Mühldorf nach Altötting, Waldkraiburg und von Neumarkt-St. Veit nach Vilsbiburg.

SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Fischer geht davon aus, dass es am morgigen Freitag keine Entscheidung geben wird. "Es gibt in der Fraktion unterschiedliche Meinungen. Für mich steht aber fest, dass sich der Landkreis eine neue Schule für 20 Millionen Euro nicht leisten kann. In der Fraktion ist eine deutliche Tendenz für die Kooperation mit Mühldorf erkennbar." Für ihn ist die Umsetzung der Ganztagesbetreuung ein wichtiger Faktor.

Auch für die WGW-Kreistagsfraktion ist die Entscheidung für einen neuen Realschulstandort noch völlig offen. "Wir haben uns noch auf keinen Standort festgelegt. Wir werden auf alle Fälle für die kostengünstigste Variante votieren", stellte WGW-Fraktionsvorsitzender Josef Schöberl heraus.

UWG-Fraktionsvorsitzender Peter Huber führt ebenfalls die Finanzlage des Landkreises ins Feld. "Wir brauchen eine Lösung, die bei den Investitionen und im laufenden Betrieb den Landkreis möglichst wenig belastet." Nach seiner Auffassung steht der Landkreis vor allem vor einem Verteilungsproblem, weil die Zahl der Schüler in wenigen Jahren abnehmen wird und damit in den Mittelschulen Klassenzimmer frei werden. "Die Kosten werden ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung der UWG-Fraktion sein." Dabei sieht er Mühldorf oder Ampfing im Vorteil: "Realschulstandorte sollen 700 bis 800 Schüler haben. Damit sind die zentralen Möglichkeiten besser, als in Waldkraiburg weiter auszubauen. Es müssen aber erst alle Zahlen auf den Tisch, ehe es zu einer Entscheidung kommen kann."

Aufgrund der von den Gutachtern vorgelegten Zahlen tendiert Grünen-Fraktionsvorsitzende Cathrin Henke für den Standort Neumarkt-St. Veit. Sie plädiert für eine schnelle Lösung und einen dritten Realschul-Standort. "Mit einer Realschule in Neumarkt würden wir dafür sorgen, dass mehr Kinder aus dem nördlichen Landkreis diese Schule besuchen würden. Natürlich müssen wir auf die Kosten achten. Aus diesem Grund ist es wichtig, was der Landkreis Landshut sagt."

Keine Frage, dass auch Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) gerne die Schule in seiner Stadt hätte. "Unsere Trümpfe sind zum einen das Gutachten und zum anderen die zentrale Lage zwischen den Standorten in Vilsbiburg und Waldkraiburg." Heute Abend wird der Neumarkter Stadtrat die Rahmenbedingungen diskutieren, aufgrund derer vor der Kreistagssitzung die Bewerbung für den Neumarkter Standort erfolgen soll. Ein Grundstück für den Neubau - etwa 40000 Quadratmeter sind nötig - könne die Stadt "für einen symbolischen Preis" am südlichen Ortseingang von Neumarkt-St. Veit zur Verfügung stellen, sagte Baumgartner, der vor allem die gute Verkehrsanbindung als Argument ins Feld führt, nachdem heuer die Umgehungsstraße fertig gestellt werden soll.

Vor allem für Schüler aus dem nördlichen Landkreis habe seiner Ansicht nach der Neumarkter Standort Vorteile. Darüber hinaus könnten Schüler aus den Landkreisen Rottal-Inn und Landshut in den Landkreis kommen, "größere Realschulen würden definitiv entlastet", wirbt er für Neumarkt-St. Veit. "Ich denke, dass nicht nur rein finanzielle Aspekte eine Rolle für den Standort spielen sollten."

Die Kreistagssitzung beginnt morgen um 13 Uhr im Landratsamt.

sb/je/Mühdorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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