Vermehrtes Verschwinden junger Katzen im Raum Mühldorf/Altötting

„Mythos“ Tierfänger: So schätzen Polizei und Tierschutzbund die Gefahr für Katzen und Hunde ein

Landkreise Mühldorf/Altötting - In letzter Zeit werden in der Region vor allem junge Katzen häufiger vermisst. Die Besitzer vermuten nicht selten Tierfänger hinter dem plötzlichen Verschwinden. Tierschutzbund und Polizei beziehen Stellung.

Es ist immer das gleiche Schema: Katzen verschwinden häufig aus einer Straße und fast zur selben Zeit. So hat sich Anfang August hat beispielsweise eine besorgte Besitzerin aus Tüßling bei innsalzach24.de gemeldet, dass innerhalb von 14 Tagen insgesamt drei getigerte Katzen etwa jeweils um die zwei Jahre alt rund um die Eichendorffstraße abhanden gekommen seien. Ob der Redaktion wohl etwa eine Meldung, dass Tierfänger ihr Unwesen treiben untergekommen sei, wollte die Besitzerin wissen.


Auch in Maitenbeth sind Ende August drei junge Katze innerhalb weniger Tage aus einer Siedlung verschwunden. Ein Rätsel für die Bürger. Und selbst der Haager Polizeichef mahnt zur Vorsicht, dass Besitzer verstärkt einen Blick auf ihre Samtpfoten werfen sollen - er könne weder einen Tierfänger noch einen Tierhasser ausschließen.

Haben es Tierfänger auf Katzen und Hunde abgesehen? Das sagt der Tierschutzbund


Doch gerade der Aspekt des Tierfängers sei eher weit hergeholt. Diese Ansicht vertritt Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund im Gespräch mit innsalzach24.de. Meldungen verzweifelter Hunde- und Katzenbesitzer, deren Tiere ohne einen Hinweis auf den möglichen Verbleib verschwunden seien, würden den Schutzbund immer wieder erreichen. „Werden gleichzeitig mehrere Tiere aus ein und derselben Region vermisst, kommt schnell der Verdacht auf, dass hier potentielle Tierfänger am Werk sein könnten“, bestätigt Dr. Gerlach.

Spekulationen, dass verschwundene Katzen für barbarische Rituale im Rahmen von schwarzen Messen oder Hunde verbotenerweise zu Kampfhunden ausgebildet werden könnten, blieben in den meisten Fällen unbewiesen und beschränken sich Dr. Gerlach zufolge auf Einzelfälle. Andere Vermutungen, wonach Haustiere zu Versuchszwecken in deutsche Labors verkauft würden, hätten sich ebenfalls in der Vergangenheit nicht bestätigt. Zudem dürfen in Deutschland nur Zweck gezüchtete Tiere für Laborversuche verwendet werden. Dafür sieht das Tierschutzgesetz strenge Auflagen vor. „Dass Katzen oder Hunde in Deutschland gefangen werden, um der Fellgewinnung zu dienen, konnte nicht belegt werden und ist auch nahezu auszuschließen. Es gilt ein Handelsverbot für Katzen- und Hundefelle“, unterstreicht die Fachreferentin.

Katzenfänger in der Region: Polizei bezieht klar Stellung

„Bisher haben wir trotz vielfältiger Hinweise nie konkrete Beobachtungen oder gar gerichtsverwertbare Beweise für eine kriminelle Handlung - ob Tierfänger oder Tierversuchslabore - erhalten, die wir in Ermittlungen hätten einbringen können und die ein Tätigwerden mit Einschaltung der zuständigen Behörden ermöglicht hätten", kann Dr. Gerlach beruhigen.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd steht der Möglichkeit, dass Tierfänger sich in der Region herumtreiben könnten, auch eher skeptisch gegenüber, wie Pressesprecherin Carolin Englert auf Nachfrage von innsalzach24.de erläutert: „Bei dem Thema Katzenfänger handelt es sich um einen bis dato nicht belegten Mythos. Es sind uns keinerlei Fälle bekannt, in denen es sich tatsächlich nachweisen ließ, dass Katzen von Fremden ‚entführt‘ und zum Beispiel für Tierversuche oder zum Abrasieren des Fells verwendet wurden.“

Eure Meinung ist gefragt:

Über das tatsächliche Schicksal dieser Tiere aber könne man laut Dr. Gerlach nur Vermutungen anstellen: „Jährlich werden schätzungsweise immer noch mehrere zehntausende Katzen und mehrere hunderte Hunde von Jägern erschossen. Zahlreiche Katzen und Hunde kommen leider auch bei Verkehrsunfällen ums Leben oder werden vergiftet. Katzen sind häufig neugierig, erkunden fremde, abgestellte Autos oder Lkw und werden so oftmals als ‚blinde Passagiere‘ über weiter Strecken mittransportiert.“

Auch das Abwandern in ein neues Revier sei nicht unüblich - gerade bei unkastrierten Katzen und besonders während der Paarungszeit. Oftmals suchen sich Stubentiger auch durch gut gemeintes Füttern durch Menschen ein neues Zuhause.

Vorgehen bei massenhaftem Verschwinden von Katzen:

„Wir raten allen Besitzern, ihre Tiere mittels Transponder mit Mikrochip vom Tierarzt kennzeichnen und bei ‚Findefix‘, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes kostenlos registrieren zu lassen“, rät Dr. Gerlach. „Gekennzeichnete und registrierte Tiere können, sobald sie gefunden werden, schnell an ihre Besitzer zurückgegeben werden und potentiellen Tierfängern wird der Verkauf gekennzeichneter Tieren deutlich erschwert.“

Wird ein gekennzeichnetes Tier vermisst, sollte sein Verschwinden bei „Findefix" unter der Servicenummer 0228/6049635 gemeldet und auch beim zuständigen Fundbüro und örtlichen Tierheim Bescheid gegeben werden. Wird eine Straftat vermutet, sollte außerdem die Polizei informiert und alle möglichen verdächtigen Beobachtungen gemeldet werden, darunter verdächtige Fahrzeuge (Kennzeichen), Personen, die sich merkwürdig verhalten und der genaue Zeitpunkt. Um Katzen zu schützen, sollten sie notfalls nachts im Haus bleiben.

mb

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