Alleinerziehende drei Monate auf Wohnungssuche

Mühldorf: Werden die Sozialwohnungen knapp?

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Die 38-jährige Alleinerziehende Esther (auf diesem Foto bei ihren Eltern in Niederbergkirchen) hat über drei Monate vergeblich nach einer Wohnung gesucht. Inzwischen hat sich für sich und Söhnchen Janosch in Kraiburg eine Bleibe gefunden
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Mühldorf/Niederbergkirchen - Eine alleinerziehende Mutter war drei Monate vergeblich auf Wohnungssuche. Ein Einzelfall? Oder gibt es im Landkreis zu wenige Sozialwohnungen?

Die 38-jährige Esther ist enttäuscht und wütend. "Es gibt für Menschen wie mich keinen Wohnraum. Und das kann nicht sein." Nach der Trennung von ihrem Mann ist die 38-Jährige mit ihrem 16 Monate alten Sohn Janosch von Nordrhein-Westfalen zurück in die Heimat gezogen. Drei Monate lang war sie daraufhin vergeblich auf Wohnungssuche. Sie ist zwar bei ihren Eltern in Niederbergkirchen untergekommen. Das Zimmer ist allerdings nicht beheizbar, eine Dauerlösung war dies also nicht.

Die 38-Jährige hat in den größeren Städten und Gemeinden in der Region gesucht. Ohne Auto kann sie auf dem Land schließlich keine Erledigungen machen. Außerdem habe ihr Sohn so keinerlei Kontakt zu anderen Kindern. "Ich kann nicht auch noch mit dem Taxi zum Spielplatz fahren." Das Taxi musste die 38-Jährige ohnehin schon immer bemühen, wenn sie eine Wohnung besichtigte. Mehrere hundert Euro hat sie dafür ausgegeben.

"Da sind mir die Tränen gekommen"

Auf dem freien Wohnungsmarkt hat sich die Alleinerziehende schwer getan. Für zehn Wohnungen habe sie sich pro Woche beworben - immer vergeblich. Einmal sei ihr direkt gesagt worden, dass sie abgelehnt werde, weil sie alleinerziehend sei. "Das war ich hinterher so geschockt, dass mir die Tränen gekommen sind." Die 38-Jährige ist arbeitslos, möchte aber möglichst bald wieder arbeiten. Auch durch ihre Arbeitslosigkeit fühlte sich Esther bei der Wohnungssuche benachteiligt. "Durch die Leistung des Jobcenters werde ich mit asozialen Leuten in einen Topf geschmissen, obwohl ich mein Leben lang gearbeitet habe." Dabei hat die aktuelle Situation sogar einen Vorteil: Der Staat würde bis zu einer Miete von etwa 450 Euro die Kosten für die Wohnung übernehmen (der genaue Betrag variiert von Gemeinde zu Gemeinde).

Lange Wartelisten für Sozialwohnungen

Eine Alternative wäre eine Sozialwohnung gewesen. Die 38-Jährige besitzt den erforderlichen Wohnberechtigungsschein und hat vom Landratsamt eine Liste mit den Anlaufstellen im Landkreis bekommen. Allerdings seien die Wartelisten so lang, dass sie vergeblich auf eine Wohnung hoffte.

Inzwischen hat es Esther aber geschaffen. Sie hat auf dem freien Markt eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Kraiburg gefunden. Die Wohnungssituation im Landkreis gibt ihr dennoch zu denken: "Ich kenne mehrere Frauen in meiner Situation."

Kreiswohnbau kann hunderte Anfragen nicht bearbeiten

Von August 2014 bis August 2015 hat das Landratsamt Mühldorf 138 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt. Wie viele Menschen mit Berechtigungsschein derzeit auf eine freie Sozialwohnung warten, hat das Landratsamt nicht erfasst. Nach Einschätzung von Gerhard Mühlhans, Geschäftsführer der Kreiswohnbau Mühldorf GmbH, gibt es zu wenige Sozialwohnungen. "Wir haben im Jahr im dreistelligen Bereich Anfragen, die wir nicht bearbeiten können, weil einfach die Wohnungen fehlen." Selbst der jüngste Neubau in der Moltkestraße in Mühldorf mit 24 Wohnungen sei nur ein "Tropfen auf den heißen Stein", so Mühlhans.

Weniger angespannt scheint die Lage in Waldkraiburg zu sein. Hermann Karosser, Geschäftsführer der Stadtbau Waldkraiburg GmbH, bezeichnet das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei den Sozialwohnungen als "ausgewogen". Wartelisten gebe es eigentlich immer. "Wir wollen ja nicht über dem Bedarf bauen", so Karosser.

Bürgermeisterin Zollner fordert Förderprogramm

Ganz anders ist die Situation in der Stadt Mühldorf: "Wir haben eine lange Warteliste, sowohl bei der Stadtbau als auch bei der Kreiswohnbau und wissen auch in der Stadt selbst, dass wir einen Nachholbedarf bei Sozialwohnungen haben", sagt Mühldorfs Bürgermeisterin Marianne Zollner. Zwar sei man dank der Wohnbaugesellschaften "nicht völlig handlungsunfähig". Die Stadt selbst kann jedoch nicht tätig werden, weil sie keine neuen Kredite aufnehmen darf. Für private Investoren fehlt nach Einschätzung der Bürgermeisterin der finanzielle Anreiz. "Im Moment gibt es nur günstige Kredite, die gibt es aber auf dem Markt genauso." Zollner fordert deshalb ein Förderprogramm durch den Bund oder den Freistaat. Man sei mit dem Gemeinde- und Städtetag tätig, um Druck aufzubauen. "Die Kommunen sind nicht in der Lage, diesen Bedarf zu decken. Da brauchen wir wirklich Hilfe", so Zollner.

Landrat Huber: Verbilligte Darlehen reichen nicht

Landrat Georg Huber teilt diese Einschätzung. "Der Freistaat und der Bund sollten beziehungsweise müssen den Bau von öffentlich gefördertem Mietwohnraum für Investoren attraktiver gestalten, indem es eine finanzielle Förderung durch direkte Zuschüsse gibt. Die aktuell gültige finanzielle Förderung des Freistaates mittels verbilligter Darlehen ist für Investoren wirtschaftlich nicht interessant", sagt der Landrat.

Der Landkreis Mühldorf fördert den sozialen Wohnungsbau derzeit mit jährlich rund 70.000 Euro, besitzt allerdings keine Bauflächen. "Die Förderung für den Bau von öffentlich gefördertem Mietwohnraum muss direkt auf Gemeindeebene erfolgen, da die Gemeinden das entsprechende Bauplanungsrecht innehaben", so Huber, der betonte, dass das Landratsamt die Gemeinden bei der Umsetzung beraten und unterstützen werde.

Stadt Mühldorf durchforstet ihre Liegenschaften

Die Stadt Mühldorf will dahingehend aktiv werden und Baugrund speziell für sozialen Wohnungsbau ausweisen. Es gebe schon Gespräche, aber noch keine Lösung, so Zollner. "Wir durchforsten derzeit unsere Liegenschaften." Alle, sowohl die Stadt als auch die Wohnbaugesellschaften seien aktiviert, um Lösungen zu erarbeiten. Der große Wurf ist dies aber freilich nicht - ganz im Gegensatz zu einem möglichen staatlichen Förderprogramm. Zollner ist "guter Hoffnung", dass der Druck, der nun aufgebaut wird, seine Wirkung nicht verfehlt. "Aber ich habe die Befürchtung, dass es zu lange dauert."

Quelle: innsalzach24.de

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