Debatte über Asylsozialberatung

Huber: "So geht man nicht mit Menschen um"

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Landrat Georg Huber (Archivfoto) hat die Caritas im Kreisausschuss scharf attackiert
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Mühldorf - Eine Entscheidung zur Asylsozialberatung ist am Montag im Kreisausschuss keine gefallen. Die Wortwahl von Landrat Georg Huber war dafür umso deutlicher.

Eigentlich hatte die Fraktion der Grünen einen Antrag zur Bezuschussung der Asylsozialberatung der Caritas gestellt. Im Kreisausschuss wurde am Montag dann aber weit mehr diskutiert. Im Kern stand die Frage, wie die Betreuung von Asylbewerbern und Ehrenamtlichen künftig aussehen muss.

Huber fordert Beratung vor Ort

Zwei Forderungen von Landrat Georg Huber sind, dass die Asylsozialberatung eine 24-stündige Rufbereitschaft bietet und vor Ort in den dezentralen Unterkünften die Menschen berät. Die Caritas lehnt dies jedoch ab. Huber sagte am Montag dazu wörtlich: "Das ist aber keine Art und Weise, wie man mit Menschen umgeht." Man könne nicht sagen "ich arbeite nur von acht bis vier und alles andere interessiert mich nicht".

Mit ihren zwei von Bayerischen Sozialministerium (aber nicht zusätzlich vom Landkreis) bezuschussten Teilzeitkräften kann die Caritas nicht alle Aufgaben der Asylsozialberatung bewältigen. Im Landratsamt gibt es aktuell eine Art "Asylnotsozialberatung". Die Behörde hat nach eigenen Angaben alleine im Juni 114 Arbeitsstunden für die Asylsozialberatung aufgewendet - auch und gerade außerhalb der üblichen Bürozeiten. "Das ist quasi jetzt schon eine Vollzeitstelle", erklärte Landratsamtsmitarbeiterin Claudia Holzner, die den Mitgliedern des Kreisausschusses den aktuellen Sachstand schilderte.

Landkreis bekäme drei Vollzeitstellen

Der Landrat strebt deshalb einen Modellversuch an, bei dem das Landratsamt die Federführung in der Asylsozialberatung hat. Wie Claudia Holzner erläuterte, dürfe man bereits am 15. Juli oder am 1. August starten. Der Landkreis könne gegenwärtig drei Vollzeitstellen beantragen, 80 Prozent der Personalkosten seien durch den Freistaat förderfähig (also genau wie gegenwärtig bei der Caritas).

Im Grundsatz ginge es in dem Modellversuch darum, dass der Landkreis die Asylsozialberatung zentral koordiniert und eine zentrale Anlaufstelle für Ehrenamtliche bietet. Die Asylsozialberatung wäre außerdem anders als jetzt sowohl zeitlich als auch örtlich flexibel, könnte also im Fall der Fälle auch am Wochenende in eine Unterkunft fahren, um zu helfen.

"Zentrale Steuerung für Caritas undenkbar"

Allzu konkret wurde Holzner in ihrem Vortrag allerdings nicht - schlicht, weil das Konzept erst weiter ausgearbeitet und mit den Wohlfahrtsverbänden besprochen werden muss. Für die Kreistagssitzung am Freitag ist angekündigt, dass ein "Eckpunktepapier" vorgestellt wird. Wie Holzner betonte, unterstützten das BRK, die Diakonie und die AWO den Grundgedanken des Modellversuchs - anders die Caritas. "Die Caritas stellt sich gegen ein solches Modellprojekt. Insbesondere eine zentrale Steuerung hält sie für undenkbar", so Holzner.

Wie Holzner betonte, wolle man sich mit der zentralen Steuerung nicht gegen das Subsidiaritätsprinzip stellen. "Wir sind froh um jede Leistung, die von Wohlfahrtsverbänden erbracht wird, um die wir uns nicht kümmern müssen." Landrat Huber betonte, dass die drei künftigen Stellen in der Asylsozialberatung auch von den Verbänden kommen könnten. Die beiden bisherigen Teilzeitstellen bei der Caritas blieben Huber zufolge vom Modellversuch unberührt. Diese würden bis 31. Dezember 2015 weiter gefördert, danach müsse das Sozialministerium neu entscheiden.

"Das macht mich stocknarrisch"

Mehrere Ausschussmitglieder riefen im Laufe der Debatte zu mehr Geschlossenheit auf. "Das Schlimmste ist, wenn wir streiten, streiten, streiten", sagte etwa Günther Knoblauch (SPD) - auch mit Blick auf die Ehrenamtlichen. "Jede unsägliche Beschimpfung kann dazu führen, dass jemand sagt, jetzt mag ich nimmer." Grünen-Fraktionssprecherin Cathrin Henke äußerte sich ähnlich: "Ich kann diesen Streit zwischen Landratsamt und Caritas nicht mehr hören. Das macht mich stocknarrisch."

In einem war sich der Kreisausschuss einig: Die Informationen über den Modellversuch sind hilfreich für die weitere Debatte. Weil am Montag noch wenig Konkretes vorlag und am Freitag zumindest Eckpunkte des Konzepts präsentiert werden sollen, hat der Kreisausschuss die Entscheidung über den Antrag der Grünen auf die Kreistagssitzung vertagt.

Quelle: innsalzach24.de

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