Diskussion um bezahlbare Mieten

"Es fehlen insgesamt 700 Wohnungen im Landkreis"

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(v.l.) MdL Günther Knoblauch, MdL Andreas Lotte, Jörg Eschenfelder, Xaver Kroner und Gerhard Mühlhans
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Mühldorf am Inn - Zusammen mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik diskutierte MdL Günther Knoblauch am Donnerstag über bezahlbaren Wohnraum. Das Fazit der Runde fiel mehr als ernüchternd aus:

Ein Thema, das schon lange nicht mehr nur für Gesprächsstoff in den Großstätten sorgt, stieg der Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch in die Diskussionsrunde zu bezahlbarem Wohnraum im Landkreis Mühldorf am Donnerstag Abend ein. Zusammen mit Bürgermeistern und Vertretern aus den Landkreisgemeinden, aber auch privaten Investoren und Bauträgern warf die Runde einen Blick auf die aktuelle Situation und versuchte Lösungen, nicht erst in Hinblick auf die aktuellen Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen zu erarbeiten.

"Da kann sich jeder ausrechnen, wer sich das noch leisten kann"

Stetig steigende Mietpreise, ein Trend der nicht nur in der Landeshauptstadt zu beobachten sei, erklärt MdL Andreas Lotte. Bei einem Quadratmeterpreis von 7.000 Euro in München "kann sich jeder ausrechnen, wer sich das noch leisten kann", so das ernüchternde Fazit des wohnungsbaupolitischen Sprechers der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Die Ursache: "Die Nachfrage ist nach wie vor höher als das Angebot", so Lotte weiter. Im Grunde also fehle Wohnraum an sich, nicht nur der, der auch bezahlbar sei.

Im bundesweiten Vergleich falle dabei auf, dass es in Bayern verhältnismäßig wenige Sozialwohnungen, zumindest in Hinblick auf die hohe Einwohnerzahl, gebe. Für insgesamt rund 12,7 Mio. Einwohner stünden derzeit 130.000 sozialverträgliche Wohnungen zur Verfügung. Zum Vergleich: Das Bundesland Brandenburg bringt es aktuell auf 135.000 Wohnungen, bei einer Einwohnerzahl von 2,5 Millionen.

Sei dieses Defizit in der jüngeren Vergangenheit endlich bei der Regierung angekommen, reichten die geführten Bemühungen jedoch nicht aus. Statt dem Plan, in den kommenden vier Jahren 28.000 neue Sozialwohnungen zu bauen, müssten es nach Ansicht von Andreas Lotte mindestens 100.000 Einheiten sein. Ein Unterfangen, dass in Bayern nur gelingen könne, wenn Grundstücke günstig zur Verfügung gestellt und neue Ideen, wie zum Beispiel der konzeptionelle Wohnungsbau, weiter vorangetrieben würden, schloss der Landtagsabgeordnete.

"Wir brauchen viel mehr private Akteure"

Laut Xaver Kroner, Direktor des Verbands Bayerischer Wohnungsunternehmen, liege das eigentliche Problem in den Bau-Kosten und der Förderung von staatlicher Seite. Zu Zeiten der letzten, großen Flüchtlingswelle in den 90er Jahren seien Fördersummen in Höhe von rund 600 Mio. Euro zur Verfügung gestellt worden, im Jahr 2014 waren es lediglich noch 260 Mio. Euro. Verschärfend hinzu käme die Tatsache, dass sich auch die Baukosten über die Jahre dermaßen verteuert hätten, dass ein rentabler Betrieb heute nur noch schwer zu erreichen sei, so Kroner weiter. Ein Grund dafür, dass sich viele private Investoren aus dem Wohnbau-Geschäft zurückgezogen hätten.

Als Beispiel führte er dabei die durchschnittlichen Kosten für einen Neubau von Sozialwohnungen an: In der einfachsten Ausführung schlage jeder Quadratmeter Wohnfläche mit mindesten 1.765 Euro zu Buche, die Standardausführung mit 2.421 Euro. Gehobener Standard, unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit koste bereits 2.928 Euro. Preise, die jeweils ohne das Grundstück an sich zu verstehen seien, so Kroner weiter. Rechne man nun die laufenden Kosten mit ein, "dann ist ein Mietpreis von unter 10 Euro pro Quadratmeter nicht zu realisieren", so das Ergebnis der Überlegungen. Erschwerend komme hinzu, dass bereits 2016 mit einer überarbeiteten Energiesparverordung (kurz: EnEv) zu rechnen sei, ein Umstand der zusätzliche Kosten verursache, so Kroner.

Auswirkungen der Flüchtlingskrise und Lösungsansätze

Die aktuelle Situation in Mühldorf skizzierte Gerhard Mühlhans, der Geschäftsführer der Kreiswohnbaubau Mühldorf a. Inn. Pro Jahr sehe sich die Gesellschaft gezwungen,rund 300 Anträge von Bewerbern für Sozialwohnungen abzulehnen. Hinzu komme dann noch die Zahl an Wohnungen, die künftig für die Unterbringung von Asylbewerbern nötig sei. "Es fehlen insgesamt 700 Wohnungen im Landkreis. (...) Das geht nicht, die Kosten sind viel zu hoch", so das Fazit von Gerhard Mühlhans.

"Was ist also nötig?" fasste Günther Knoblauch die Diskussion um Wohnungsbau und Mietpreise zusammen. Bevor das Kapital von privaten Anlegern mobilisiert werden könne, müssten für Baumaßnahmen zuerst passende Grundstücke vom Bund, den Ländern und auch den Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich könne auch das "Einfrieren der Standards" mittelfristig für Entlastungen sorgen.

Die derzeitige Förderpolitik des Freistaats, zusätzliche Mittel für den Bau von Asylbewerber-Unterkünften auszugeben, hielt die Runde für bedenklich. So würden diese zwar dabei helfen, Projekte rentabel zu halten, könnten aber schließlich auch dazu führen, dass vermehrt Projekte "auf der grünen Wiese" umgesetzt und somit zu einer verstärkten Ghetto-Bildung beitragen würden.

Quelle: innsalzach24.de

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