Diskussion zum demografischen Wandel

Mühldorf - Wie wird der demografische Wandel auf den Landkreis Mühldorf wirken? Ein Vortrag vermittelte einige Einsichten zu dieser Frage.

Mit großem Interesse haben fast 100 Teilnehmer den Vortrag des Erziehungswissenschaftlers Dr. Ulrich Bürger im Kulturhof in Mettenheim, am Montag den 10. Juni verfolgt. Kreis-, Stadt und Gemeinderäte sowie Bürgermeister und Vertreter von Kindertageseinrichtungen, Schulen und pädagogischen Fachdiensten waren gekommen, um Dr. Bürgers Ausführungen zum Thema: “Kinder, Jugendliche und Familien im demografischen Wandel - Herausforderungen und Perspektiven in Bayern mit einem spezifischen Blick auf den Landkreis Mühldorf a. Inn“ zu hören und mit ihm zu diskutieren.

Der Erziehungswissenschaftler prognostiziert anhand seiner Berechnungen einen Rückgang der bayerischen Bevölkerung unter 20 Jahren von aktuell 19,4% auf 17,4% bis 2020 und auf 15,7% bis 2060 (siehe Grafik 1). Gleichzeitig nimmt die sog. produktive Bevölkerungsgruppe der 20- bis 65- Jährigen kontinuierlich ab und die Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen stetig zu. Dies ist kein neuer Befund, jedoch sollten die damit einhergehenden „Neujustierungen im generationsübergreifenden Miteinander“ insbesondere der zunehmende „Verteilungskampf“ der Generationen um die einzusetzenden Ressourcen von der Politik und der Verwaltung dringend in ihrem kommunalpolitischen aber auch landes- und bundespolitischen Handeln reflektiert werden.

Denn „angesichts dieser Entwicklungsdynamik werden Kinder und Familien mehr denn je auf die Unterstützung und Förderung durch eine breite bürgerschaftliche und (kommunal-) politische Lobby angewiesen sein,“ erläuterte Dr. Ulrich Bürger. „Eine solche Stärkung der Interessen von Familien und Kindern dient dabei nicht nur der Unterstützung und Förderung der jungen Menschen, sondern ist zugleich eine unabweisbare Konsequenz angesichts absehbarer volkswirtschaftlicher und sozialpolitischer Herausforderungen im demografischen Wandel.“

Für Deutschland, Bayern und den Landkreis Mühldorf a. Inn bedeute das vor allem,  längst Bekanntes umzusetzen, wie:

  1. Es bedarf deutlicher Verbesserungen in der Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit für Väter und Mütter.
  2. Die Anstrengungen zu einer frühzeitigen, umfassenden und breiten Förderung und Bildungallerjungen Menschen müssen dringend intensiviert werden.

Vor allem in diesem Bereich lobte der Erziehungswissenschaftler die Anstrengungen im Landkreis Mühldorf a. Inn: „Der Landkreis hat vor allem im Bereich Bildung und Kita-Ausbau schon Beeindruckendes erreicht,“ so Dr. Bürger. „Und das ist der richtige Weg. Denn dort wo aufgrund demografischer Entwicklungen Kinderzahlen stärker rückläufig sind, sollte nicht in erster Linie an die Zusammenlegung oder Schließung von Gruppen oder Einrichtungen gedacht werden. Vielmehr sollte die Qualifizierung der Angebote für Kinder und Familien und andere kommunale bislang nicht hinreichend gedeckte Bedarfe in den Fokus gerückt werden.“

So stehen laut Landrat Huber ihm und den 31 Bürgermeistern im Landkreis Mühldorf a. Inn keine Schweißperlen auf der Stirn, da gemeinsam in den Ausbau der Betreuungsangebote für unter Dreijährige investiert wurde und zeitgleich verschiedene Qualifizierung des Kita- Personals initiiert und auch schon teilweise erfolgreich absolviert wurden.     

Anhand der im Vortrag vorgestellten Zahlen wurde besonders deutlich, dass der ländlich geprägte Raum Mühldorf a. Inn sich bereits bis 2025 auf deutliche gesellschaftliche Veränderungen einstellen muss. So ist laut Dr. Bürger in den nächsten zwölf Jahren mit einem starken Rückgang der Altersgruppe der 0- bis 18-Jährigen von 14,6 % und von gar 23,0 % der nur 16-18- Jährigen zu rechnen (siehe Grafik 2). Daraus folgerte der Erziehungswissenschaftler unter anderem die Notwendigkeit einer noch intensiveren träger- und auch gemeindeübergreifenden Kooperation in der Ausgestaltung der Kindertagesbetreuung oder auch einen Bedeutungszuwachs der Ebene des Landkreises in der Rolle einer moderierenden und koordinierenden Instanz. In diesem „kritischen  Jahrzehnt“ bis 2020 können die Kommunen die Auswirkungen des Rückgangs der Bevölkerung unter 20 Jahren noch aktiv steuern, indem sie insbesondere in die Entwicklung und Qualifizierung dieser nachwachsenden Generation investieren.   

So appellierte Landrat Georg Huber zum Abschluss noch einmal an alle Bürgermeister und Kreisräte. „Wir dürfen nicht zögern, jetzt Geld in die Hand zu nehmen um präventive Maßnahmen einzuleiten. Sonst müssen wir in der Zukunft doppelt zahlen.“ Gleichzeitig munterte er vor allem die Vertreter/innen von Kindertageseinrichtungen auf: „Sie leisten enorm viel für die Zukunft unserer Gesellschaft. Seien Sie selbstbewusst und bitten Sie um die notwendige Unterstützung von Ihrem Träger, die Kirche und Gemeinden, für ihre innovative Entwicklung hin zu lebendigen Familienstützpunkten vor Ort.“

Pressemitteilung Landratsamt Mühldorf

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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