Hundetrainerin und Dackelzüchterin aus der Region über geplantes Gesetz für Hundehalter

Gassi-Pflicht bis zu dreimal täglich? „Totaler Nonsens“

Hundetrainerin aus Höslwang und Dackelzüchterin aus Sankt Wolfgang stehen Gassi-Pflicht skeptisch gegenüber
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Ein neues Gesetz des Bundeslandwirtschaftsministerium sieht unter anderem vor, dass Hundebesitzer in Zukunft mindestens zweimal pro Tag Gassi gehen sollen. Die Höslwanger Hundetrainerin Andrea Aß (links) und Dackelzüchterin Elfriede Kolbeck aus Sankt Wolfgang sind ähnlich skeptischer Meinung, was den Gesetzesentwurf angeht.

Sankt Wolfgang/Höslwang - Ein neues Gesetz für Hundehalter erhitzt aktuell die Gemüter. Künftig soll Herrchen und Frauchen vorgeschrieben werden, wie oft sie Gassi gehen müssen. Betroffen von den geplanten Änderungen wären auch Züchter. Eine Höslwanger Hundetrainerin und eine Dackelzüchterin aus Sankt Wolfgang stehen den Inhalten des Gesetzesentwurfs eher skeptisch gegenüber.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium möchte in dem neuen Gesetz für Hundehalter unter anderem festhalten, dass Besitzer mindestens zweimal täglich mit ihrem Hund insgesamt eine Stunde Gassi gehen sollen. So soll den Tieren Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zufolge ausreichend Auslauf garantiert und ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.


Zwei- bis dreimal täglich Gassi-Pflicht laut neuem Gesetz? Klarer Standpunkt von Höslwanger Hundetrainerin

Totaler Nonsens“ bringt es Andrea Aß auf den Punkt. Sie leitet seit 2006 die Hundeschule Höslwang, trainiert gezielt Hund samt Herrchen und Frauchen und hält den Gesetzesentwurf für nicht ausgereift. Grundsätzlich sollte jeder so agieren, wie es die Bedürfnisse des Hundes erfordern, lautet ihre Meinung. So individuell wie der Hund müsse auch der Umgang mit selbigem sein: „Dass ein Gesetz vorschreibt, wie oft und wie lange ein Hund Gassi gehen muss, darüber muss ich schon schmunzeln. Rasse, Kondition und Alter sind ausschlaggebende Bedingungen für die richtige Haltung.“


Sie plädiere lieber weniger Gassi zu gehen als zu viel: Welpen beispielsweise sollen die ersten zwei Wochen in ihrem neuen Heim noch gar nicht spazieren gehen und erst in Ruhe ihr Revier erkunden. Für alte Hunde mit Herzschwäche kann eine zweimalige Runde am Tag im schlimmsten Fall tödlich enden. „In keinem Ratgeber für Hundeerziehung findet sich der Satz, dass dreimal täglich Gassi gehen ein Muss ist. Bei Zwingerhunden geht das gleich gar nicht, die sind dann regelmäßige Spaziergänge überhaupt nicht gewohnt.“ Aß ist überzeugt: „Dieses Gesetz trifft wieder nur die Falschen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die neuen Regeln kontrolliert werden können. Ich kann doch kein Buch über Spaziergänge mit meinem Hund führen.“

Dackelzüchterin aus Sankt Wolfgang: Gassigeh-Zeiten von der Rasse abhängig

Ähnlich sieht das Elfriede Kolbeck. Sie ist Vorsitzende der Dackelklub-Sektion Altötting-Mühldorf und betont, man könne das Gassi gehen nicht pauschalisieren: „Das geht nicht so einfach, wie es die Politik gerne hätte. Hier wird wieder nur vom Schreibtisch aus entschieden ohne auch nur einmal die Praxis genauer unter die Lupe genommen zu haben.“ Neben der Rasse hänge viel auch vom Wetter ab: Viele Hunde meiden Regenwetter, bei hochsommerlichen Temperaturen über 30 Grad gehen weder Hund noch Mensch gerne spazieren.

Weiter erklärt die Dackelzüchterin: „Es kommt auch immer ein bisserl drauf an, wo ich den Hund halte: Ein Wohnungshund muss freilich dreimal am Tag raus, um sich lösen zu können. Besitzt ein Hundehalter aber einen Garten, spricht nichts dagegen, den Vierbeiner auch einmal mit Suchspielen oder Trainingseinheiten entsprechend zu beschäftigen. Mit meinen Dackeln brauche ich nicht dreimal täglich um den Bloch marschieren - die sind dann alles andere als ausgelastet, wollen sich als Jagdhunde vielmehr ausleben und buddeln. Einem Bernhardiner hingegen genügen 100 Quadratmeter Garten, in dem er sich die Zeit vertreiben kann - spazieren gehen möchte der gar nicht so oft.“

Neues Gesetz für Hundehalter: Leinen- und Ketten-Verbot wird gut geheißen

Einig sind sich Aß und Kolbeck hingegen bei dem Punkt des Gesetzesentwurfes, der besagt, dass die Tiere nicht den ganzen Tag alleine gelassen werden sollen („Hunde brauchen eine Bezugsperson“). Aß betont, man könne seinen Hund schon einmal ein paar Stunden alleine lassen - allerdings dürfe das keinesfalls die Regel sein: „Wenn ich schlicht und ergreifend keine Zeit für einen Vierbeiner habe, sollte ich mir ernsthaft überlegen, ob ich mir wirklich einen zulegen möchte.“

Für Kolbeck sind drei bis vier Stunden, die Arbeitszeiten einer Halbtagskraft, in Ordnung. Aber: „Alles, was darüber hinaus geht ist inakzeptabel, sonst zeigt der Hund über kurz oder lang bezugsgestörtes Verhalten.“ Begrüßt von den beiden Hundeexpertinnen werden indes Verbesserungen bei der „Anbindehaltung“ : Hunde die ganze Zeit anzuketten soll verboten werden. Kolbeck empfinde dies als „richtig“: Ein freies Lebewesen gehöre weder an die lange Laufleine noch an eine Kette.  

Mehrere Hunde spielen auf dem Gelände der Hundeschule Höslwang.

Gesetzesentwurf für Hundehalter: Strengere Regelungen auch für Züchter geplant

Verschärft werden soll nach den Plänen der Bundesregierung auch die Haltung der Zuchthunde: Künftig soll es eine Obergrenze geben, die besagt, dass nur noch maximal drei Hündinnen mit Welpen gleichzeitig betreut werden dürfen. Für Dackelzüchterin Kolbeck ist das zwar kein schlechter Ansatz, allerdings müssten die jeweiligen Gegebenheiten berücksichtigt werden: „Wie viel Platz hat der Wurf, wo ist er untergebracht, wie viele helfende Hände gibt es und wie ist der Züchter organisiert? Ich kann mit nur einem Wurf mit neun Welpen mehr beschäftigt sein als wenn ich drei Würfe mit weniger Welpen betreue. Bei unseren Dackeln hilft beispielsweise die ganze Familie mit, vier Mann.“

Genauso wie die Zahl der Würfe „nicht an einer Konstanten festgemacht werden“ könne, könne man auch die Umstände in der Wurfkiste nicht pauschalisieren: Den Punkt im Entwurf, dass die Welpen in den ersten beiden Lebenswochen in der Wurfkiste bei mindestens 18 Grad gehalten werden sollen, hält sie für nicht ideal: „18 Grad ist den Welpen viel zu kalt, sie wollen es zimmerwarm bei Raumtemperatur um die 25 Grad."

Allgemein betont Kolbeck: „Wer beim Züchten einsteigt, muss sich vorab umfassend erkundigen, schulen und mit anderen erfahrenen Züchtern unterhalten.“ Das Gesetz wende sich mit den schärferen Regeln an diejenigen Züchter, die es „eh schon richtig machen“ - gerade wenn sie einem Verband angehören. „Wichtiger wäre mir, die Hinterhof-Züchter, die die Welpen schwarz halten, strenger zu kontrollieren. Denn die kommen trotz neuen Vorschriften weiter ungeschoren davon ohne sich an bereits bestehende Regeln zu halten“, unterstreicht die Dackelzüchterin aus Sankt Wolfang abschließend.

mb

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