Nach Fischsterben im Rimbach bei Sankt Wolfgang 

Vorwurf der zu späten Alarmierung: Naturfilmer wehren sich 

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Etliche Fische fanden durch den Gülleaustritt im Rimbach den Tod. 
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St. Wolfgang - Nachdem der betroffene Landwirt Stellung zu dem Fischsterben durch Gülleaustritt bezogen hat, wehren sich nun die Naturfilmer gegen den Vorwurf, man hätte die Polizei zu spät alarmiert. 

Etliche Fische, darunter viele Exemplare der seltenen Mühlkoppen und Elritzen sowie einige Bachforellen, verendeten vor Kurzem im Rimbach. Der Grund: Austretende Gülle aus einem nahe gelegenen landwirtschaftlichen Betrieb

Obwohl es sich offensichtlich um einen Unfall gehandelt hat, gibt es Uneinigkeiten darüber, wie schnell die Umweltverschmutzung festgestellt und behoben werden konnte. Der betroffene Landwirt erklärte gegenüber der Redaktion, die Produktionsfirma aus Dorfen trage eine Mitschuld an dem Unglück, da sie zu spät die Polizei kontaktiert hätten. 

Gegendarstellung der Naturfilmer

Diesen Vorwurf wiesen die Beteiligten von Nautiliusfilm jetzt deutlich zurück. "Das ist Verleumdung und geradezu ein Witz, dass der für die Umweltkatastrophe verantwortliche Landwirt behauptet, die Katastrophe hätte bei rechtzeitiger Information der Polizei verhindert werden können", wettert Andreas Hartl und beschreibt den Ablauf der Katastrophe bei Sankt Wolfgang aus Sicht der Naturfilmer: Ein Vogelkundler habe das Unglück frühmorgens bemerkt, das Ausmaß nicht gleich erkannt und dennoch den Inhaber von Nautilius, Jan Haft, informiert, der wiederum Hartl kontaktiert hätte. 

"Große Schaumberge zeugten von der heftigen Einleitung"

"Unmittelbar nach meiner Verständigung durch Jan Haft bin ich zum Rimbach gefahren und musste feststellen, dass der Bach bis zur ehemaligen Pumpstation voll Gülle war", erklärt Hartl weiter. "Ich lief etwa einen Kilometer bachaufwärts, bis ich die illegale Einleitung fand. Nur noch eine geringe Menge an Gülle liefen von dort in den Rimbach. Die größte Menge war bereits in den Bach geflossen. Große Schaumberge zeugten noch von der vorangegangen heftigen Einleitung. Sofort nach Feststellung der Einleitungsstelle bin ich nach Hause gefahren und habe die Polizei verständigt, da der Akku meines Handy leer war. Dabei vergingen nicht mehr als fünfzehn Minuten." 

Im Bach seien, so beschreibt es Hartl, bereits "hunderte tote Mühlkoppen und im Todeskampf japsende Elritze und Forellen" gelegen. "Die Fließgeschwindigkeit ist sehr langsam, da muss die Gülle schon mehrer Stunden lang das Gewässer verunreinigt haben, als wir die die ersten toten Fische entdeckten. Wären wir bei Filmarbeiten nicht vor Ort gewesen, wäre die tödliche Güllefracht unentdeckt geblieben und hätte den Rimbach bis zur Mündung in die Goldach vergiftet." 

"Eine Mithilfe wäre nicht möglich gewesen" 

Auch Jan Haft, Inhaber der Produktionsfirma Nautilius beteuert: "Keinesfalls haben wir bis zum Verständigen der Polizei Zeit verstreichen lassen, um Aufnahmen zu machen. Gefilmt haben wir das Fischsterben erst ab mittags, nachdem die Polizei längst den Unglücksort verlassen hatte und als der Bach bei Hofgiebing bereits abgesperrt war. Mit Gülletechnik und mehreren Schleppern wurde das verschmutzte Wasser aus dem Bach abgepumpt und auf die umliegenden Wiesen gefahren. Eine Mithilfe wäre gar nicht möglich gewesen." 

Den zeitlichen Verzug zwischen der Entdeckung der Verschmutzung und der Verständigung, den die Polizei Dorfen bestätigen konnte, kann Hartl erklären: "Wir wollten feststellen, woher die Gülle kommt und die Polizei nicht rufen, ohne vorher zu wissen, ob es sich nicht nur einen Sturm im Wasserglas handelt. Es hätte ja auch sein können, dass ein Landwirt die Fläche neben dem Rimbach gerade geodelt hat und ein Teil der Gülle in den Bach schwappte." 

System werde sich wieder erholen 

Das Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt stellte fest, dass eine Wiederansiedelung von Fischen in Bälde möglich sei und sich das System wohl ohne Bleibeschäden wieder erholen werde. 

Hartl hofft abschließend, dass eine neue Andsiedlung auch gelingen kann, denn: "Die Mühlkoppen leben seit Jahrzehnten im Rimbach, wissen genau wo und wann sie laichen müssen. Auch viele Elritzen waren gerade beim Laichen. Durch den Gülle-Tod sind die genetischen Eigenschaften der Tiere nun verloren gegangen.

mb

Quelle: innsalzach24.de

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