Nachruf

Trauer bei Familie Aigner aus Reichertsheim: Vater und Sohn sterben an Folgen von Corona

Austragsbauer Alois Aigner starb im Alter von 83 Jahren.
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Austragsbauer Alois Aigner starb im Alter von 83 Jahren.

Ein schweres Schicksal hat die Familie Aigner aus Anzenberg bei Reichertsheim getroffen. Alois Aigner und sein Sohn sind an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus verstorben.

Reichertsheim – An den Folgen einer Corona-Erkrankung verstarb bereits im November der 83-jährige Austragsbauer Alois Aigner. Für die Beerdigung wollte die Familie die Gesundung seines ebenfalls durch eine Infektion mit Covid-19 erkrankten Sohnes Alois abwarten. Doch alle für den 57-Jährigen angewandte ärztliche Kunst mit wochenlangem Krankenhausaufenthalt und künstlicher Beatmung, begleitet von Hoffen und Bangen und dem Gebet seiner Angehörigen und Freunde, waren vergebens. Allzu jung wurde er wie sein Vater von dieser Welt abberufen.


Sohn Alois Aigner erlag mit 57 Jahren ebenfalls den Folgen einer Corona-Erkrankung.

Seine Ehefrau, zwei Töchter und drei Söhne trauern um einen liebevollen und fürsorglichen Ehemann, Vater und den Opa einer Enkelin.


Bekannt für seine sachkundige Imkerei

Sein Vater Alois Aigner wurde 1937 in Moosen, Gemeinde Schönberg bei Neumarkt-Sankt Veit, geboren und arbeitete nach dem Schulbesuch auf dem elterlichen Hof. Im Jahr 1962 heiratete er in Anzenberg ein und übernahm mit seiner Frau Fanni, die ihm 2015 im Tod vorausgegangen war, den Hof, den sie als tüchtige Bauersleute bewirtschafteten und weiterentwickelten.

Alois Aigner war zudem bekannt für seine sachkundige Imkerei. Das Ehepaar unternahm gerne mehrtägige Busreisen, von denen die weitesten in die Schweiz und auf die Insel Elba führten. Auch an Seniorenausflügen nahm es oft teil.

Bauer mit Leib und Seele

Sohn Alois Aigner kam als ältester Anzenberger-Sohn 1963 auf die Welt und wuchs mit einer Schwester und einem Bruder auf. Nach dem Volksschulbesuch machte er die Landwirtschaftslehre und absolvierte die Landwirtschaftliche Fachschule (Winterschule). Im Jahr 1990 schloss er mit Adelheid Herzog aus Gritschenöd den Bund der Ehe, worauf die Hofübernahme erfolgte.

Alois Aigner war ein angesehener und geachteter Bauer mit Leib und Seele. Tatkräftig und zielgerichtet modernisierte er den Hof mit Baumaßnahmen, Maschinen und Einrichtungen. Sehr am Herzen lagen ihm der Wald und die Waldarbeit. Bereits in Kindesjahren begleitete er seinen Opa bei der Jagd. So absolvierte auch er die Jagdprüfung. Besonderes Augenmerk legte er auf die Ausgeglichenheit von Wald und Wild. Einige Zeit stellte er sich auch als Jagdvorsteher zur Verfügung.

Seine Aufgeschlossenheit und sein Einsatz für Belange der Öffentlichkeit zeigte sich in der Mitgliedschaft bei vielen Vereinen, seiner Initiative zur Anbringung einer neuen Sterbeglocke beim Reichertsheimer Leichenhaus und seiner Tätigkeit als Feldgeschworener.

Überzeugter Anhänger der Trachtensache

Der Anzenberger-Lois war ein überzeugter und eifriger Anhänger der Trachtensache. Als Siebenjähriger begann er 1970 in der Kindergruppe des Trachtenvereins und war eines der verlässlichsten Mitglieder des Vereins. 1979 kam er als Jugendvertreter in den Vereinsausschuss, wo er mit seiner entscheidungsfreudigen und gleichzeitig ausgleichenden Art wertvolle Arbeit leistete.

Er bewährte er sich als zweiter Vorplattler, Vorplattler und seit 2007 als zweiter Vorstand. Für den vom Trachtenverein geplanten Dorfsaal, der nicht realisiert werden konnte, stiftete er aus seinem Wald die Bäume und ließ sie zu Bauholz schneiden. Vierzig Jahre lang, von der Fahnenweihe im Jahr 1980 bis zu seinem Tod, war er ein zuverlässiger Fähnrich des Vereins. Ungezählt sind seine Einsätze zu festlichen Anlässen, zur Begleitung von Verstorbenen auf ihrem letzten Erdenweg und zur Trachtenwallfahrt des Gauverbandes I nach Maria Eck, bei denen er seinem Verein die Fahne mit Stolz und Freude voran trug.

Die kirchliche Begräbnisfeier, die wegen der coronabedingten Umstände im kleinsten Familienkreis stattfinden musste, hielt Pater Jan Domaratzki. Die von Familienangehörigen getragene und begleitete Fahne des Trachtenvereins senkte sich unter den Klängen einer kleinen Bläsergruppe der Trachtenblaskapelle Ramsau zum letzten Gruß über das Anzenberger-Familiengrab.

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