In vielen Punkten Einigkeit

+
Ganz schön eng ist die Unterführung in der Töginger Straße. Nach dem Neubau soll dort auf beiden Seiten ein Geh- und Radweg gebaut werden. Darüber hat sich die Stadt mit der Bahn und dem Landkreis verständigt.

Mühldorf - Schutzwände, Gehwege und Unterführungen: Gestern begannen die Erörterungstermine zum zweigleisigen Bahnausbau zwischen Mühldorf und Tüßling.

tz vor Lärm und Erschütterung, die Gestaltung von Schutzwänden, Gehwege und Unterführungen: Gestern begannen die Erörterungstermine zum zweigleisigen Bahnausbau zwischen Mühldorf und Tüßling. Eingeladen waren Kommunen und Landkreise.

Bei den Verhandlungen unter Leitung der Regierung von Oberbayern kamen vor allem die Themen auf den Tisch, die heute und morgen auch die Anlieger beschäftigen werden: Ist der Lärmschutz ausreichend? Tut die Bahn genug gegen Erschütterungen? Lässt sich der Lärmschutz ansehnlicher gestalten?

Während der mehrstündigen Verhandlungen stellte sich heraus, dass sich die Stadt Mühldorf schon während der Erörterung des westlichen Ausbauabschnitts weitgehend mit der DB Projektbau, die den Ausbau plant, geeinigt hat. "Es herrscht grundsätzliches Einverständnis mit den Planungen", bescheinigte Ernst Böhm von der Stadt Mühldorf. Er erklärte, dass in "städtebaulich sensiblen Bereichen" die obersten 50 Zentimeter der Lärmschutzwände aus transparentem Material errichtet würden. Wie von der Stadt gefordert, baue die Bahn in einigen Bereichen besohlte Schwellen ein, die Erschütterungen vermindern sollen, die Aluminiumelemente würden abschnittsweise begrünt. Die Forderung nach Betonwänden hat die Stadt laut Böhm aufgegeben, weil die Bahn zu hohe Kosten geltend gemacht habe.

Lesen Sie auch:

Bahn nennt konkreten Termin

Keine Zugeständnisse machte die Bahn bei den Lärmschutzwänden an der Töginger Straße, wo Bahn und Straße auf etwa 100 Metern auf gleicher Höhe verlaufen. Zwar erhöhe sich dort die Lärmbelastung um 0,1 bis 0,3 Dezibel, weil die Lärmschutzwand der Bahn den Lärm der Straße reflektiere, wie ein Planer zugab. "Das können Sie aber nicht hören", sagt er. Erst ab drei Dezibel nehme der Mensch einen Unterschied wahr. Deshalb wird die Lärmschutzwand nicht beidseitig mit hochabsorbierendem Material ausgestattet.

Eine Einigung zwischen Stadt, Landkreis und Bahn gibt es laut Böhm und Landratsamtsvertreter Hermann Renoth zum Geh- und Radweg durch die Töginger Unterführung. Die Bahn wird dort einen Weg bauen aber zunächst nicht asphaltieren. Der Grund: Der Gehweg entlang der Töginger Straße endet nach 150 Metern. Laut Böhm will die Stadt den Weg aber bis 2016 fortführen, so dass es dann eine durchgehende Verbindung gibt. Der Landkreis wird sich am Bau nach Angaben Renoths finanziell nicht beteiligen, obwohl die Straße dem Landkreis gehört.

So einvernehmlich ließen sich die Probleme in Tüßling nicht regeln. "Wir nehmen zu Protokoll, dass es in diesem Punkt einen Dissens gibt", erklärte Katharina Patemann von der Regierung ein ums andere Mal. Beton statt Aluminium für die Lärmschutzwände, eine Verlängerung der Wände und die Einbeziehung weiterer Bereiche lehnte Christian Tradler von der DB Regio ab. Sein Unternehmen sei an die gesetzlichen Vorgaben gebunden und außerdem der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit verpflichtet, sagte er ein ums andere Mal, so lange, bis einem Vertreter der Gemeinde Tüßling der Kragen platzte: "Sie können all unsere Vorschläge mit technischen und wirtschaftlichen Argumenten vom Tisch wischen. Man muss aber auch berücksichtigen, dass man nicht so über die Bedürfnisse der Leute hinweg gehen kann."

Trotz des Einwands hielten die zwölf Vertreter der Bahn und verschiedener Planungsbüros an ihren Vorstellungen fest. Betonwände sind teurer und erfordern einen höheren Pflegeaufwand. Den Einbau transparenter Elemente entlang der Gartenstraße am Bahnhof lehnte die Bahn ebenfalls ab. Sie absorbierten den Lärm nicht, sondern würfen ihn zurück. Dadurch würden Wohngebiete belastet, die bislang von Lärm verschont blieben. Die Anwohner, deren Häuser direkt an der Bahn stünden, sagte Bürgermeister Heinrich Hollinger, fürchten im Schatten der Mauer leben zu müssen.

Ein Zugeständnis machte die Bahn dann doch: Ein Teil der Schienen in diesem Bereich wird besohlt, um Erschütterungen zu vermindern.

Wenn heute und morgen Anlieger den Bahnvertretern gegenüber sitzen, wird für Mühldorf zusätzlich zu den gestrigen Themen auch die Zufahrt zu den Baustellen für Diskussionen sorgen. Dazu kommt die Verlegung des Bahngleises auf Wällen oder abgestützt durch Spundwände, damit Anlieger nicht so viel Grund verlieren.

Die Erörterungen, an denen nur die teilnehmen dürfen, die sich zu den Plänen geäußert haben, sind heute und morgen ab 9 Uhr im Pfarrheim Tüßling. Heute geht es um die Anlieger, die einen Rechtsanwalt zur Wahrung ihrer Interessen beauftragt haben, morgen sind die ohne Rechtsanwalt dran.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Haager Land

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser