Spitzenmedizin für Schlaganfall-Patienten

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Der beratende Arzt in einem der Schlaganfallzentren sieht dank Telemedizin das Gleiche wie Dr. Kain in Mühldorf: die Bilder aus dem Computertomografen und den Patienten. Die Kamera, mit der der Arzt aus München oder Regensburg ins Mühldorfer Krankenzimmer blickt, kann er selbst steuern. Sie ist oberhalb des Bildschirms angebracht.

Mühldorf - Ein Projekt, das Leben rettet, feiert ein kleines Jubiläum: zehn Jahre Tempis, eine Behandlungsmethode bei Schlaganfällen. Eine Bilanz.

Es ist eine Antwort auf die immer wiederkehrende Frage, wie spezielle Behandlungsmethoden fern der großen Kliniken auf dem Land zur Verfügung stehen können: Telemedizin. Für Schlaganfallpatienten gibt es diese Einrichtung in Mühldorf seit zehn Jahren.

Damals, 2002, war es nach Ansicht von Dr. Hans-Ulrich Kain so: "Es ist in der ländlichen Region sehr mau bestellt um die Schlaganfallversorgung." Den kleinen Krankenhäusern auf dem Land fehlten die Spezialisten der Schlaganfallzentren, ihnen fehlte eine effiziente Organisation und ihnen fehlten Behandlungsmethoden, wie sie nur an den Zentren angewendet werden dürfen. Es gab gleichzeitig aber ein Vorhaben, das dem Abhilfe schaffen sollte: Tempis - das "telemedizinische Projekt zur integrierten Schlaganfallversorung".

Das Krankenhaus Mühldorf war dank Chefarzt Kain und seinem damaligen Kollegen Dr. Raymund Haag vom ersten Tag an dabei, Kain nennt seine Klinik "Antreiber des Projekts". Seitdem gibt es einen genauen Ablaufplan, der besagt, was zu tun ist, sobald ein Schlaganfallpatient ins Krankenhaus kommt.

Es gibt eine besondere Station mit einem speziell geschulten Team und es gibt eine Fernsehverbindung in die Schlaganfallzentren nach Harlaching und Regensburg. Dort stehen rund um die Uhr Spezialisten bereit, um den Fachleuten in Mühldorf zu helfen. Das gilt vor allem für die Anwendung der sogenannten "Thrombo-Lyse", die bei vielen Formen des Schlaganfalls als wirksamste Behandlungsmethode gilt und nur in Zusammenarbeit mit den Spezialisten der Zentren angewendet werden darf.

Sie erhalten per Fernsehverbindung nicht nur die aktuellen Daten des Patienten und die Ergebnisse der Untersuchung mit dem Computer-Tomografen. Sie können über Kamera und Bildschirm die Patienten zusammen mit den Mühldorfer Ärzten untersuchen und zu einer Diagnose und Therapie kommen.

Für Chefarzt Kain ist dieses sogenannte Telekonsil aber nur ein Bestandteil von Tempis. Genauso wichtig ist für ihn der damit verbundene Ablauf, für den Mühldorf als "Stroke Unit", als "Schlaganfalleinheit" zertifiziert, worden ist. Unabhängige Untersuchungen in den derzeit 14 Tempis-Kliniken zeigen, dass die Behandlung von Schlaganfall-Patienten gegenüber anderen Krankenhäusern beschleunigt wurde. Auch die Therapie nach der Erstbehandlung setzt in Tempis-Kliniken im Durchschnitt deutlich früher ein.

Das alles dient einem Ziel: "Wir wollen, dass der Grad der Behinderung nach einem Schlaganfall möglichst gering bleibt." Dabei ist neben der speziellen Behandlung Geschwindigkeit ein entscheidendes Kriterium: Je schneller ein Patient ins Krankenhaus kommt und behandelt wird, je eher Rehamaßnahmen noch im Krankenbett ansetzen können, desto größer ist die Chance auf Genesung. Seit 2006 wurde aus dem Pilotprojekt ein reguläres Vorhaben, das von den Krankenkassen finanziert wird (siehe auch das Interview mit Bayerns Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber auf dieser Seite). Chefarzt Kain ist zuversichtlich, dass das auch so bleibt: "Es war eigentlich nie ein Problem, die Verbesserung der Versorgung zu belegen."

International findet Tempis Beachtung. Kain berichtet davon, dass Mitarbeiter das Telemedizin-Vorhaben in anderen Ländern vorgestellt haben. Das Krankenhaus Mühldorf befasst sich zum zehnjährigen Jubiläum mit dem Thema im Rahmen eines Symposiums.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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