Die Hochwasser-Lage von 7 bis 13 Uhr

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Landkreis - Die Hochwasserlage wird immer dramatischer: An der Mangfall wurde inzwischen Meldestufe 4 überschritten. Für viele Regionen gilt der Katastrophenfall.

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Erste Einsatzübersicht des Polizeipräsidiums

Stadt Rosenheim ruft Katastrophenfall aus

Katastrophenfall gilt auch für Berchtesgadener Land

Erst als es wieder hell wurde, wurde klar, dass der viele Regen schon für gewaltige Schäden gesorgt hat. Vielerorts, zunächst vor allem in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land, liefen Keller voll und Straßen mussten gesperrt werden. Außerdem gab es Murenabgänge und einen schweren Unfall mit zwei Linienbussen. Die Feuerwehr wurde nach dem Bericht eines Radiosenders in der Nacht zu fast 200 Einsätzen gerufen. Und von vor Ort wird gemeldet, dass die Rettungskräfte auch am Morgen immer noch zu vielen Einsätzen alarmiert werden.

Der Höhepunkt wird vielerorts aber erst noch erwartet. Deswegen haben die Behörden mittlerweile reagiert und den Katastrophenschutz eingeschaltet. (Stand: 12:50 Uhr):

Stadt und Landkreis Rosenheim:

Mangfall macht Sorgen - Katastrophenschutz alarmiert:

Vor allem die Mangfall macht den Verantwortlichen Sorgen. Stadt und Landkreis Rosenheim richteten deshalb am Morgen eine gemeinsame Führungsgruppe Katastrophenschutz ein. Erwartet wird ein 50- bis 100-jähriges Hochwasser. Da noch nicht alle Deiche entlang der Mangfall für ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt sind, schließen die Verantwortlichen ein Überfluten der Dämme in diesen Bereichen im Laufe des Tages nicht aus. Betroffen sein können in Feldkirchen-Westerham der Ortsteil Gries, in Bruckmühl der Bereich Hinrichssegen, in Bad Aibling das Areal flussabwärts der Willinger Brücke auf einer Länge von 1,5 Kilometer, in Kolbermoor die Wendelsteinstraße und in Rosenheim der Bereich Schwaig.

Feuerwehr und Technisches Hilfswerk werden in den nächsten Stunden mehrere Tausend Sandsäcke füllen, um die Dämme an kritischen Stellen zu verstärken. Zudem werden Sandsäcke an den Feuerwehrhäusern für diejenigen Bürgerinnen und Bürger bereitgestellt, die an ihren Häusern Haustüren und Kellerschächte abdichten wollen.

Hochwasser an der Kufsteiner Straße

Stadt und Landkreis erklären Katastrophenfall:

Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und der stellvertretende Landrat Josef Huber haben um 10:35 Uhr den Katastrophenfall für die Stadt und den Landkreis Rosenheim erklärt.

Die Leitung und Koordinierung sämtlicher Einsatzkräfte obliegt damit der gemeinsamen Führungsgruppe Katastrophenschutz, die im Landratsamt Rosenheim arbeitet. An der Mangfall in Feldolling ist inzwischen die Meldestufe 4 überschritten. Es wird erwartet, dass der Pegel zumindest bis zum Abend weiter ansteigt. Mit einer Verzögerung von etwa drei Stunden wird der steigende Pegel in Rosenheim erwartet. In Schwaig wurde der Hochwasserdamm zwar für ein 100-jähriges Hochwasser ertüchtigt. Die Arbeiten liegen aber erst so kurze Zeit zurück, dass mehrere Hochleistungspumpen eingesetzt werden, um den Damm zu sichern.

An der Prien hat die Feuerwehr die Lage unter Kontrolle, allerdings sind viele Keller überflutet worden. In Rosenheim, Kolbermoor, Bad Aibling, Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham werden die Bürgerinnen und Bürger mittels Lautsprecherdurchsagen auf die aktuelle Situation aufmerksam gemacht.

In Rohrdorf wird die Füllung von Sandsäcken fortgesetzt. Die Einsatzkräfte hatten in der Nacht schon 8.000 Sandsäcke gefüllt. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim rechnet auch für viele kleinere Gewässer mit Hochwasser.

Stadt Rosenheim richtet Bürgertelefon ein:

Ein Bürgertelefon wurde inzwischen eingerichtet. Es ist bei der Feuerwehr der Stadt Rosenheim unter der Telefonnummer 08031 365 8365 erreichbar.

Überflutungen auf der Autobahn:

SERVICE:

Verkehrsmeldungen

Hochwasserdient (HND Bayern)

Zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen wegen überfluteten Fahrbahnen kommt es seit den Nachtstunden auf der A8. Zum einen wurde die Fahrbahn zwischen den Anschlussstellen Bernau und Frasdorf Richtung München derart überflutet, dass der rechte Fahrstreifen bis in die Morgenstunden gesperrt bleiben musste. Erst nachdem die Abflüsse in diesem Bereich ausgebaggert wurden, konnte das Wasser wieder abfließen.

Die Problematik mit überfluteten Fahrbahnen setzte sich im Laufe des Sonntagvormittags zwischen den Anschlussstellen Rohrdorf und Frasdorf in beiden Richtungen fort. Zum Teil stand das Wasser knietief auf den Fahrbahnen, erst nach mühevoller Freilegung der an den Fahrbahnen gelegenen Abflüssen durch die Autobahnmeisterei entspannte sich jeweils die Lage wieder.

Fluss Prien droht überzulaufen:

In Prien droht derzeit der Fluss überzulaufen. Sandsäcke wurden aufgestellt und riesige Äste aus dem Fluss gefischt, damit das Wasser besser ablaufen kann:

Die Prien droht überzulaufen

Landkreise Mühldorf und Altötting:

Bäche werden zu reißenden Flüssen:

Die Gemeinde Grafengars ist von vielen umliegenden Bächen umgeben. Die Bäche dort sind zum Teil über das Ufer getreten. Alle Bäche sind zu reißenden Flüssen geworden. Der schwerste Schaden im Ort war bislang eine überschwemmte Straße, dadurch wurden die Häuser vom restlichen Autoverkehr komplett abgeschnitten.

Reißende Flüsse in Grafengars

Innkanal führt Hochwasser:

Die Wehranlage Jettenbach zwischen Jettenbach und Aschau-Werk als Startstück des Innkanals ist wegen des Hochwassers an ihre höchsten Kapazitäten angelangt. Ein Spitzenwert zeigt eine Wassermasse von 1435 Kubikmeter pro Sekunde. Der durchfließende Inn hat sich hier in eine reißende Flut verwandelt. Auch der Innkanal führt Hochwasser und ist in seinem Pegel enorm angestiegen.

Hochwasser: Wehranlage Jettenbach

Überschwemmte Keller in den Häusern:

Der starke Regen hat nun auch die Gemeinde Jettenbach und damit das Hochwasser den Inn erreicht. Die umliegenden Bäche haben sich in reißende Ströme verwandelt und der Inn selbst ist aus seinem Flußbett getreten. In einigen Häuser sind deshalb seit dem frühen Morgen die Keller überschwemmt.

Überschwemmungen in Jettenbach

Stadt und Landkreis Traunstein:

Keller laufen voll, Straßen gesperrt:

Die extremen Regenfälle erreichten den Landkreis laut Polizei in den frühen Abendstunden. Der ergiebige und andauernde Regen führte aufgrund der bereits gesättigten Böden vielerorts zu teils großflächigen Überflutungen. Mehrere Ortsverbindungsstraßen und Kreisstraßen mussten zumindest vorübergehend gesperrt werden. Auch die Staatsstraße 2098 bei Siegsdorf/Eisenärzt musste teilweise wegen Überflutung gesperrt werden:

Straßensperre wegen Überflutung

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Dauerregen bis Montag

Viele Keller mussten durch die Feuerwehr ausgepumpt werden. Im Bereich des Freibades Traunstein hatte ein Halter sein Fahrzeug zum Verkauf auf einem unbefestigten Parkplatz abgestellt, dieser Stellplatz erwies sich jedoch als die denkbar falsche Wahl, da sich dieser im Bereich des dort verlaufenden Baches befand. Feuerwehr und Polizei konnten den Wagen nicht mehr bergen - dieser stand bis zum Dach unter Wasser.

THW und Feuerwehr im Dauereinsatz:

THW und Feuerwehr im Dauereinsatz

In Traunstein sicherte die Feuerwehr und das THW unter anderem das TSV-Stadion in Empfing vor dem drohenden Hochwasser:

TSV-Stadion von Hochwasser bedroht

Baum fällt auf Linienbus:

Auch ereigneten sich witterungsbedingt mehrere Unfälle - bei diesen kamen jedoch keine Personen zu Schaden. So musste die B304 zwischen Oberteisendorf und Traunstein in Höhe der Landkreisgrenze bei Gastag nach einem Unfall vorübergehend gesperrt werden. Ein Baum fiel quer über die Straße und erfasste einen vorbeifahrenden Linienbus. Der Fahrer eines zweiten nachfolgenden Omnibusses erkannte die Situation zu spät und kollidierte mit dem bereits verunfallten Bus. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. An beiden Bussen entstand Sachschaden in Höhe von ca. 20.000 Euro. Die Feuerwehr musste den Baum an Ort und Stelle zerlegen um die Straße wieder frei zu machen.

Unwetter: Baum stürzt auf Linienbus

Felssturz an der B306:

Nach einem Felssturz in Höhe Sparz musste die B306 vorübergehend für den Verkehr gesperrt werden. In Absprache zwischen Landratsamt, Stadt und Polizei wurde eine Umleitung durch das Stadtgebiet eingerichtet. Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei sowie die Kräfte der Stadt Traunstein waren die gesamte Nacht im Einsatz, um die Schäden zu beheben und eine Ausweitung der Überflutungen einzudämmen.

Grenzbrücke an Salzach gesperrt:

Gegen 9 Uhr wurde gemeldet, dass die Grenzbrücke über die Salzach bei Tittmoning gesperrt werden musste. Aktuell sind mehrere Feuerwehren im Bereich der Brücke dabei, Sandsäcke zu füllen, um die Dämme verstärken zu können. Aktuell ist die Salzach in diesem Bereich doppelt so breit wie normal.

Campingplatz evakuiert:

Der Campingplatz in Inzell musste bereits in der Nacht zum Sonntag von der Feuerwehr Inzell evakuiert werden. Die Camper wurden in Notunterkünfte wie zum Beispiel in Turnhallen untergebracht. Die weiße Traun ging über die Ufer und mehrere Straßen wurden überflutet. Die Bahnstrecke zwischen Traunstein ist gesperrt und der Bahndamm wurde vom Hochwasser beschädigt. Außerdem mussten zahlreiche Keller von der Feuerwehr leergepumpt werden.

Campingplatz wegen Hochwasser evakuiert

Wassermassen drückten sich in ein Wohnhaus:

Bei dem Unwetter kam am Samstag, 1. Juni, in Freimann bei Otting so viel Wasser und Schlamm über einen Hang herunter, welches sich bei einem Haus immer weiter aufstaute und letztlich bis über das Fenster reichte. Laut Hausbesitzer kam das Wasser nur leicht durch das Fenster rein, bis es irgendwann das Fenster komplett aufdrückte und die Massen durch das ganze Erdgeschoss des Hauses liefen. Um das weitere Eindringen zu verhindern, kam ein Nachbar mit einem Minibagger zu Hilfe und begann sofort hinter dem Haus einen Graben zu ziehen, um das herabkommende Wasser am Haus vorbeizuleiten. Dabei half die Feuerwehr Otting, die gleichzeitig das Wasser und den Dreck aus dem Haus pumpte.

Hochwasser drückte sich ins Haus

Traunstein: Höchste Meldestufe bereits um Mitternacht:

Die Hochwassersituation entlang der Traun im Stadtgebiet bleibt weiterhin angespannt. Um 4 Uhr morgens erreichte der Pegel Traun / Hochberg den bisherigen Höchststand von 3,16 Metern. Bereits kurz nach Mitternacht war die höchste Meldestufe 4 erreicht worden. Am Sonntagmittag betrug der Pegel Hochberg / Traun rund 3 Meter. Innerhalb des Stadtgebietes sind aufgrund der umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen bisher keine größeren Probleme aufgetreten.

Großflächige Überflutungen gibt es derzeit vor allem südlich Traunsteins nahe der Traun, insbesondere auf landwirtschaftlichen Flächen sowie in Kaltenbach im Ortsteil Kammer. Außerdem sind die Sportanlagen beidseits der Traun in Empfing sowie die Schrebergartenanlagen nördlich der Empfinger Brücke vom Hochwasser betroffen. Für die Kläranlage besteht laut Stadt Traunstein derzeit keine Gefahr.

Landkreis Berchtesgadener Land:

Murenabgang am Antoniberg-Tunnel:

Aufgrund extremer Regenfälle mussten in der Nacht die Bundesstraße 21 (Lofer), die Staatsstraße 2101 (Thumsee) und die Bundesstraße 305 (Weinkaser) für den gesamten Fahrzeugverkehr total gesperrt werden. Zunächst wurde die Polizei Bad Reichenhall von einem Murenabgang auf der Staatsstraße 2101, unmittelbar vor dem Antoniberg-Tunnel in Fahrtrichtung Inzell, in Kenntnis gesetzt.

Totalsperre des "kleinen deutschen Ecks":

Dann überschlugen sich die Meldungen. Weitere Murenabgänge im Bereich Baumgarten und zahlreiche überflutete Straßen führten zu einer Totalsperre des "kleinen deutschen Ecks". Besonders schlimm erwischte es die Anwohner des Bad Reichenhaller Ortsteils Karlstein. Hier hatte die Feuerwehr mit überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern zu kämpfen.

Straße von Salzburg nach Freilassing überflutet:

Am Morgen gab es auf dem Weg von Salzburg nach Freilassing kein Durchkommen mehr. Die Straße war im Bereich einer Unterführung total überflutet.

Katastrophenfall gegen 10.30 Uhr ausgerufen:

Da sich die Lage im Laufe des Vormittags weiter verschärft hat, hat das Landratsamt BGL um kurz vor 10.30 Uhr in einer Pressemeldung bekannt gegeben, dass auch für das BGL ab sofort der Katastrophenfall gilt. Daraufhin liefen in Piding und Freilassing gleichzeitig größere Evakuierungen der Bevölkerung an. Wenn sich die Lage weiter verschlechtern sollte, könnte auch in Laufen und Triebenbach evakuiert werden.

Schneizlreuther sollen Trinkwasser sparen:

Die Bewohner von Schneizlreuth werden gebeten, mit Trinkwasser sparsam umzugehen. Die Wasserqualität ist nicht beeinträchtigt, allerdings können die Trinkwasserreserven derzeit nicht aufgefüllt werden. Das teilte das Landratsamt mit.

Überregional/Österreich:

Baum stürzt auf A8:

Am frühen Morgen kam es auf der A8 zwischen München und Salzburg zwischen dem Kreuz München Süd und der Anschlussstelle Holzkirchen kurzzeitig zu massiven Behinderungen, weil ein Baum auf die Fahrbahn gestürzt war. Die Feuerwehr musste anrücken und die missliche Lage bereinigen. Die Sperre dauerte rund eineinhalb Stunden. Inzwischen ist die Fahrbahn wieder frei.

900 Feuerwehrler im Bezirk Kitzbühel im Einsatz:

Die aktuellen Dauerniederschläge mit bis zu 100 Millimeter in 24 Stunden haben im Bezirk Kitzbühel zu einem massiven Feuerwehreinsatz, zahlreichen Murenabgängen und Ausuferungen geführt. So standen am Sonntagmorgen (Stand 8 Uhr) 23 Feuerwehren mit insgesamt rund 900 Mann im Einsatz.

80 Menschen in Kössen evakuiert:

Einen Schwerpunkt bildet dabei die Gemeinde Kössen. Dort ist eine Siedlung mit etwa 200 Häusern betroffen, wobei 80 Personen evakuiert werden mussten. Die Marktgemeinde St. Johann in Tirol ist von Ausuferungen der Fieberbrunner Ache betroffen. Es wird von der weiteren Entwicklung abhängen, ob es Schäden im größeren Ausmaß geben wird. Auf jeden Fall wurden im gesamten Bundesland zahlreiche Straßen wegen Überflutungen oder Murenabgängen gesperrt.

Bilder unserer User:

Userbilder vom Hochwasser

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Unwetterwarnung verlängert:

Der Deutsche Wetterdienst hat seine Warnung vor ergiebigem Starkregen für die Region am Sonntagvormittag bis Montag, 12 Uhr, verlängert. Bis dahin können zu den bereits gefallenen Regenmengen noch bis zu 90 Liter pro Quadratmeter dazukommen.

redro24/mw/Pressemeldungen Polizei/Pressemitteilung LRA Rosenheim/jre/stl/FDL/kaf

Quelle: rosenheim24.de

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