Wie Anwohner mit der Autobahn leben

A8-Ausbau: "Wegziehen kommt nicht infrage!"

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Der Ort Frasdorf liegt direkt an der A8. Schutz für Anwohner vor Lärm gibt es kaum.

Landkreis - Wolfgang Mentzel hat sein ganzes Leben in Frasdorf verbracht. Die Autobahn ist deutlich spürbar. Daran wird auch der Ausbau nichts ändern.

Da wohnt man mitten im Grünen und laut ist es dennoch. Wolfgang Mentzel lebt in der Gemeinde Frasdorf - schon sein ganzes Leben lang. Etwas oberhalb der Autobahn steht das Haus seiner Familie, zwischen Frasdorf und Achenmühle. Der Verkehr von der Autobahn ist deutlich zu hören, denn die A8 verläuft dort durch ein relativ enges Tal.

"Man bemerkt den Lärm schon", sagt er, "vor allem wenn Besuch kommt." Denn der fragt die Gastgeber dann mitunter, warum es so laut ist. Wolfgang Mentzel ist mit der A8 aufgewachsen. Aber früher sei weniger Verkehr auf der wichtigen Verbindung zwischen der bayerischen Landeshauptstadt München und dem österreichischen Salzburg unterwegs gewesen. Auch habe es nicht so viele Staus gegeben wie heute.

"Wenn man hier aufgewachsen ist, kommt wegziehen nicht infrage!"

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Wegziehen ist dennoch keine Option. "Wenn man hier aufgewachsen ist, kommt das nicht infrage", sagt Wolfgang Mentzel. Und erhofft sich doch einige Verbesserungen, wenn die A8 ausgebaut wird. Denn dann erhalten Anwohner zum ersten Mal ausreichenden Lärmschutz, seit die Autobahn in den 1930er Jahren quer durch Oberbayern gebaut worden ist.

Im Ort Frasdorf reichen Wohnhäuser teilweise bis etwa 16 Meter an die Autobahn heran. Dort werden momentan trotz einer vorhandenen Lärmschutzwand Dauerschallpegel von bis zu 73 Dezibel tagsüber und 67 Dezibel nachts erreicht, heißt es im Erläuterungsbericht zum Planfeststellungsverfahren. Die Situation mit dem Lärm soll sich mit dem Ausbau verbessern.

Wieviel bringt der geplante Lärmschutz?

Die neue Trasse rückt etwas nach Norden, das heißt der Abstand zum Ort und den Wohnhäusern wird generell größer. Zudem wird im Ortskern von Frasdorf ein 590 Meter langer begrünter Tunnel gebaut, eine sogenannte Einhausung oder Grünbrücke. Außerdem soll die Autobahn tiefer gelegt werden. Im Abschnitt Achenmühle-Frasdorf-Bernauer Berg wird außerhalb des Tunnels fast überall sogenannter Flüsterasphalt verwendet. "Dieser führt in Verbindung mit weiteren aktiven Lärmschutzanlagen zu einer deutlichen Verbesserung der Lärmsituation", heißt es in den Unterlagen. "Es werden künftig durch aktive Lärmschutzmaßnahmen die Tag- und Nachtgrenzwerte der Bundesimmissionsschutzverordnung an nahezu allen Anwesen eingehalten."

Wie viel Wolfgang Mentzel von dem neuen Lärmschutz hat, wird sich zeigen. Ein Lärmschutzwall mit einer Wand obendrauf sei in dem Bereich der Autobahn geplant, äußert er. Allerdings wohnt er etwas oberhalb der A8. Da diese an der Stelle durch ein relativ enges Tal verläuft, kann es sein, dass Grundstücke am Hang nach wie vor den Lärm der Autobahn hören werden.

Auch Kinder müssen vor dem Lärm geschützt werden

Der 1. Vorsitzende der Bürgerinitiative "A8 Frasdorf - Für eine lebenswerte Zukunft an der Autobahn" findet auch die 590 Meter lange Einhausung nicht ideal. Denn diese decke nur einen Teil des Ortes ab. So ende der Tunnel zum Beispiel auf beiden Seiten jeweils kurz vor dem Kindergarten, beklagt Wolfgang Mentzel. Und dass die Kinder vor dem Lärm der Autobahn geschützt werden, halte er für wichtig. Daher hat die Bürgerinitiative bei den Planungen den Vorschlag gemacht, die Einhausung 1,9 Kilometer lang zu bauen. Dann wäre der komplette Ort geschützt. Doch auf diese Variante hat sich die Autobahndirektion Südbayern nicht eingelassen.

"Zum Teil ist es ernüchternd, was aus den Vorschlägen gemacht wurde", erklärt Wolfgang Mentzel. Denn meist ist nur der Ortskern Frasdorf bei den Planungen in puncto Lärmschutz berücksichtigt worden. Viel Freizeit hat er für das Engagement genutzt. Und das neben Familie und Beruf, sagt er, was nicht immer einfach gewesen sei.

Katja Schlenker

Quelle: rosenheim24.de

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