A8-Ausbau: Aktivitäten der Bürgerinitiativen

"Solange die Bagger nicht anrollen, gibt es noch Möglichkeiten"

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Mehrfach haben Gegner des sechsspurigen A8-Ausbaus protestiert, wie hier im März 2010 in Übersee.

Landkreis - Drei Bürgerinitiativen haben sich wegen des A8-Ausbaus zwischen Rosenheim und Landesgrenze gegründet. Richtig aktiv ist mittlerweile nur noch eine davon.

Alles nach Vorschrift. So geht es oft, wenn Behörden ein Projekt planen. Verantwortliche halten sich an Regeln und am Ende entsteht ein Vorhaben in der Theorie. Um das beim geplanten A8-Ausbau zwischen Rosenheim und der Grenze zu Österreich zu verhindern sowie auf Einzelheiten in betroffenen Gemeinden aufmerksam zu machen, haben sich vor fast zehn Jahren mehrere Bürgerinitiativen gegründet. Mittlerweile läuft das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt von Rosenheim bis Bernauer Berg. Darin wird alles zum Ausbau geregelt. Sobald das Verfahren beendet ist, steht fest, wie die A8 in dem Bereich ausgebaut wird. Wir haben nachgefragt, wie aktiv die Bürgerinitiativen daher noch sind.

Die Bürgerinitiative "A8 - Bürger setzen Grenzen"

Die Autobahn muss sich an die Landschaft anpassen - und nicht umgekehrt. Diese Auffassung vertritt die Bürgerinitiative "A8 - Bürger setzen Grenzen", erklärt die 1. Vorsitzende Marlis Neuhierl-Huber. Zirka 160 Mitglieder zählt das Bündnis. Diese setzen sich für mehr Lebensqualität an der A8 ein sowie den Schutz von Anwohnern vor Lärm und Abgasen. Aber auch Landschafts- und Klimaschutz spielen eine Rolle. Ebenso mahnt die Bürgerinitiative einen sparsamen Verbrauch neuer Flächen an.

Ähnlich wie Vertreter des Bundes Naturschutz setzen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative für einen vierspurigen Ausbau der bestehenden Autobahn sowie den Anbau von Standstreifen ein. Maximal 28 Meter breit soll die Autobahn werden. Momentan ist die A8 zwischen Rosenheim und Landesgrenze im Schnitt 17 Meter breit. Nach dem Ausbau wären es rund 36 Meter.

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"Der Anbau von Standstreifen ist unverzichtbar", erklärt Marlis Neuhierl-Huber. "Aber drei Fahrspuren für jede Richtung sind vom Verkehrsaufkommen her nicht zu rechtfertigen." Zudem fordert die Bürgerinitiative ein Tempolimit zwischen Rosenheim und Landesgrenze. Denn nur so können funktionierender Lärmschutz an der Strecke gewährleistet und ein besserer Verkehrsfluss ebenso wie geringerer Schadstoff- und CO2-Ausstoß erreicht werden.

"Darüber hinaus muss es zusätzliche Lärmschutzeinrichtungen geben, um die Lebensqualität von Anwohnern zu gewährleisten", sagt Marlis Neuhierl-Huber. "Bei einer Autobahn wie der A8-Ost, die mehrere Orte durchschneidet oder direkt an ihnen vorbei geht, sollte dies selbstverständlich sein."

Was viele beim Ausbau nicht bedenken, ist die Tatsache, dass es nicht bei einer 36 Meter breiten Autobahn bleiben wird. Streckenweise wird die komplette Trasse bis zu 100 Meter breit werden, zum Beispiel wenn mehrere Meter hohe Lärmschutzwälle errichtet werden. Auch die Anschlussstellen werden wesentlich größer gestaltet sein als sie es heute sind.

Ein großes Problem sieht Marlis Neuhierl-Huber beim Thema Lärmschutz. Dieser wird zwar prinzipiell besser, weil es derzeit kaum Schutz entlang der Autobahn gibt - und danach zumindest den gesetzlich vorgeschriebenen. Bei einem sechsspurigen Ausbau ohne Tempolimit ist es dennoch möglich, dass Anwohner am Ende mehr Lärm haben. Zum Beispiel, wenn deren Grundstücke oberhalb der Autobahn an einem Hang liegen. Hinzu kommt, dass die Berechnungen für Lärmschutz auf einer gefahrenen Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde basieren.

"Es ist für uns positiv, dass der Abschnitt Traunstein/Siegsdorf bis zur Landesgrenze nicht in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2030 gekommen ist", sagt Marlis Neuhierl-Huber. "Das bedeutet für uns, dass die Bedeutung der A8-Ost für den europäischen Verkehr offensichtlich doch nicht - wie immer behauptet - so groß ist." Denn sonst wäre die Priorität anders eingeordnet, wie beim Abschnitt Rosenheim-Bernauer Berg, der laut Angaben der Autobahndirektion Südbayern ab 2018 ausgebaut werden soll.

"Die 6+2-Planungen befriedigen uns in keiner Weise, denn es geht nur darum, dass möglichst schnell gefahren werden kann - ohne Rücksicht auf Mensch, Natur oder Landschaft", sagt Marlis Neuhierl-Huber. "Allerdings bestätigt das A8-Projektdossier zum Bundesverkehrswegeplan 2030, dass nach einem 6+2-Ausbau die Zeitgewinne unter einer Minute liegen werden."

Aktiv ist die Bürgerinitiative nach wie vor. Zum Beispiel haben Mitglieder im Frühjahr eine A8-Sonderausgabe der Internetzeitung "Gradraus" herausgebracht, sich an einem Buchprojekt beteiligt und das A8-Gutachten des Verkehrsexperten Dr. Ditmar Hunger aus Dresden aktualisieren lassen. Im Oktober ist von Mitgliedern ein Brief an die Mitglieder des Bundesverkehrsausschusses verfasst worden. "So lange die Bagger nicht angerollt sind, gibt es immer noch Möglichkeiten einzugreifen", erklärt Marlis Neuhierl-Huber. "In Zeiten wie diesen, wo immer offensichtlicher wird, dass es im Verkehrssektor große Umwälzungen geben wird und muss, ist der überdimensionierte 6+2-Ausbau der A8 nur noch als anachronistisch zu bezeichnen."

Die Bürgerinitiative "A8 Frasdorf"

Ruhiger ist es derzeit um die Bürgerinitiative "A8 Frasdorf - Für eine lebenswerte Zukunft an der Autobahn". Grund dafür sei, dass alle wesentlichen Forderungen für den Bereich Rosenheim-Frasdorf-Bernauer Berg im Planungsdialog und im Planfeststellungsverfahren sowie den Erörterungsterminen dazu von den Mitgliedern eingebracht worden sind, erklärt der 1. Vorsitzende der Initiative Wolfgang Mentzel. Momentan werde erst einmal abgewartet, was aus den Vorschlägen gemacht wird.

Ziel der Bürgerinitiative ist es, den Ausbau der A8 auf Frasdorfer Gebiet so optimal wie möglich zu gestalten. Nicht nur für heutige Anwohner, sondern auch für künftige Generationen. Dabei geht es zum einen um Lärm- und Feinstaubbelastung, zum anderen um das Bild der Gemeinde. Denn die Autobahn führt bereits jetzt mitten durch das Frasdorfer Gebiet. Wenn die A8 breiter wird, wird diese Trennung noch prägnanter. Deswegen haben sich die Mitglieder der Bürgerinitiative auch für sogenannte Grünbrücken eingesetzt. Dabei verschwindet die Autobahn in einer Art Tunnel, der begrünt werden kann. Dadurch wirkt die überdachte Autobahn natürlicher und nicht wie eine breite Schneise durch den Ort.

Frustrierend und ernüchternd sei es mitunter, sagt Wolfgang Mentzel, dass derart gekämpft werden muss. Zum Beispiel um besseren Lärmschutz zu erhalten, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Frasdorf nimmt beim geplanten Ausbau eine Sonderrolle ein. Denn der Ort liegt direkt an der Autobahn.

Nicht nur Wohngebäude oder Betriebsgelände grenzen direkt an die A8, sondern auch die Kirche und der Friedhof. "Bei einer Beerdigung versteht man manchmal kaum, was der Pfarrer sagt", erklärt Wolfgang Mentzel. "Und das trotz Lautsprechern." Auch auf die Wirtschaft hat die A8 Einfluss. So habe sich mancher Investor für leerstehende Gebäude interessiert, aber die Lage mit der A8 dann noch als nicht ideal erachtet. Und: "Viele Gäste schrecken vor der A8 zurück", sagt Wolfgang Mentzel. Denn die ist bekannt für Staus, vor allem bei denen, die in den Ferien nach Österreich fahren wollen. 

Die Bürgerinitiative "A8 Rohrdorf-Achenmühle"

Aufgelöst haben soll sich mittlerweile die Bürgerinitiative "A8 Rohrdorf-Achenmühle - Für eine lebenswerte Zukunft in unserer Heimatgemeinde". Eine Anfrage von rosenheim24.de ist bislang unbeantwortet geblieben. Jedoch hatten sich bei der jüngsten Jahreshauptversammlung im Oktober keine Kandidaten für den Vorstand gefunden. Die vorherige Führungsmannschaft hatte geschlossen nicht mehr kandidiert. Denn die Planungen zum Ausbau seien "wohl zu 99 Prozent gelaufen", erklärte der langjährige Vorsitzende der Bürgerinitiative Josef Schmid. Daher fehlten konkrete Ansatzpunkte: "Als Bürgerinitiative gibt es für uns nicht mehr viel zu machen."

Die Bürgerinitiative hatte sich am 12. Dezember 2008 gegründet, um sich detailliert mit den Planungen zum A8-Ausbau in Rohrdorf und Achenmühle zu befassen. Auch hier haben sich die Mitglieder dafür eingesetzt, dass Lärm und andere Umwelteinflüsse wie Feinstaub gering gehalten werden und das Landschaftsbild erhalten bleibt. Mitunter ist das sehr ernüchternd gewesen. "Jeder Bürger in den Ortsteilen unserer Heimatgemeinde hat Anspruch auf eine Umwelt, die ein höchstmögliches Maß an Gesundheit und Wohlbefinden ermöglicht", heißt es auf der Internetseite der Bürgerinitiative. Diese hat rund hundert Mitglieder gezählt.

Katja Schlenker

Quelle: rosenheim24.de

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