A8-Ausbau: Viele landwirtschaftliche Flächen nötig

Existenz von Landwirten aus der Region bedroht?

+
Entlang der A8 gibt es zahlreiche landwirtschaftliche Flächen, wie hier an der Raststätte Samerberg. Diese würden wegfallen, wenn die Autobahn breiter wird.

Landkreis Rosenheim - In der Gemeinde Rohrdorf soll ein Landwirt etwa ein Drittel seiner Flächen für die sechsspurige A8 hergeben. Er sucht deshalb nach Alternativen.

Zehn Hektar soll er abgeben. Das klingt erst mal nicht viel, ist aber für einen Landwirt aus der Gemeinde Rohrdorf etwa ein Drittel seiner bewirtschafteten Flächen. Wenn der Ausbau der A8 zwischen Rosenheim und Bernauer Berg kommt wie geplant, sorge das dann schon für Existenzängste, äußerte er gegenüber rosenheim24.de. Sein Name ist der Redaktion bekannt, der Mann möchte jedoch anonym bleiben. Denn bis der sogenannte Planfeststellungsbeschluss zum A8-Ausbau vorliege, sei noch nichts endgültig. Und für ihn gehe es auch darum, eine Entschädigung zu bekommen, wenn er das Land abgeben soll.

Themenseite:

Facebook-Seite:

"Wir sind ja gar nicht gegen den Ausbau", sagt der Landwirt. "Dass etwas gemacht werden muss, ist uns klar und auch in Ordnung.

In der Gemeinde Rohrdorf gibt es zahlreiche Stellen, die einen guten Blick auf die Autobahn gewähren. Von dort aus ist gut zu sehen, wenn der Verkehr auf der A8 mal wieder stillsteht. Und das sei fast jeden Tag wenigstens ein Mal der Fall. Auch Unfälle passieren oft in dem Abschnitt. So wie sie sei, könne die Autobahn nicht bleiben. Diese Meinung vertreten auch der Rohrdorfer Bürgermeister Christian Praxl (CSU) und der Gemeinderat.

Den Flächenverbrauch würden viele unterschätzen, erklärt der Rohrdorfer Landwirt. Die Fahrbahn wird von rund 17 Meter auf 36 Meter verbreitert. Momentan ist der Bereich zwischen Rosenheim und Landesgrenze fast durchgehend zweispurig in jede Richtung. Wenn der Ausbau kommt, entstehen drei Spuren plus einem Standstreifen in jede Richtung.

Doch das bedeutet nicht, dass lediglich die zusätzlichen zwanzig Meter neben der jetzigen Autobahn benötigt werden. Denn hinzu kommen Lärmschutzwälle und Entwässerungsanlagen sowie Flächen, die zum Beispiel für neue Straßen oder zum Lagern von Material benötigt werden.

Entschädigung durch Ersatzflächen

Das Thema Existenzgefährdung landwirtschaftlicher Betriebe wird auch im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens geprüft. "Die Autobahndirektion Südbayern wird versuchen, durch den Erwerb geeigneter Ersatzflächen bei existenzgefährdeten Betrieben den Flächenverlust soweit auszugleichen, dass keine Existenzgefährdung eintritt", heißt es in den Unterlagen.

Dass dies so ist, bestätigt auch Rechtsanwalt Dr. Helmut Wölfel von der Münchener Kanzlei Labbe & Partner. Er vertritt 85 Mandanten, die von den Plänen betroffen sind. Manche Grundstücke haben Mitbesitzer, manche Eigentümer sind mit mehreren Flächen betroffen. Es handelt sich zumeist um landwirtschaftliche Flächen.

Eine Entschädigung stehe Grundstücksbesitzern in jedem Fall zu, erklärt der Anwalt. Diese richte sich nach dem jeweiligen Bodenrichtwert, welcher festgelegt worden sei. Aber: "Wenn die Maßnahme genehmigt wird, können die Grundstücksbesitzer auch enteignet werden", sagt er. Auch hier stehe ihnen aber eine Entschädigung für das verlorene Land zu. Außerdem verweist Helmut Wölfel auf Artikel 14 des Grundgesetzes. Demnach ist eine Enteignung nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.

Momentan laufen die Planfeststellungsverfahren für die beiden Bauabschnitte zwischen Rosenheim und dem Bernauer Berg noch. Konkrete Verhandlungen wird es erst geben, wenn der Beschluss erlassen worden ist und die Autobahndirektion Südbayern als ausführende Behörde des Ausbaus eine Grundlage hat. Denn diese Planfeststellungsbeschlüsse regeln alles rund um den Ausbau. "Die Autobahndirektion Südbayern bemüht sich, zu angemessenen Ergebnissen zu kommen", sagt Helmut Wölfel.

95 Hektar zusätzliche Fläche

Insgesamt würden zwischen Rosenheim und der Landesgrenze etwa 95 Hektar zusätzliche Fläche benötigt, wenn die Autobahn sechsspurig ausgebaut wird. Bei einem vierspurigen Ausbau wären es rund achtzig Hektar. Alleine im Abschnitt zwischen Rosenheim und Achenmühle fallen laut dem Erläuterungsbericht zum Verfahren etwa 59.000 Kubikmeter Asphaltaufbruch, 34.000 Kubikmeter Betondeckenabbruch, 172.000 Kubikmeter Mutterbodenabtrag und etwa 1,19 Millionen Kubikmeter Bodenabtrag an. Ein Großteil des Materials soll weiterverarbeitet und wiederverwendet werden.

Was passieren wird, sollte er die rund zehn Hektar abgeben müssen, kann der Landwirt noch nicht sagen. Sich eine andere Arbeit zu suchen, komme jedoch nicht in Frage. Der Rohrdorfer sei sein Leben lang Landwirt gewesen und möge diesen Job sehr. Der Hof sei zudem seit mehreren Generationen in Familienbesitz.

Eine wirkliche Alternative sei für ihn nur, andere Flächen zum Bewirtschaften zu nutzen. Und zwar in einem Umkreis von maximal fünf Kilometern, der für ihn noch gut erreichbar ist. Ob das klappt, ist noch offen und hängt von dem Angebot ab, das die Autobahndirektion als verantwortliche Behörde bei dem Vorhaben den Betroffenen macht. 

Katja Schlenker

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Landkreis Rosenheim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser