Was die Autobahn so gefährlich macht

Zehn Gründe für den A8-Ausbau

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Wenn ein Auto eine Panne hat, ist ein Standstreifen an der Autobahn sehr nützlich. An der A8 zwischen Rosenheim und Landesgrenze fehlen diese derzeit allerdings an vielen Stellen.

Landkreis - Nach rund 80 Jahren kommt die Autobahn zwischen Rosenheim und Salzburg ins Rentenalter. Doch es gibt noch mehr Gründe, weshalb die A8 eine Frischekur braucht.

Marode und unmodern - das ist die A8 im Bereich zwischen Rosenheim und der Grenze zu Österreich. An manchen Stellen haben Autofahrer nicht einmal mehr den Eindruck, auf einer Autobahn unterwegs zu sein. Denn so wichtig die Verbindung zwischen München und Salzburg auch ist, mutet sie vor allem in Richtung Landesgrenze doch zunehmend wie eine Bundesstraße an.

An diesen Stellen muss die A8 saniert werden

Diese Defizite sorgen nicht nur für Staus, sondern auch für Unfälle. Die Probleme sind vielfältig und werden in den Erläuterungsberichten der Autobahndirektion Südbayern zum Planfeststellungsverfahren für die Abschnitte Rosenheim-Achenmühle und Achenmühle-Bernauer Berg erklärt.

Zehn Gründe, warum der Ausbau notwendig ist:

1. Autobahn teilweise älter als 80 Jahre

Die heutige A8 von München bis zur Landesgrenze ist in den Jahren 1934 bis 1939 erbaut worden. Die Straße zählt damit zu den ältesten Autobahnen in Deutschland. Seitdem hat sich an der Trasse an sich nicht viel verändert. Bis heute zeigt die A8 deutlich die Charakteristika einer Vorkriegsautobahn.

2. Brücken marode

Eine Brücke ist in der Regel so angelegt, dass sie ungefähr siebzig Jahre hält. Nachdem die Autobahn und damit auch die Brücken in den 1930er Jahren gebaut worden sind, haben die Bauwerke ihre Lebensdauer erreicht, wenn nicht gar schon überschritten. Daher müssen zumindest die Brücken an der A8 in den nächsten Jahren saniert werden. Zum Teil geschieht das bereits.

3. Fahrbahn unterdimensioniert

Die Fahrbahn ist momentan so aufgebaut, dass sie den Verkehr nicht bewältigen kann. Weder jetzt noch in Zukunft. Dabei beruft sich die Autobahndirektion Südbayern auf Zahlen aus dem Jahr 2010 und auf Prognosen für das Jahr 2030 (DTV=durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke):

Abschnitt

DTV 2010

Lkw-Anteil (Tag/Nacht)

DTV 2030

Lkw-Anteil (Tag/Nacht)

Rosenheim-Rohrdorf

62.772 Kfz/24h

9,3/20,3 Prozent

70.300 Kfz/24h

9,9/20 Prozent

Rohrdorf-Achenmühle

60.054 Kfz/24h

8,5/18,5 Prozent

65.600 Kfz/24h

10/21 Prozent

Achenmühle-Frasdorf

58.777 Kfz/24h

8,5/18,6 Prozent

65.000 Kfz/24h

10/21 Prozent

Frasdorf-Bernau

56.193 Kfz/24h

10/22,1 Prozent

62.400 Kfz/24h

10,4/22 Prozent

In den Ferienmonaten Juli und August liegt die Durchschnittsbelastung rund vierzig Prozent über dem DTV-Jahresmittelwert.

4. Straße zu schmal

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Derzeit ist die zweispurige Autobahn etwa 17 Meter breit. Folglich bleiben für jede Richtung rund 8,5 Meter. Zum einen genügen diese zwei Spuren nicht, um den täglichen Pendlerverkehr aufzunehmen. Zum anderen sorgt der zusätzliche Reiseverkehr in den Ferien mit bis zu 100.000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden für einen Kollaps. 

Hinzu kommt, dass die schmale Autobahn beim Fahren ein Gefühl der Enge erzeugt. Bei Lkw-Fahrern führt das zu einer generell geringeren Geschwindigkeit. Parallel dazu ordnen sich schnellere Autofahrer dauerhaft auf der Überholspur ein. Kapazitätsprobleme sind die Folge - besonders werktags beim Pendlerverkehr sowie am Wochenende und zur Urlaubszeit.

5. Fehlende Standstreifen

Die fehlenden Standstreifen sind ein Grund dafür, dass sich bei Unfällen oder Pannen rasch Staus bilden. Zudem muss bei Reparaturen oder Wartungsarbeiten der Autobahndirektion fast immer eine Spur gesperrt werden. Auch das führt dann zu Staus und ist außerdem ein Sicherheitsrisiko für die Mitarbeiter der Autobahndirektion, welche die Arbeiten ausführen.

6. Straßenwasser wird schlecht entwässert

Momentan versickert das Regenwasser von der Autobahn über die Entwässerung der Mittelstreifen oder breitflächig über die Dammböschungen. Über Mulden entlang der Autobahn wird das Wasser dann ungereinigt und ungedrosselt über Bäche und Gräben zum Beispiel zum Inn geleitet. Das ist ein Problem. 

Um es zu beheben, sollen sogenannte Querneigungen eingebaut werden, wenn die neue Fahrbahn aufgebaut wird. Außerdem sollen Bereiche, in denen das Wasser schlecht abfließt, ausfindig gemacht und behoben werden. Des Weiteren soll das abfließende Wasser künftig gereinigt werden, bevor es in andere Gewässer gelangt.

7. Trasse nicht optimal

Derzeit ist die Strecke von zahlreichen, dicht aufeinander folgenden Neigungswechseln geprägt. Das liegt an der vorhandenen Topografie. Dies sorgt allerdings für eine unruhige Linienführung. Der Verlauf der Autobahn soll verbessert werden. Zum einen durch größere Radien der Kurven, zum anderen durch weniger Neigungswechsel. 

Ziel beim Ausbau ist eine harmonische und sichere Linienführung, die den aktuellen Standards entspricht. Diese soll auch dadurch erreicht werden, dass die Strecke in Lage und Höhe den aktuellen Vorschriften und Richtlinien angepasst wird.

8. Leitplanken in schlechtem Zustand

Die sogenannten passiven Schutzeinrichtungen entlang der A8 entsprechen ebenfalls nicht mehr den modernen Standards. Mittelstreifen sind derzeit nahezu nicht vorhanden zwischen Rosenheim und der Landesgrenze. Im Durchschnitt sind etwa 1,20 Meter Platz zwischen beiden Fahrbahnen. Das ist zu wenig. 

Mit dem Ausbau soll der Bereich auf bis zu vier Meter aufgeweitet werden. Auch moderne Leitplanken sollen installiert werden. Derzeit entsprechen die Leitplanken zwischen den Fahrbahnen und am Straßenrand nicht den aktuellen Standards. Auch das ist ein Sicherheitsrisiko.

9. Anschlussstellen zu kurz

Die Auf- und Abfahrten zur und von der A8 erreichen zum Teil nicht die heutige Mindestlänge von 250 Metern und sind daher zu kurz. Dadurch können Autofahrer beim Auffahren nicht ausreichend beschleunigen und beim Abfahren nicht genügend bremsen. Die Folge ist, dass der Verkehrsfluss behindert wird und das Unfallrisiko steigt.

10. Fehlender Lärmschutz

Obwohl die Autobahn sehr nahe an manchen Orten verläuft, fehlt Lärmschutz für Anwohner momentan nahezu komplett. Lediglich an einigen Stellen sind Lärmschutzwände vorhanden, zum Beispiel mitten in Frasdorf. Mit dem Ausbau würden Anwohner zumindest den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestschutz erhalten. 

Im Bereich Achenmühle, zum Beispiel, reichen Wohnhäuser bis zu 13 Meter an die Autobahn heran. Da Lärmschutz komplett fehlt, werden dort derzeit Lärmpegel von bis zu 77 Dezibel am Tag und 72 Dezibel in der Nacht erreicht. Bei solchen Werten ist laut Gesundheitsamt kein konzentriertes Arbeiten möglich. Sogar ein erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf kann entstehen, wenn jemand dauerhaft diesem Lärmpegel ausgesetzt ist.

Katja Schlenker

Quelle: rosenheim24.de

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