Kritiker befürchten:

A8-Ausbau gefährdet den Tourismus

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Vom Irschenberg aus hat man einen tollen Blick in Richtung Berge. Doch wie wirkt sich der Ausbau der A8 ab Rosenheim auf den Tourismus in der Region aus?

Landkreis - Kritiker befürchten, dass eine sechsspurige A8 den Charakter der Landschaft zerstört. Momentan ist das Image der Autobahn eher negativ. Die ist nämlich berühmt-berüchtigt im Reiseverkehr zur Ferienzeit.

Monsterautobahn - mit diesem Begriff bezeichnen Gegner eines Ausbaus die A8 öfter mal. Die wichtige Verbindung zwischen München und Salzburg soll von derzeit meist vier Spuren auf sechs Spuren plus Standstreifen ausgebaut werden. Zunächst im Bereich von Rosenheim bis zum Bernauer Berg. Doch auch der Abschnitt von dort bis zur Landesgrenze soll irgendwann folgen. Wann, ist derzeit noch offen. Momentan hofft die Autobahndirektion Südbayern, dass die Arbeiten zwischen Rosenheim und dem Bernauer Berg im Jahr 2018 beginnen können.

Statt derzeit 17 Meter soll die Autobahn dann 36 Meter breit werden. Deswegen auch der Begriff "Monsterautobahn". Dass sich etwas verändern muss, ist fast allen mittlerweile klar. Derzeit sind Staus und Unfälle ein großes Problem. Doch an der Strecke gibt es einige Engpässe. Das macht die Planungen kompliziert. Die Sorge ist groß, dass die neue A8 eine regelrechte Schneise durch Oberbayern und vor allem den Chiemgau schlägt. Und dass diese dann auch die Landschaft zerstört und Besucher davon abhält, herzukommen und die Natur zu genießen. Vertreter der Tourismusverbände sehen den Ausbau der A8 allerdings nicht ganz so negativ.

Das sagt Tourismus Oberbayern München:

Der Tourismus ist für Oberbayern eine ganz wichtige Leitökonomie, erklärt Geschäftsführer Oswald Pehel vom Verein Tourismus Oberbayern München. In der Liste der europaweit nachfragestärksten Reisegebiete steht Oberbayern laut EuroStat auf Platz 17. Und damit noch vor Berlin und kurz hinter Tirol, Lombardei und Languedoc-Roussillon. Aber auch innerhalb Bayerns dominiert Oberbayern mit 59 Prozent der bayerischen Gästeankünfte sowie 41 Prozent der Übernachtungen in Bayern das Gesamtbild.

Die Übernachtungszahlen in den vergangenen fünf Jahren konnten zwischen 2011 und 2015 von 33 Millionen auf 37,3 Millionen gesteigert werden. Die Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus in Oberbayern" des dwif zeigt zudem, dass der Bruttoumsatz aus dem Tourismus von 12,6 Millionen Euro in 2009 auf 13,6 Millionen Euro in 2014 gesteigert werden konnte. Insgesamt hängen fast 200.000 Arbeitsplätze in Oberbayern direkt oder indirekt vom Tourismus ab.

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Und dabei spielt auch die A8 eine wichtige Rolle. "Nachdem rund 95 Prozent der Gäste in der Region mit dem Auto anreisen, ist der Zubringer A8 von essenzieller Bedeutung", sagt Oswald Pehel. "Auch wenn sich immer wieder Verschiebungen durch den Einfluss der Flughäfen in München und Salzburg sowie Bahn und Fernbuslinien ergeben, ist und bleibt das Auto der wichtigste Zubringer." Wenn die Besucher dann die Region erkunden, engagieren sich Touristiker dafür, dass umweltfreundliche Fahrräder oder öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden oder gewandert wird.

"Der Ausbau der A8 von vier auf sechs Spuren würde dazu beitragen, Staus in den Reisespitzen der Hauptsaison zu reduzieren oder zu vermeiden", erklärt Oswald Pehel. "Durch den sechsspurigen Ausbau zwischen Stuttgart und München verlagert sich das Nadelöhr in Richtung Südostoberbayern." Der Ausbau würde den Engpass zwischen Inntaldreieck und Landesgrenze entschärfen.

"Nachteil wäre freilich der Landschaftsverbrauch entlang der Trasse, wobei hier aus unserer Sicht keine überregionalen Kulturgüter gefährdet wären", sagt der Geschäftsführer. "Ein ganz wichtiger Effekt wäre die Verkehrsentlastung der Kur- und Tourismusorte links und rechts der A8." Denn bei Stau auf der Autobahn verlagert sich der Verkehr rasch auf die Dorfstraßen nahe der Autobahn. Und damit auf die sensiblen Landschaftsbereiche, wo sich Emissionen negativ auf Natur, Bevölkerung und Tourismus auswirken.

Dass die Region an Charme verliert, befürchtet Oswald Pehel hingegen nicht. "Wichtig wird sein, angepasste Konzepte zu realisieren, die den Eingriff in die Landschaft wie auch die Auswirkungen auf direkte Anrainerorte minimieren", sagt er. Dazu gehöre zum Beispiel die diskutierte Einhausung bei Frasdorf. "Insgesamt sollte der touristisch relevante Charakter einer Panorama-Autobahn erhalten bleiben – der Abschnitt ist bei vielen Durchreisenden bekannt und fungiert als ‚touristische Visitenkarte‘ der Tourismus-Region – auch im Oberbayern Kontext", erklärt Oswald Pehel.

Das sagt Chiemsee-Alpenland Tourismus:

Der Tourismus zwischen Chiemsee und den Bayerischen Alpen spiele im bayernweiten Vergleich eine wichtige Rolle, erklärt Geschäftsführerin Christina Pfaffinger von der Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH & Co. KG. In den vergangenen fünf Jahren haben sich im Bereich des Tourismusverbandes die Gästezahlen um rund zehn Prozent erhöht. Mit 13,5 Millionen Tagesreisen profitiere die Urlaubsregion Chiemsee-Alpenland aber neben den Übernachtungsgästen wie kaum eine andere Region auch vom Tagestourismus.

"Die A8 ist eine der bedeutendsten Verkehrsadern der Region und damit sehr wichtig", sagt Christina Pfaffinger. "Sie bindet unter anderem mit Baden-Württemberg einen der wichtigsten Quellmärkte im Übernachtungstourismus an und ist für den Tagestourismus zum Beispiel aus München bedeutend." Verkehr sei dabei eines der größten Spannungsfelder im Tourismus, dies gelte aber weltweit. "Auf der einen Seite wollen wir, dass Gäste zu uns kommen, da Tourismus mit rund 750 Millionen Euro Bruttoumsatz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Region ist", erklärt sie. "Andererseits erzeugt Tourismus zusätzlich Verkehr. Da neben Gästezahlen gleichzeitig auch die Kurzreisen zunehmen, erhöht sich auch das Verkehrsaufkommen durch Tourismus."

An diesen Entwicklungen werde sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. "Verkehr, der als Lärmbelastung oder Stau wahrgenommen wird, wirkt auf Urlauber immer störend", sagt Christina Pfaffinger. "Daher stehen moderne Mobilitätskonzepte zur Minderung des touristischen Verkehrs dringend an. Fakt ist aber, dass die A8 bei Gästen im Sommer besonders durch Staumeldungen bekannt ist." Wenn sich daran mit dem Ausbau etwas ändern würde, wäre dies touristisch ein Vorteil.

Das sagt Berchtesgadener Land Tourismus:

"Der Tourismus ist in unserer Region ein starker Wirtschaftszweig neben dem produzierenden Sektor als stärkster Branche im Berchtesgadener Land", erklärt Geschäftsführerin Maria Stangassinger von der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH. "Und stellt im bayernweiten Vergleich einen sehr hohen Anteil am Gesamteinkommen der Bevölkerung." Grundsätzlich seien Investitionen in Infrastruktur zu begrüßen. "Wir gehen davon aus, dass der geplante Ausbau die Umweltauflagen - das Berchtesgadener Land ist seit 1990 Biosphärenregion - und den Anwohnerschutz berücksichtigt", sagt sie. Ohne detaillierte Studien sei es jedoch nicht möglich, Auskunft darüber zu geben, wie sich der Ausbau letztendlich auswirken werde.

Katja Schlenker

Quelle: rosenheim24.de

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