Artikelserie Wildunfälle - Teil 3

Jäger warnt Autofahrer: Diese Straßen sind besonders gefährlich

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In den ersten Teilen der Artikelserie wurde deutlich, wie groß die Gefahr eines Wildunfalls für den Menschen wirklich ist. Doch auch der Tierbestand wird durch die ansteigende Unfallzahl bedroht. Ein Jäger klärt auf:

Im dritten Teil der Artikelserie eröffnet ein Gespräch mit Werner Zwingmann, Jäger und Vorstand der Jägervereinigung Rosenheim, den Blick auf die Situation und Gefährdung der Wildtiere. Diese sind im gleichen Maße durch Wildunfälle gefährdet wie der Autofahrer.

Die Gefahr für Mensch und Tier sei im Frühjahr und Herbst besonders hoch, erklärt Werner Zwingmann zu Beginn des Gesprächs. "Im Frühjahr steigt das Risiko besonders durch dieRevierkämpfe der männlichen Jungtiere. Diese versuchen sich ein eigenes Gebiet zu sichern, weshalb es zu dieser Zeit zu erhöhtem Wildwechsel kommt".

Im Herbst hingegen sei das schnelle "Abernten" der Vegetation und der Felder der Grund für das erhöhte Risiko. "Durch die "Aberntung" verlieren die Wildtiere sowohl ihre Nahrungsquellen, als auch ihren Schutz". 

Rehe sind am häufigsten betroffen

Artikelserie "Wildunfälle":

Aufgrund ihres hohen Bestands und der weiten Flächen, die sie beanspruchen, seien in der Region am häufigsten Rehe in einen Wildunfall involviert, so Zwingmann. "Alleine im letzten Jagdjahr starben in der Region 1300 Rehe". In den letzten drei Jahren seien sogar 7000 durch Jagd, aber hauptsächlich durch Wildunfälle ums Leben gekommen.

Doch "auch die Anzahl der Unfälle mit Schwarzwild nimmt in den letzten Jahren immer mehr zu". Während es 2015 etwa 40 Schwarzwild-Unfälle gegeben hätte, so wären im vergangenen Jahr schon 65 zu verzeichnen gewesen. Herr Zwingmann bestätigt, dass der Schwarzwildbestand im Landkreis immer weiter ansteige.

Doch ein Unfall dieser Art stehe in einer ganz anderen Dimension als ein Reh-Unfall, warnt Zwingmann. Ein ausgewachsenes Reh wiege lediglich 15 bis 20 Kilogramm, ein ein bis zwei Jahre altes Schwarzwild bringe jedoch schon bis zu 50 Kilo auf die Waage. "Ein Reh gleicht beim Aufprall einem Strauch, ein Schwarzwild hingegen einem Betonpfeiler".

Das passiert, wenn Tiere verletzt sind

"Wenn das Tier verletzt flüchten kann, muss es schon alleine wegen des Tierschutzgedankens gesucht und erlöst werden", so der Jäger. "Verletze Tiere legen eine so genannte Wundfährte". Durch ihr Blut und die Stresshormone, die sie durch ihre Verwundung über die Hufe ausströmen, können sie durch Hunde aufgespürt und dadurch schnellstmöglich erlöst werden.

Diese Stellen in der Region sind besonders gefährlich

Herr Zwingmann führte im Verlauf des Gespräches einige Stellen in der Region auf, besonders im Landkreis Rosenheim, die eine besonders große Gefahr bergen. Im Allgemeinen seien besonders Straßen betroffen, die durch einen Wald führen, oder an einem Übergang von Wald in ein Feld verlaufen.

Im Landkreis Rosenheim berge etwa die Hauptstraße nach Vogtareuth, die mitten durch ein Waldstück führt, oder auch die Landstraße zwischen Prutting und Bad Endorf ein großes Risiko.

Die größte Gefahr des Landkreises sei jedoch die Westtangente, beispielsweise aktuell am Postverteilerzentrum bei Kolbermoor, so der Jäger. An diesen Stellen sei der Einschnitt, der in den Lebensraum der Wildtiere vorgenommen wurde, besonders groß. Schon bei Baubeginn hätten  die Jäger Grünbrücken und Wildschutzzäune gefordert. Aus Kostengründen seien diese jedoch nicht umgesetzt worden. Im ersten Jahr ereigneten sich bereits 35 Wildunfälle an der Westtangente auf Höhe des Verteilerzentrums. Erst danach hätte man Wildzäune errichtet, berichtet Werner Zwingmann.

Im abschließenden, vierten Teil der Artikelserie am Freitag schildern Leser ihre persönlichen Erfahrungen bei Wildunfällen.

da

Quelle: rosenheim24.de

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