Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 13

Aigner: "Netzausbau entlang der Bahnstrecken weiter vorantreiben"

+
Ilse Aigner (52) ist nach 1994 bis 1998 seit 2013 wieder Mitglied des Landtages für den Stimmkreis Miesbach. Zudem ist sie derzeit Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.
  • schließen

Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von München nach Salzburg? Wir haben Landtagsabgeordnete der Region nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute: Staatsministerin und  MdL Ilse Aigner (CSU).

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Und was können die Politiker der Region dabei bewegen? Wir haben nachgefragt.

Heute: Die CSU-Landtagsabgeordnete Ilse Aigner:

Frau Aigner, wie oft fahren Sie mit dem Zug und wie wichtig wäre Ihnen dabei mobiles Internet, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Aigner: Eher selten. Das ist bei meinem Kalender und den vielen Terminen in ganz Bayern auch nicht möglich. Trotzdem finde ich mobiles Internet in Zügen eine sehr sinnvolle Einrichtung. Die Digitalisierung führt dazu, dass wir – sei es aus beruflichen oder privaten Gründen – immer online sein wollen. Das gilt für Berufspendler auf ihrem Weg zur Arbeit genauso, wie für Urlauber, die bei ihren Zugfahrten durch Bayern schon mal ihre Urlaubsfotos posten möchten.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

Weitere Informationen

Aigner: Das geht letztlich nur Hand in Hand. Für die Mobilfunkversorgung außerhalb der Züge sind grundsätzlich die Netzbetreiber zuständig. Aktuelle Messungen zeigen, dass bei einer Mindestdatenrate von 10 Megabit pro Sekunde im LTE-Netz die Abdeckung je nach Netzbetreiber bei 35 bis 54 Prozent liegt. Deswegen müssen hier alle Betreiber entlang der Bahnstrecken den Netzausbau weiter vorantreiben. Durch geschickte Bündelung aller drei Mobilfunknetze ist schon heute eine Abdeckung von etwa 87 Prozent möglich, davon 78 Prozent LTE. Zudem sind Signalverstärker, sogenannte Repeater, erforderlich, um ein entsprechend stabiles und hochwertiges Netz zu erhalten. Auch deshalb, weil viele Züge aufgrund ihrer Bauart die Mobilfunksignale sogar abschirmen. Für die Ausrüstung mit Repeatern oder WLAN-Routern sind wiederum die jeweiligen Bahnbetreiber zuständig.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Landtagsabgeordnete und die Landesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Aigner: Die Ausstattung der Regionalzüge wird zum Teil vom Freistaat Bayern finanziert. Für die Regionalzüge ist bei uns die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Auftrag des Innenministeriums zuständig. Und der ist die Verbesserung des Mobilfunkempfanges im bayerischen Schienenpersonennahverkehr ein großes Anliegen. Mobiles Internet in Zügen kann neben den bereits genannten Möglichkeiten auch durch den Einsatz mobiler oder den Einbau innovativer Zugfenster zur Verfügung gestellt werden. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft prüft gerade, welche Lösungen hinsichtlich der Kosten sowie der technischen Realisierbarkeit am geeignetsten ist. Bereits jetzt müssen Neufahrzeuge so geplant werden, dass eine Nachrüstung, etwa mit Repeatern, möglich ist.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen „gezwungen“ werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Aigner: Den Bahnbetreibern ist das Problem durchaus bewusst. Und es passiert ja auch schon viel. Die Deutsche Bahn stattet derzeit die ICE-Flotte mit einer Technologie aus, die durch Netzbündelung die Versorgungsqualität erhöht. Fahrgäste der 2. Klasse können ab Jahresende bis zu 200 Megabyte an Daten kostenlos nutzen. Für Fahrgäste der 1. Klasse gibt es kein Datenlimit. Trotzdem verbleiben vorerst Funklöcher entlang der Bahnstrecken. Da liegen wir bei etwa 15 Prozent. Im Zuge der Digitalen Dividende II wurden die Netzbetreiber verpflichtet, bis Anfang 2020 alle ICE-Strecken vollständig zu versorgen. Auch im Regionalverkehr gibt es erste Ansätze, durch technische Nachrüstung die Mobilfunkversorgung in den Zügen zu steigern. Sie sehen: Wir arbeiten daran.

Sollten WLAN-Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Aigner: Nach den aktuellen Plänen, zumindest der Deutschen Bahn, wird WLAN kostenlos zur Verfügung gestellt. In der 2. Klasse allerdings nur bis zu einem gewissen Datenvolumen. Weitere Bahngesellschaften haben bereits vergleichbare Modelle angekündigt. Damit ist gewährleistet, dass Zugreisende in einem üblichen Umfang, etwa zum Versenden und Empfangen von E-Mails oder zum Surfen, eine gute Internetverbindung ohne Aufpreis erhalten.

Bisher gibt es WLAN meist nur im Fernverkehr, also zum Beispiel in ICE-Zügen. Wie wichtig wäre funktionierender Mobilfunk in Regional- und S-Bahnen, in denen die meisten Pendler unterwegs sind?

Aigner: Da gilt das Gleiche. Ich denke da zum Beispiel an die vielen Pendler, die täglich aus dem Umland in die Ballungszentren fahren. Natürlich auch an Touristen, die sich unterwegs noch schnell über die Sehenswürdigkeiten vor Ort informieren wollen. Deutsche Bahn und die Länderbahn, die in Bayern unter anderem den Alex und die Oberpfalzbahn betreibt, rüsten hier bereits nach. Das WLAN-Angebot wird in den kommenden Jahren also auch in den Regionalzügen kontinuierlich ausgebaut.

Stellt funktionierender Mobilfunk Ihrer Meinung nach einen Vorteil für Züge als Transportmittel dar? Zum Beispiel gegenüber Flugzeugen?

Aigner: Die Frage, ob Zug oder Flugzeug oder Fernbus, hängt ja von vielen Faktoren ab. Etwa dem Preis oder der Reisezeit. Ein Internetzugang oder ein funktionierendes Mobilfunknetz ist da ein zusätzliches Entscheidungskriterium. WLAN gibt es bei vielen Fluggesellschaften bereits. Beim klassischen Mobilfunk ist das technisch kaum möglich. Auch Busse sind häufig mit WLAN-Routern oder ähnlichem ausgestattet. Ich sehe das auch nicht als Konkurrenz zwischen den unterschiedlichen Transportmitteln. Mir geht es vor allem darum, dass wir den Bürgern hier in Bayern die technischen Voraussetzungen bieten, damit sie die Digitalisierung nutzen können. Egal ob zu Hause, im Zug oder auf dem Marktplatz.

Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen München und Salzburg unterwegs ist, braucht Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Landkreis Rosenheim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser