Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 7

Heckner: "Auch Fluglinien werden bald mobiles Internet anbieten"

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Ingrid Heckner (66) ist seit 2003 Mitglied des Landtages für den Stimmkreis Altötting.

Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von München nach Salzburg? Wir haben Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute: Ingrid Heckner, Mitglied des Landtages für den Stimmkreis Altötting  (CSU):

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Und was können die Politiker der Region dabei bewegen? Wir haben nachgefragt.

Heute: Die CSU-Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner:

Frau Heckner, wie wichtig ist Ihnen mobiles Internet beim Zugfahren, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Heckner: Ich pendele mehrfach im Monat von Altötting nach München und zurück. Außerdem nutze ich die Bahn teilweise auch, um Außentermine als Ausschussvorsitzende zu absolvieren. Mir ist mobiles Internet unterwegs deshalb wichtig, weil es die Arbeit erheblich erleichtert.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

Heckner: Da es sich bei mobilem Internet um eine Serviceleistung der Bahnunternehmen handelt, ist es grundsätzlich auch deren Aufgabe, es für ihre Kunden bereitzustellen. Zumal die Anbieter ja auch davon profitieren werden. Mit permanent verfügbarem Internet in Zügen werden sie im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln attraktiver. Für die Mobilfunkversorgung außerhalb der Züge sind dann entsprechend die Netzbetreiber zuständig. Die Netzbetreiber müssten ihre Netze entlang der Bahnstrecken jedoch noch deutlich ausbauen, um einen Versorgungsgrad zu erreichen, der "indoor" entspricht.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Landtagsabgeordnete und die Landesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Weitere Informationen:

Heckner: Als Landtagsabgeordnete setze ich mich in Gesprächen mit den Netzbetreibern oder auf Veranstaltungen für einen flächendeckenden Netzausbau ein. Auch im Dialog mit der Bahn weise ich nachdrücklich auf die Problematik hin. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft - im Auftrag des Freistaates für den Regionalverkehr in Bayern zuständig - befindet sich derzeit außerdem in einer vorgeschalteten Pilotphase, in der innovative Technologien zur besseren Bereitstellung von mobilem Internet evaluiert werden. Dabei schreibt die Bayerische Eisenbahngesellschaft die Vorbereitung von Neufahrzeugen für die Nachrüstung mit bestimmten Technologien wie Repeatern mittlerweile vor. Die Ausstattung der eingesetzten Fahrzeuge im Schienenpersonennahverkehr wird darüber hinaus über die Bestellentgelte vom Freistaat Bayern mitfinanziert.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen "gezwungen" werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Heckner: Nein, ein so massiver Eingriff in die autonomen Entscheidungen eines Unternehmens ließe sich nicht mit meinem Leitbild einer sozialen Marktwirtschaft vereinbaren und wäre juristisch wohl auch schwierig durchzusetzen. Zumal der Bahn das Problem ja durchaus bewusst ist, sie es auch angeht und den Internetzugang in Zügen ausbaut. Sie plant wegen der Lücken in der Netzabdeckung jedes einzelnen Betreibers beispielsweise eine neue Multiprovider-Technik, bei der die Netze gebündelt werden, um die schwierigen technischen Herausforderungen zu meistern. Wie man sieht, bewegt es sich also inzwischen in die richtige Richtung.

Sollten WLAN-Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Heckner: Das WLAN in Zügen wird nach den derzeitigen Plänen der Bahn kostenlos sein. Allerdings wird über kostenpflichtige Angebote für Fahrgäste nachgedacht, die mehr als 200 Megabyte am Tag nutzen. Ich halte eine solche Lösung für angemessen.

Bisher gibt es WLAN meist nur im Fernverkehr, also zum Beispiel in ICE-Zügen. Wie wichtig wäre funktionierender Mobilfunk in Regional- und S-Bahnen, in denen die meisten Pendler unterwegs sind?

Heckner: Mir ist die zügige Verbesserung des Mobilfunkempfangs im bayerischen Schienenpersonennahverkehr ein großes Anliegen, da dies für die Fahrgäste ein wichtiges Qualitätsmerkmal darstellt und somit zur Bereitschaft beiträgt, den Schienenpersonennahverkehr regelmäßig zu nutzen. Deshalb ist die Ankündigung der WLAN-Initiative durch die DB Regio sehr zu begrüßen.

Stellt funktionierender Mobilfunk Ihrer Meinung nach einen Vorteil für Züge als Transportmittel dar? Zum Beispiel gegenüber Flugzeugen?

Heckner: Im Vergleich zum Flugzeug dürfte die Möglichkeit einer uneingeschränkten Mobilfunknutzung durchaus attraktive Aspekte zugunsten des Bahnverkehrs aufweisen. Dieser Vorteil wird meiner Ansicht nach jedoch nicht mehr sehr lange Bestand haben, da auch Fluglinien in naher Zukunft mobiles Internet anbieten werden. Die Lufthansa bietet zum Beispiel schon heute ein - allerdings kostenpflichtiges - WLAN ihres eigenen FlyNet-Service in bestimmten Flugzeugen an, die mit dem Hotspot Zeichen in der Flugzeugkabine gekennzeichnet sind. In Fernbussen gibt es bereits jetzt kostenloses WLAN.

Interview: Katja Schlenker

Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen München und Salzburg unterwegs ist, braucht Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

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