Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 4

Huber: "Gearbeitet wird zunehmend digital und ortsunabhängig"

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Thomas Huber (44) ist seit 2013 Mitglied des Landtages für den Stimmkreis Ebersberg.

Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von München nach Salzburg? Wir haben Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute: MdL Thomas Huber (CSU).

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Und was können die Politiker der Region dabei bewegen? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber:

Herr Huber, wie wichtig ist Ihnen mobiles Internet im Zug, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Huber: Ich nutze die öffentlichen Verkehrsmittel in den Sitzungswochen im bayerischen Landtag an mindestens drei Tagen und arbeite nach Möglichkeit immer während der Fahrt. Auf mobiles Internet und gute Datenverbindungen im Zugverkehr kann ich deshalb nicht verzichten.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

Huber: Natürlich sind die jeweiligen Bahn- und Netzbetreiber des Schienenpersonennahverkehrs für die Versorgung zuständig, die im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft handeln.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Landtagsabgeordneter und die Landesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Weitere Informationen:

Huber: Als Landtagsabgeordneter habe ich keine direkten Einflussmöglichkeiten auf die unternehmerischen Entscheidungen der Bahnbetreiber. Meine persönliche Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass man in regelmäßigen Gesprächen und durch stetiges Nachhaken viel erreichen kann. Die Einflussmöglichkeiten der Staatsregierung sind da schon größer, wenngleich auch sie nicht direkt in das Tagesgeschäft eingreift, sondern eher die mittel- bis längerfristigen Weichenstellungen beeinflusst. Als Unternehmen des Freistaates Bayern kann die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Rahmen von Ausschreibungen den Anforderungskatalog entsprechend ausgestalten. Bisher kommt das wirtschaftlichste Angebot zum Zuge. Inwieweit auch die Verbesserung von Datenverbindungen in den Anforderungskatalog mit aufgenommen werden könnte, müsste seitens der Bayerischen Eisenbahngesellschaft geprüft werden.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen "gezwungen" werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Huber: Zwang ist für mich nie das erste Mittel der Wahl. Vorher sollte man es mit Anreizen versuchen oder eben den Weg über Ausschreibungen suchen. Bahn- und Netzbetreiber sollten eigentlich schon aus eigener Überzeugung heraus und im Sinne einer Dienstleistungsorientierung die nötigen Schritte ergreifen. Ich versuche das bei meinen Gesprächen mit den Betreibern der Bahn immer wieder als notwendige Investition herauszustellen, denn im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung führt meiner Meinung nach kein Weg an besseren Mobilfunk- und Internetverbindungen in den Zügen vorbei. Daher sind bessere Datenverbindungen in den Zügen nur eine Frage der Zeit, wenn die Betreiber nicht den Anschluss verlieren wollen.

Sollten WLAN-Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Huber: In öffentlichen Gebäuden und Cafés sowie an vielen weiteren Orten stehen kostenlose Hotspots zur Verfügung. Ich meine, dass dies als Serviceangebot auch für Fahrgäste der Bahn kostenlos sein sollte. Onlinezugänge gehören mittelfristig zum Standard einer gut ausgebauten Infrastruktur. Der Freistaat Bayern investiert über 1,5 Milliarden Euro für den Breitbandausbau und hat damit bundesweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Da könnten sich die Bahnbetreiber durchaus einmal eine Scheibe abschneiden. Im Übrigen nicht nur in dem Bereich: Auch bei der Erreichung der Barrierefreiheit gibt es seitens der Bahn noch eine Menge zu tun!

Bisher gibt es WLAN meist nur im Fernverkehr, also zum Beispiel in ICE-Zügen. Wie wichtig wäre funktionierender Mobilfunk in Regional- und S-Bahnen, in denen die meisten Pendler unterwegs sind?

Huber: Dies wäre enorm wichtig, weil unsere Pendler tagtäglich viel Zeit auf dem Weg von und zur Arbeit verbringen und diese Zeit oftmals zum Arbeiten nutzen wollen. Und gearbeitet wird zunehmend digital und ortsunabhängig.

Stellt funktionierender Mobilfunk Ihrer Meinung nach einen Vorteil für Züge als Transportmittel dar? Zum Beispiel gegenüber Flugzeugen?

Huber: Generell hat die Bahn gegenüber Flugzeug und Auto viele Vorteile. Je attraktiver und zuverlässiger die Bahn ist, desto eher werden Pendler und Reisende ein Zugticket vorziehen. Ein schneller Zugang zum Internet ist meiner Ansicht nach ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Attraktivität.

Interview: Katja Schlenker

Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen München und Salzburg oder auch auf anderen Strecken der Region unterwegs ist, braucht Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecken nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

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