Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Die Arbeit mit der Flucht

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Auch für minderjährige Flüchtlinge ist ein Deutschkurs verbindlich.

Landkreis - Die Zahl der Asylbewerber steigt, auch die der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Aber wer kümmert sich um die Jugendlichen? Wir haben mit einer Sozialpädagogin gesprochen:

Die anhaltenden gewaltsamen Konflikte in Afghanistan, Syrien und anderen Ländern haben in den vergangenen Monaten zu einer rasch wachsenden humanitären Krise geführt. Ein großer Teil der Flüchtlinge ist auf Hilfe angewiesen. Diese Hilfe erhalten sie von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Doch auch ein großer Teil unserer Gesellschaft verdient aus dieser Situation heraus sein Geld: So z.B. Ärzte, Übersetzer, Lehrer, Vormunde, Sozialpädagogen, Köche, Hausmeister, Handwerker und viele mehr.

Doch wie sieht eigentlich der Alltag der Menschen aus, die mit Flüchtlingen arbeiten? Was Erleben sie tagtäglich? Was müssen sie leisten? Das Portrait des Arbeitsalltages einer Sozialpädagogin, die in einer Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge arbeitet, gibt einen kleinen Einblick in die Thematik:

Laura M. (Name von der Redaktion geändert) arbeitete nach dem Studium der Sozialpädagogik zwei Jahre in einem Heim für schwererziehbare Kinder. Um neue Erfahrungen zu sammeln, wechselte sie in eine Clearingstelle für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge. „Ich wollte mich der Herausforderung stellen und hoffe meinen Teil zur Menschlichkeit beitragen zu können, das Thema Flüchtlinge ist ja ein sehr polarisierendes.“

Die Clearingstelle ist eine Erststation für Kinder und Jugendliche, die alleine in Deutschland ankommen. Hier werden Hintergründe und Umstände der Flucht geklärt und Kontakte zu Eltern und/oder Verwandten hergestellt. Sie erspart den jungen Menschen den Aufenthalt in großen, für Kinder nicht geeigneten Gemeinschaftsunterkünften. Minderjährige Flüchtlinge werden in Deutschland nach dem deutschen Jugendschutzgesetz behandelt.

Die Aufgaben der Heilerziehungspfleger, Psychologen und Sozialpädagogen in einer Clearingstelle sind sehr vielfältig und umfangreich. „Nach dem Aufgriff eines unbegleiteten Minderjährigen durch die Bundespolizei wird das zuständige Jugendamt informiert und er wird auf eine der Clearingstellen verteilt. Hier beginnt dann unsere Arbeit.“ so Laura.

„Am selben oder dem darauffolgenden Tag organisieren wir die Erstuntersuchung beim Gesundheitsamt, darauf folgt dann ein Anamnesegespräch mit einem Dolmetscher. Sollten sich Krankheiten oder Verletzungen herausstellen, ist es unsere Aufgabe die nötigen Behandlungen in die Wege zu leiten. Ist der Jugendliche gesundheitlich einigermaßen stabil, folgen die psychologische Abklärung, ein Perspektivgespräch und ein Erstgespräch mit dem Vormund. Wir kümmern uns um die Aufenthaltsgestattung vom Ausländeramt oder zunächst eine Duldung. Weiter sorgen wir für die Anmeldung bei einem Deutschkurs, der verbindlich ist für alle, besorgen Wörterbücher und Schulmaterial und halten Kontakt zu den Schulen. Es müssen die Erstausstattung eingekauft, Arztbesuche durchgeführt, Passfotos gemacht und die Auszahlung des Taschengeldes organisiert und abgerechnet werden. Überhaupt sind wir für sämtliche Abrechnungen zuständig. Täglich werden Dokumentationen geschrieben und am Ende des Aufenthaltes verfassen wir einen umfangreichen Clearingbericht. Neben diesen ganzen organisatorischen Dingen steht natürlich auch der Kontakt zu den Jugendlichen, deren Inklusion und Integration im Vordergrund. Wir vermitteln ihm Werte und Normen unserer Kultur, unterstützen ihn in Freizeitaktivitäten und bauen Vertrauen auf. Gemeinsames Kochen gehört dabei genauso dazu, wie die Einbeziehung in alle hauswirtschaftlichen Bereiche. Das Einhalten von Uhrzeiten und Terminen, Lernzeiten etc. - einfach ein geregelter Tagesablauf wird ihnen durch uns vermittelt. Unser erklärtes Ziel ist es, den jungen Menschen zur Selbstständigkeit zu erziehen.“

Wie dieses Portrait zeigt, legt die Arbeit mit Flüchtlingen das Fundament für ihr zukünftiges Leben. Sie zieht sich durch die verschiedensten Berufsgruppen und wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein...

Jennifer Bretz

Quelle: rosenheim24.de

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