Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert aktuelle Lage

Zweitjob in der Gastro: Reicht der Hauptberuf nicht mehr zum Leben aus?

Landkreise - Wie die Agentur für Arbeit bereits im Dezember 2016 in einer Beschäftigungsstatistik bekannt gab, gehen in Deutschland immer mehr Menschen zusätzlich zum Hauptberuf einer geringfügigen Beschäftigung nach. In der Region steigen die Zahlen besonders im Bereich der Gastronomie.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten der Region Rosenheim-Oberbayern verzeichnet in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und der Stadt Rosenheim einen beunruhigenden Trend: Die Zahl der Zweitjobber steigen an.  Auch bayernweit sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten: So sind z.B. Bayerns Polizisten betroffen: Ein Fünftel aller Polizisten in München hat einen NebenjobReicht eine Hauptbeschäftigung nun nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten?

Die Zahlen sprechen für sich:

In Rosenheim sind es rund 3.600 Menschen, die neben ihrem Hauptverdienst noch einen Minijob ausführen - vor zehn Jahren waren es noch 48 Prozent weniger. 7.500 Menschen haben im Kreis Traunstein zu ihrem Hauptberuf noch eine weitere geringfügige Beschäftigung - 81 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Im Landkreis Berchtesgadener Land ist die Zahl der Menschen mit Haupt- und Nebenberuf auf 3.800 gestiegen. Das sind 66 Prozent mehr als vor zehn Jahren. 4.500 Beschäftigte im Landkreis Altötting gehen neben ihrem Hauptjob einem Minijob nach - vor zehn Jahren waren es noch 76 Prozent weniger.

Gastgewerbe häufigste Anlaufstelle für Nebenjobs

Die NGG, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, stellt weiterhin fest: Besonders beliebt für einen Zweitjob in den Landkreisen Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land und der Stadt Rosenheim sindBerufe in der Gastronomie:

480 Beschäftige sind derzeit in Rosenheim angestellt, 1.300 im Kreis Traunstein, im Landkreis Berchtesgadener Land 720 und im Altöttinger Landkreis arbeiten 670 in dieser Branche.Gegenüber dem Jahr 2007 sind das Steigerungen von bis zu 110 Prozent in Rosenheim und 88 Prozent im Landkreis Altötting. Die Zahlen haben sich also fast überall nahezu verdoppelt in der Region.

Geschäftsführer der NGG spricht von "alarmierendem Trend"

Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG, stellt in diesem Zusammenhang einen "alarmierenden Trend" fest: Es könne nicht sein, dass immer mehr Menschen in einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen. Obwohl steigende Beschäftigungsquoten auf dem Arbeitsmarkt erst vielversprechend scheinen mögen, sei "nicht alles Gold, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt".

Georg Schneider mahnt außerdem davor, dass das Gastgewerbe zur "bloßen Minijobber-Domäne" werden könnte. "In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen.", so der Gewerkschafter. Die niedrigen Löhne würden das aber kaum ermöglichen derzeit.

Die Politik ist gefragt

Laut Arbeitsagentur habenahezu jeder Zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Rosenheim noch einen Nebenjob. Der gesetzliche Mindestlohn sei laut dem Geschäftsführer der NGG zwar ein erster Schritt, aber dennoch liege die Untergrenze, um davon allein eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden, immer noch zu niedrig.

Nach Schneider sollten ausgehandelte Tarifverträge künftig in allen Betrieben einer Branche gelten, unabhängig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband sei oder nicht. Auch die Rente müsse von der Bundesregierung dringend überarbeitet werden: Diejenigen, die heute auf einen Zweitjob angewiesen seien, hätten später mit Altersarmut zu kämpfen.


Pressemitteilung Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Region Rosenheim-Oberbayern/ Ramona Reiter

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Philipp Schul

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