Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 2015

Diebstahl-Delikte trotz Rückgang ganz vorne

Landkreis - Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd ermöglicht eine Einsicht in die Entwicklung der Kriminalitätsstruktur bis 2015. Einige aktuelle Zahlen dürften bei einigen Verwunderung auslösen.  

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd musste wieder einmal feststellen, dass Diebstähle den größten Anteil an der Gesamtkriminalität einnehmen. Mit Ausnahme der strafrechtlichen Nebengesetze, konnte keine gravierende Veränderung der Kriminalitätsstruktur ermittelt werden.

Gewaltkriminalität 

Die Entwicklung der Gewaltkriminalität bis 2015

Bezüglich der Gewaltkriminalität musste leider festgestellt werden, dass diese im Jahr 2015 erstmals seit 2012 wieder angestiegen ist. Mit 1467 Straftaten wurden um 3,8 % mehr Fälle registriert als im Vorjahr. Der Großteil an Straftaten entfällt auf den Bereich Körperverletzungen mit 82,8 %. Danach folgen Raubstraftaten, Vergewaltigungen und zuletzt Mord bzw. Totschlag.

Straßenkriminalität 

Die Entwicklung der Straßenkriminalität bis 2015

Im Gegensatz dazu, setzte sich bei der Straßenkriminalität im Jahr 2015 die erfreuliche Tendenz der Vorjahre weiter fort. Es konnte ein sehr deutlicher Rückgang um 11,5 % bzw. von 1071 Fällen zum vorangegangenen Jahr verzeichnet werden. Polizeipräsident Robert Kopp erklärte, dass dieses Ergebnis im 10-Jahres-Vergleich den niedersten Wert bei Straftaten im Bereich der Straßenkriminalität darstelle. Dies hätten wir der polizeilichen Kontrollfähigkeit zu verdanken. 

Sexualdelikte

Die Entwicklung der Sexualdelikte bis 2015

Besonders wünschenswert war der Rückgang von Sexualdelikten. Von 2014 auf 2015 schrumpfte die Zahl von 558 auf 479 Vorfälle. 

Diebstahlskriminalität 

Die Entwicklung der Diebstahlskriminalität bis 2015

Im Bereich der Diebstahlskriminalität ist die Bekämpfung der Haus- und Wohnungseinbrüche nach wie vor polizeilicher Tätigkeitsschwerpunkt. Im Jahr 2015 konnte jedoch erstmals seit zwei Jahren wieder ein Rückgang von 3,6 % bzw. 22 Fällen verzeichnet werden. Nichtsdestotrotz liegt die Gesamtzahl der Wohnungseinbrüche mit 586 Fällen noch immer auf einem hohen Niveau. Im Vorjahr waren es noch 608 Fälle. Polizeipräsident Robert Kopp betonte stark, dass sie trotz Stagnation des Anstiegs noch keine Entwarnung geben könnten. Weiterhin werden die intensiven Bekämpfungsmaßnahmen von der Polizei fortgeführt. Neben konzentrierter Fahndungs- und akribischer Ermittlungsarbeit führen die Polizei- und Kriminalpolizeiinspektionen eine breit gefächerte, öffentlichkeitswirksame Präventionsarbeit für Bürgerinnen und Bürger durch. Zusätzlich sollen durch kriminalpolizeiliche Beratungen die Sicherheitsstandards erhöht bzw. optimiert werden. Dadurch sollen Tatgelegenheiten für Straftäter minimiert werden. 

Vermögens- und Fälschungsdelikte 

Die Entwicklung der Vermögens- und Fälschungsdelikte bis 2015

Im Jahr 2015 wurden mit 9318 Straftaten um 443 Fälle weniger registriert  als im Jahr zuvor. Dies entspricht einem Rückgang von 4,5 %. Zu den Vermögens- und Fälschungsdelikten werden insbesondere Betrugsdelikte, Veruntreuung, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Geld- und Wertzeichenfälschung, Fälschung von unbaren Zahlungsmitteln gezählt. 

Rauschgiftkriminalität 

Die Entwicklung der Rauschgiftdelikte bis 2015

Im Jahr 2015 wurden 3135 Rauschgiftdelikte ermittelt. Im Jahr 2014 waren es noch 3710. Das heißt die Zahl konnte um 575 Vorfälle reduziert werden. Allerdings nahm die Anzahl der Rauschgifttodesfälle in 2015 zu. Insgesamt waren im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 27 Opfer zu beklagen. Davon war in 13 Fällen der Konsum von Heroin und in 5 Fällen der Konsum von Fentanyl ursächlich. 2014 betrug die Anzahl der Opfer bloß 23.

Fahndung/Grenzüberschreitende Kriminalität

Die Polizeiinspektionen Fahndung Rosenheim, Traunstein und Weilheim sowie die beiden Polizeistationen Fahndung in Kreuth und Burghausen waren im Vorjahr bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität mit einer Vielzahl von Aufgriffen sehr erfolgreich. Die Anzahl festgestellter Straftaten nach dem Aufenthaltsgesetz ist sehr hoch. Allerdings hat sich die Zahl der von Schleierfahndern getätigten Festnahmen im Jahr 2015 zum Vorjahr mehr als verdreifacht. In 2015 betrugen diese 23.774, in 2014 lediglich 7019. Fahndungserfolge konnten auch im Bereich der Rauschgift- und Einbruchskriminalität, aber auch in Bezug auf die Sicherung von Waffen erzielt werden. Polizeipräsident Robert Kopp erzählt, dass ihre erfolgreiche Schleierfahndung in punkto Sicherheit deutlich über ihre Zuständigkeitsgrenze hinaus wirke. 

Kriminalität und Alkohol

Die Entwicklung des Alkoholkonsums von Minderjährigen

Im Jahr 2015 standen 4907 Tatverdächtige bei ihren Taten unter Alkoholeinfluss. Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 3600. Vor allem bei Gewaltstraftaten macht sich der Einfluss von Alkohol nach wie vor stark bemerkbar. Der prozentuale Anteil mit 37 % ist zwar im Vergleich zum Vorjahr (38,5 %) leicht zurückgegangen, trotzdem spielte bei mehr als jedem dritten Tatverdächtigen der vorangegangene Konsum von Alkohol eine Rolle. 

Auffällig ist, dass immer häufiger Alkohol von Minderjährigen missbraucht wird. Deshalb legt die Polizei im südlichen Oberbayern traditionell ein Hauptaugenmerk auf die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs bei Kindern und Jugendlichen. Werden im Rahmen der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung Minderjährige unter Alkoholeinfluss festgestellt, so erfolgt, je nach den Umständen des Einzelfalls, eine Ingewahrsamnahme bzw. die Überstellung an die Eltern. Auch das zuständige Jugendamt wird regelmäßig informiert. Im vergangen Jahr wurden fast 400 alkoholisierte Minderjährige festgestellt. Davon waren knapp 64 % männlich. 

Computer- und Internetkriminalität 

Die Entwicklung der Internetkriminalität bis 2015

Das Internet ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dabei zeigen sich aber auch die Facetten im Zusammenhang mit Straftaten bei der Nutzung dieses Mediums immer vielfältiger. Gleich geblieben ist die Problematik, dass dieses Kriminalitätsphänomen statistisch nur unzulänglich darstellbar ist. Dies liegt daran, dass aufgrund erfassungstechnischer Parameter ein sehr großer Anteil dieser Fälle in der PKS nicht oder nur ungenügend Einzug hält, da der „eigentliche Tatort“ sehr oft im Ausland ist.

Die Ermittler bei den drei speziell eingerichteten Arbeitsbereiche „Cybercrime“ der Kriminalpolizeidienststellen in Weilheim, Rosenheim und Traunstein, die sogenannten „Cybercops“, bearbeiteten im vergangenen Jahr insgesamt etwa 2.300 Fälle mit nahezu 2.600 strafrechtlichen Delikten (2014: rund 2.500 Fälle mit fast 3.800 Delikten), wie z.B. Computerbetrug oder der Fälschung beweiserheblicher Daten (Stichwort: „Identitätsdiebstahl“). Darüber hinaus werden fast täglich bei den Polizeiinspektionen Strafanzeigen im Zusammenhang mit dem Internet erstattet, die dann auch teils dort endbearbeitet werden, so dass die tatsächliche Zahl nochmals höher liegt.

Gewalt gegen Polizeibeamte

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 476 Fälle statistisch erfasst, bei denen Polizeibeamte Opfer von körperlicher Gewalt durch ihr Gegenüber wurden. Das sind 125 Fälle oder 35,6 % mehr als im Jahr zuvor. Dieser sehr bedeutsame Anstieg markierte einen sehr bedenklichen Trend, zumal in die Betrachtung nur Fälle wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder die verschiedenen Formen von Körperverletzungen einflossen. Delikte wie Beleidigung oder Gefangenenbefreiung bleiben unberücksichtigt.

Durch die Angriffe erlitten 12 Polizeibeamte Verletzungen, die zu ein- oder mehrtägigen Dienstausfällen führten. Festzustellen ist, dass eine Vielzahl der Täter, die Widerstand leisteten, unter Alkoholeinfluss stand oder sich in einer psychischen Ausnahmesituation befand. Oftmals werden Polizeibeamte bei Routineeinsätzen angegriffen und teilweise auch verletzt. „Es darf nicht sein, dass unsere Polizeibeamten, die andere schützen, tagtäglich selbst Ziel von gefährlichen Angriffen werden. Gewalt gegen die Polizei muss nicht nur von den Gerichten bestraft, sondern auch gesellschaftlich geächtet werden“, stellt Polizeipräsident Robert Kopp fest.

Häusliche Gewalt

Die Entwicklung der Häuslichen Gewalt bis 2015

Im Jahr 2015 wurden 1.492 Fälle Häuslicher Gewalt polizeilich registriert. Das sind 72 Fälle oder 5,1 % mehr als im Vorjahr. Die jährlich ansteigenden Fallzahlen indizieren eine weitere Aufhellung des Dunkelfeldes und sind nicht zuletzt das Ergebnis einer kontinuierliche Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei. Sehr positiv wirkt sich hier aber auch die interdisziplinäre Vernetzung aller in diesem Bereich zusammenwirkenden Institutionen aus. Opfern Häuslicher Gewalt wird verdeutlicht, dass ihre Menschenrechte elementar verletzt werden und „das Problem“ keine reine Privatsache ist. Es werden Möglichkeiten zum Ausstieg aus der Gewaltspirale aufgezeigt, und die Opfer ermutigt, Strafanzeige zu erstatten, um die Gewalt aus der Anonymität zu holen.

Quelle: Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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