Über 5.000 Berufstätige beziehen Hartz IV

Oberbayern: Viel Armut trotz Arbeit 

Landkreis - In Rosenheim, Traunstein, Mühldorf, Altötting und Berchtesgadener Land sind derzeit 5.274 Menschen trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen. Eine große Zahl der Aufstockenden arbeitet in geringfügiger Beschäftigung. So haben 1.791 Aufstockende nur einen Minijob.

„Es ist untragbar, dass so viele Menschen in Südostoberbayern, trotz guter wirtschaftlicher Lagevon ihrer Arbeit nicht leben können“, erklärt Günter Zellner, Regionsgeschäftsführer des DGB für Oberbayern: „Ein besonderes Problem sind die Minijobs. Der Minijob ist keine Brücke in reguläre Beschäftigung, sondern ein Armutsrisiko.“ 

Besonders für Frauen nach der Familienphase, die den Wiedereinstieg in sozialversicherte Arbeit suchten, würden Minijobs zur Sackgasse. Minijobs böten keine Perspektive auf Qualifizierung und Aufstieg im Beruf. Hinzu komme, dass keine oder nur eingeschränkte Ansprüche für die gesetzliche Sozialversicherung erworben werden und dies oft über viele Jahre. 

"Minijob gleich Aushilfe"

Oftmals klebe das Etikett „Minijob gleich Aushilfe“ an den geringfügig Beschäftigten. „Wissenschaftliche Studien bestätigen regelmäßig, dass viele Menschen in Minijobs gerne mehr arbeiten würden.“ Für Günter Zellner ist deshalb klar: „Unser Ziel ist, dass mehr Minijobs in sozialversicherte Arbeit umgewandelt werden. Der DGB hat dazu einige Vorschläge gemacht!“ 

Sogar 642 Vollzeitbeschäftigte sind auf Hartz IV angewiesen

Einfachere Vereinbarkeit von Familie und Beruf 

Aber auch Land und Kommune sieht der DGB Regionsgeschäftsführer in der Verantwortung: „Weit über die Hälfte der geringfügig Beschäftigten bundesweit, die aufstocken müssen, sind Frauen. Viele von ihnen leisten Familien- und Pflegearbeit, so dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Stunden arbeiten können. Deshalb müssen wir die Infrastruktur so ausbauen, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter zu meistern ist.“

Zwar ist bundesweit die Zahl der Aufstockenden in den letzten zwölf Monaten geringfügig um rund 50.000 gesunken, ist aber mit fast 1,2 Millionen Betroffenen immer noch sehr hoch. Zum Jahresbeginn 2015 wurden 100.000 Minijobs in sozialversicherte Beschäftigung umgewandelt

Das geht auf das Konto des Mindestlohns!“, weiß Günter Zellner. „Der Mindestlohn wirkt, allen Unkenru- fen zum Trotz. Es muss sich mehr um die Aufstockenden gekümmert werden.Arbeit muss vor Armut schützen und da gibt es noch einiges zu tun.“

Pressemitteilung Deutscher Gewerkschaftsbund Region Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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