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„Winter könnte kritischer werden“

Russisches Gas boykottieren? Was das für Bad Aibling bedeutet

Wie hier bei einer Demonstration von „Fridays for Future“ fordern auch die CSU-Ortsverbände von Willing und Bad Aibling einen Boykott von russischem Gas. 
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Wie hier bei einer Demonstration von „Fridays for Future“ fordern auch die CSU-Ortsverbände von Willing und Bad Aibling einen Boykott von russischem Gas. 

Die CSU-Ortsverbände haben die Stadtwerke Bad Aibling dazu aufgefordert, kein Gas mehr aus Russland zu beziehen. Wie der Werksleiter dazu steht und welche Folgen nun auf die Bürger zukommen könnten.

Bad Aibling – Die CSU-Ortsverbände Bad Aibling und Willing haben sich mit einem offenen Brief an die Stadtwerke Bad Aibling gewendet und gefordert, sich mit Sanktionen gegen Russland einzusetzen. „Wir finden die momentane Situation in der Ukraine unerträglich“, schrieb hierzu Markus Stigloher, Ortsvorsitzender der CSU-Willing. Man sei der Meinung, der „Aggressor Russland und sein Autokrat Putin“ müssten gestoppt werden.

Die Stadt Bad Aibling könne durch ihr eigenes Handeln die Sanktionspolitik der westlichen Staatengemeinschaft unterstützen. „Deshalb richten wir einen dringenden Aufruf an die Stadt Bad Aibling und ihren Eigenbetrieb, die Stadtwerke Bad Aibling“, so Stigloher. Zusammen mit dem Ortsvorsitzenden der CSU Bad Aibling, Thomas Geppert, richtete sich Stigloher an Bürgermeister Stephan Schlier sowie an Stefan Barber, Werkleiter der Stadtwerke. „Aufgrund des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine sollen die Stadtwerke Bad Aibling, und ihre direkt beauftragten Geschäftspartner, bis auf weiteres kein Erdgas aus russischer Herkunft an der Energiebörse oder über andere Quellen beziehen“, heißt es in dem offenen Brief.

CSU hat „eine rege Diskussion in Bewegung gebracht“

„Jeder Baustein, jede Sanktion, und ist sie auch noch so klein, hilft, dieses menschenfeindliche Regime in ihre Schranken zu verweisen“, schreibt die CSU. Mit ihrem Anliegen rennen die CSU-Ortsverbände nun offene Türen ein. Laut Werkleiter Stefan Barber habe die angestoßene Thematik der Erdgaslieferungen aus Russland nach Deutschland „eine rege Diskussion, beginnend bei den Stadtwerken Bad Aibling, Gas- und Wärme GmbH über die Plattform Energie bis hin zur Energie Südbayern in Bewegung gebracht“.

Die Geschäftsführer der Stadtwerke, Barber selbst sowie Patrick Beyer, unterstützen das Anliegen der CSU, schrieb Barber in seiner Antwort an die Partei. Man habe deshalb die Geschäftsführung der Plattform Energie GmbH, „unserer Einkaufsgemeinschaft für Strom und Erdgas“, gebeten, ab sofort auf den Kauf von Erdgas aus Russland „nach Möglichkeit“ zu verzichten.

Eine Gasflamme brennt auf einem Küchenherd. Die Gasbranche sieht die Gasversorgung für Deutschland mit Blick auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine aktuell als gesichert an.

Das Thema einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung Deutschlands sei durch den Krieg zu einer noch schwierigeren Aufgabe geworden. „Die Eskalation in der Ukraine treibt die Energiepreise nun schon wieder nach oben. Industrie- und Privatkunden fürchten noch höhere Kosten und sogar eine Unterbrechung der Gasversorgung“, so Barber. Laut dem Werkleiter werde es zu noch höheren Produktpreisen in allen Bereichen führen.

Welche Auswirkungen hätte der Boykott von russischem Gas?

Doch welche Auswirkungen könnte ein möglicher Boykott von russischem Gas darüber hinaus auf die Versorgung in Bad Aibling haben? „Der Anteil russischen Erdgases beträgt in Deutschland etwa 55 Prozent“, teilt Barber auf Anfrage des Mangfall-Boten mit. Derzeit gebe es keine direkten oder indirekten Verträge zwischen den Regionalversorgern, wie der Gas- und Wärme GmbH und russischen Unternehmen. „Der Bezug der Erdgasmengen läuft immer über zuverlässige Handelspartner, auf die physische Lieferung beziehungsweise Herkunft wurde bisher kein Einfluss genommen“, so der Werkleiter. Dies könne jedoch gegebenenfalls etwa über zusätzlichen Mengen geschehen.

 „Kritischer könnte jedoch der nächste Winter werden, wenn die Erdgasspeicher bis dahin aufgrund von Lieferausfällen nicht ausreichend gefüllt werden könnten.“

Stefan Barber, Werkleiter der Stadtwerke Bad Aibling

„Die neue Situation ist für alle Beteiligten eine riesige Herausforderung, wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten und der Möglichkeiten der Handelspartner zu agieren und gemeinsam etwas zu bewegen“, betont Barber. Doch kann die Versorgung auch ohne Gas aus Russland überhaupt gesichert werden? „Für die Betrachtung der Versorgungssicherheit bei einem Stopp der russischen Erdgaslieferungen müssen wir als regionaler Versorger an die erst in diesen Tagen geäußerten Aussagen des Bundeswirtschafsministers verweisen“, sagt Barber.

Demnach bestehe kurzfristig kein Problem, da man nun in die wärmere Witterung gelange und in den Sommermonaten typischerweise ein deutlicher Erdgasüberschuss herrsche, welcher in jedem Jahr dazu genutzt wird, die Erdgasspeicher zu füllen. „Kritischer könnte jedoch der nächste Winter werden, wenn die Erdgasspeicher bis dahin aufgrund von Lieferausfällen nicht ausreichend gefüllt werden könnten“, erklärt Barber.

Stefan Barber, Leiter Stadtwerke Bad Aibling, sieht durch den Krieg in der Ukraine immense Folgen für den Verbraucher in Deutschland.

Und direkt damit verknüpft seien die Preise, welche in einer solchen Situation für die verknappten Energiequellen aufgewendet werden müssten. Dies betreffe in gleichem Maße die Energieträger Erdgas, Erdöl und Kohle.

Laut Barber trifft der Krieg in der Ukraine in Sachen Kosten und Versorgungssicherheit nicht nur die Bezieher von Erdgas, Erdöl oder Kohle, sondern alle Menschen, „weil sich über marktwirtschaftliche Mechanismen jede Heizenergie verteuern wird und natürlich auch der Preis für elektrischen Strom von den steigenden Primärenergiekosten beeinflusst wird“, so Barber.

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