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Wohnberatung im Landkreis Rosenheim

Barrieren abbauen als Beruf: Brigitte Neumaier lässt Senioren länger zuhause dahoam

Brigitte Neumaier ist in der Fachstelle des Landratsamtes die Ansprechpartnerin für Wohnberatung.
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Brigitte Neumaier ist in der Fachstelle des Landratsamtes die Ansprechpartnerin für Wohnberatung.

Plötzlich ist der Schritt über den Badewannenrand zu groß, der Weg in den Keller zu weit, die Tür für den Rolli zu schmal oder die Schwelle zum Wohnzimmer wird zur Stolperfalle. Was tun? Brigitte Neumaier vom Landratsamt Rosenheim kennt sich aus.

Schechen/Landkreis – So lange wie möglich im eigenen Haus, in der eigenen Wohnung bleiben, das wünschen sich viele Frauen und Männer der reiferen Jahrgänge. Doch dann passiert etwas und es ist alles nicht mehr so einfach, das eigenen Heim wird zum Hürdenlauf. Das kann man ändern. Brigitte Neumaier von der Fachstelle Wohnberatung sagt, wie‘s geht.

Was ist der häufigste Grund, aus dem ältere Menschen nicht mehr in Ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können?

Brigitte Neumaier: Häufig führen Stürze im häuslichen Umfeld und Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte zu weitgehenden körperlichen Einschränkungen, die ein Bleiben in den eigenen vier Wänden zumindest schwierig machen. Hauptproblemfelder in unseren Häusern und Wohnungen sind viele Treppen, vom Keller bis zum Dachgeschoss, und meistens gibt es bereits beim Hauseingang etliche Stufen. Ein weiteres Problem sind die Bäder: zum Beispiel mit Badewannen, die überhaupt nicht mehr benutzt werden, weil rein- und rauskommen nicht mehr machbar ist. Oder Duschen mit hohem Einstieg und dadurch großem Sturzpotential. Auch kleine Bäder und zu enge Türen, die mit Rollator oder Rollstuhl nicht befahren werden können, gibt es häufig. Wichtig ist aber natürlich auch, dass die älteren Menschen in ein funktionierendes soziales Umfeld eingebettet sind und die Betreuung oder auch Pflege zu Hause sichergestellt werden können.

Welchen gesellschaftlichen Wandel sehen Sie hier?

Neumaier: Der demografische Wandel macht sich deutlich bemerkbar. Immer mehr Seniorinnen und Senioren sind alleinlebend, häufig in eigentlich viel zu großen Häusern. Auch falls sie Kinder haben, wohnen diese oftmals weit entfernt, sei es aus persönlichen oder beruflichen Gründen.

Was bedeutet es für die Betroffenen, ausziehen zu müssen?

Neumaier: Eine Online-Umfrage der deutschen Seniorenliga Anfang 2020 hat ergeben, dass das selbstständige Wohnen im vertrauten Umfeld ganz oben auf der Wunschliste der Seniorinnen und Senioren steht. Dies deckt sich auch mit meinen Erfahrungen aus der Beratungstätigkeit im Landkreis Rosenheim. Das gewohnte Zuhause steht für Geborgenheit, Erinnerungen, Gemütlichkeit. Entsprechend schwer fällt natürlich eine Veränderung des Wohnumfeldes. Falls das Zuhause allerdings zur Last oder Gefahr wird, entscheiden sich Seniorinnen oder Senioren aber auch, sich eine passendere Wohnung zu suchen.

Was ist Ihr Ansatz dabei – wie sieht Ihre Unterstützung aus?

Neumaier: Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, unsere Häuser und Wohnungen den durch Alter oder Erkrankung veränderten Bedürfnissen anzupassen und Barrieren abzubauen. Wir Wohnberater kommen meistens zu den Ratsuchenden nach Hause. So können wir vor Ort im gemeinsamen Gespräch Problemfelder erkennen. Was konkret bereitet Schwierigkeiten? Wo wünschen sie sich Erleichterung? Wie würden sie sich ihre Wohnsituation wünschen? Wir zeigen Lösungsvorschläge auf. Oft spielt auch die Frage der Finanzierung von Umbaumaßnahmen eine große Rolle. Wir können Informationen zu möglichen Zuschüssen geben und bei Antragstellungen unterstützen. Aber auch das Aufzeigen von alternativen Wohnmöglichkeiten gehört zu unserer Tätigkeit.

Haben Sie dafür einige Beispiele aus der Praxis?

Neumaier: Wenn durch das Anbringen eines zweiten Handlaufes an den Treppen im Haus das Treppensteigen wieder sicherer wurde, dann freut uns das. Wenn das auf unser Anraten geschah, freut es uns noch mehr. Oder ich denke an einen gehbehinderten Ratsuchenden, der in seiner Wohnung im ersten Stock „festsaß“. Durch den Einbau eines Treppenliftes kann er nun wieder raus in die Natur. Tolle Sache, nicht wahr? Und dass es Zuschüsse durch die Pflegekasse und den Freistaat Bayern gab, noch toller! Und wenn durch Gespräche mit dem Vermieter eine Lösung für einen wenig aufwändigen Badumbau gefunden werden konnte, der den Mietern das Duschen erleichtert und ein gutes Gefühl von Sicherheit gibt, dann sind auch wir zufrieden.