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Trotz Schicksalsschlag im Jahr 2004

Wie sich Bürgermedaillenträger Herbert John aus Raubling aktiv in der Gemeinde einbringt

Weil Herbert John seit seinem Unfall keine ausgedehnten Waldspaziergänge mehr machen kann, hat er sich im Garten ein Kleinod mit Pflanzen und Tieren errichtet. Vor allem seine 40 Kanarienvögel bereiten ihm Freude.
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Weil Herbert John seit seinem Unfall keine ausgedehnten Waldspaziergänge mehr machen kann, hat er sich im Garten ein Kleinod mit Pflanzen und Tieren errichtet. Vor allem seine 40 Kanarienvögel bereiten ihm Freude.

Herbert John (65) aus Raubling war jahrzehntelang für seine Gemeinde da. Trotz seines Schicksalsschlags, der ihn 2004 ereilt hatte. Für sein politisches und soziales Engagement wurde er kürzlich mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Ein Porträt über einen Mann, der nicht jammert, sondern weitermacht.

Raubling – Leuchtende Sonnenuntergänge zieren das Wohnzimmer von Herbert und Barbara John. Kräftige Farben prangen auf den Leinwänden. Die Bilder erzählen Geschichten aus Namibia. „Ich war auf der Suche nach schönen Motiven. Dadurch bin ich auf Afrika gestoßen“, schildert Herbert John. Das Malen ist in den vergangenen Jahren zu seiner Leidenschaft geworden. Zuvor waren es Spaziergänge im Wald. „Aber seit meinem Crash geht das nicht mehr“, sagt er und rollt mit seinem Rollstuhl etwas vor.

Vor einigen Tagen wurde der 65-Jährige von Bürgermeister Olaf Kalsperger mit der Bürgermedaille ausgezeichnet, die in Raubling insgesamt nur 17 Mal verliehen wurde. Eine Ehre, über dich sich John sehr freut.

Befreundet mit Josef Neiderhell

Rechtsanwalt, Gemeinderat, stellvertretender Bürgermeister – Herbert John stand viele Jahre mitten im Leben. Er war keiner, der einfach nur zuschaute, sondern jemand, der mit anpackte. Von 1990 bis 2020 war er Gemeinderatsmitglied und von 1996 bis 2008 die rechte Hand des damaligen Bürgermeisters Josef Neiderhell (damals CSU). „Ich bin heute noch gut mit dem Sepp befreundet“, sagt John, „in der Zeit ist in der Gemeinde Raubling viel passiert. Der hat mich vollwertig mitmachen lassen.“

Auch der ehemalige Bürgermeister und Landrat erinnert sich gern an die gemeinsame Zeit zurück: „Der Herbert war immer unwahrscheinlich sachlich und scharfsinnig.“ Vor allem bei Vertragsprüfungen habe die Gemeinde von Johns Erfahrung als Rechtsanwalt profitiert.

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„Die Zusammenarbeit war wirklich sehr schön, da hat‘s nie was gegeben. Trotz unserer unterschiedlichen Parteizugehörigkeiten“, erzählt Neiderhell über seinen SPD-Freund. Was den Herbert außerdem ausmache, sei sein „feinfühliger Humor“. Der 65-Jährige habe das Talent, sich selbst auf den Arm zu nehmen. „Und er hat immer eine Harmonie in den Gemeinderat reingebracht.“

Rund um die Uhr gearbeitet

Zu all den ehrenamtlichen Aufgaben kam noch Johns Beruf hinzu: Viele Jahre führte er eine eigene Rechtsanwaltskanzlei. Rückblickend gibt der Raublinger zu, dass er rund um die Uhr gearbeitet habe. Doch es störte ihn nicht, er war zufrieden mit seinem Leben. „Aber vielleicht war das doch nicht so gut und ich habe es nur nicht erkannt.“

Der Schicksalsschlag folgte 2004

Denn im Oktober 2004 folgte der Schicksalsschlag: Plötzlich habe er am Tisch sitzend, einen Schlaganfall erlitten. „Und von heute auf morgen war alles schwarz statt weiß“, sagt der 65-Jährige tonlos. Seither ist John halbseitig gelähmt. Vieles habe er dadurch verloren: die Kanzlei, das Spazierengehen im Wald und auch den Sport. „Das Einzige, was geblieben ist, war und ist meine Familie.“

Doch der 65-Jährige gab sich nicht auf, sondern erfand sich neu: Zu seinem 50. Geburtstag haben ihm seine Freunde einen Malkurs geschenkt. Erst sei er skeptisch gewesen, doch dann fand er Gefallen daran. Und mit der Malerei kam die Leidenschaft fürs Reisen: Zweimal sei er zusammen mit seiner Frau nach Namibia geflogen. „Dort habe ich wieder meine Liebe zur Natur entdeckt.“

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„Vom Hubschrauber aus habe ich die Viktoria-Fälle gesehen. Das war ein gigantisches Erlebnis.“ Auch einen Verein hat John gegründet: Seit November 2016 gibt es den gemeinnützigen Verein „Hilfe für behinderte Kinder und Jugendliche im Inntal“. Für John eine Herzensangelegenheit: „Seit ich da mal ein autistisches Mädchen im Sandkasten spielen gesehen habe, brenne ich dafür.“

Das Ziel des Vereins sei es, diesen Kindern während der Ferienzeit Unterhaltung zu bieten. Aktuell treffen sich die Kinder und die Vereinsmitglieder an der Michael-Ende-Schule in Raubling. Aber sein „Traum“ sei es, eines Tages eigene Räumlichkeiten zu bekommen.

Den Sinn des Lebens suchen

Die Aufgabe im Verein sei für John sinnerfüllt. Und Sinn im Leben, den brauche und suche er: „Deshalb war ich auch so gerne im Wald. Es gibt nix in der Natur, was sinnlos ist.“

Lange war er dem „Herrgott“ böse, dass ihn dieses Schicksal ereilt hat. „Damit habe ich lange gehadert. Ich kann mir nur die Antwort geben, dass irgendwann alles einen Sinn ergibt.“

Versöhnung mit Gott

Mit Gott habe er sich mittlerweile versöhnt: Seit 15 Jahren ist er in der Vorstandschaft der evangelischen Kirchengemeinde tätig. Auch dort könne er sich einbringen und der Gemeinschaft etwas zurückgeben. „Ein Jammerer und Aufreger bin ich nicht“, sagt John. Und er ist überzeugt: Der Herrgott habe seine Pläne.

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