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Statistiken zeigen deutlichen Anstieg

Wohnen im Landkreis Rosenheim so teuer wie nie: Corona-Pandemie lässt die Preise explodieren

Die Tendenz geht nach oben: Der Preis für einen Quadratmeter Wohnfläche steigt in der gesamten Region.
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Die Tendenz geht nach oben: Der Preis für einen Quadratmeter Wohnfläche steigt in der gesamten Region.

Home-Office, Landflucht und wenig neue Wohnungen. All das führt im Landkreis zu einem drastischen Anstieg der Immobilienpreise. Die Branchenexperten aus der Region bestätigen anhand der aktuellen Zahlen eine erschreckende Entwicklung.

Rosenheim – Mehr Platz zum Wohnen, auch wenn der Arbeitsweg darunter leidet. Mit dieser Einstellung gehen laut Branchenexperten viele Käufer im Landkreis derzeit auf den Immobilienmarkt. Die Corona-Pandemie hat das Thema Home-Office salonfähig gemacht und die eigene Wohnung sowie den Freizeitwert in den Mittelpunkt gerückt. Die Folge: Die Kaufpreise für Wohnraum in der Region stiegen seit dem ersten Lockdown im März 2020 um rund 20 Prozent in die Höhe.

Home Office verschiebt Prioritäten

„In Zeiten der Pandemie hat jeder sein Haus noch einmal ganz neu kennengelernt“, berichtet Heinz-Peter Hungbaur, stellvertretender Vorstand der Landesbausparkasse Bayern bei einem Pressegespräch in Rosnheim . Durch die strikte Vorgabe über längere Zeit zu Hause zu bleiben und die Fortschritte beim Thema Home-Office, machen sich die Leute vermehrt Gedanken über die eigene Umgebung. Anstatt sich auf einen möglichst kurzen Arbeitsweg zu konzentrieren, seien nun andere Dinge wie ein eigener Balkon, die Nähe zur Natur oder einfach mehr Platz wichtiger denn je.

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„Nachdem die Regierung das Home-Office forciert hat, ist der Landkreis mit den Bergen, dem Chiemsee und dem Simssee noch einmal deutlich attraktiver geworden“, stellt Stefan Grandauer von den Rosenheimer GFH Immobilien fest. Der Druck auf das ohnehin knappe Angebot wachse daher enorm.

Die aktuellen Statistiken der Sparkasse zeigen dementsprechend eine klare Tendenz, die jeder Einwohner im Landkreis zu spüren bekommt: Einen kontinuierlichen Anstieg der Preise.

Auch der Boden wird Teurer: Landratsamt verkündet Preissteigerung

Der Gutachterausschuss für den Landkreis Rosenheim hat die Bodenrichtwerte erhöht. Die Zahl, die den durchschnittlichen Lagewert einer Region vorgibt, wurde laut Landratsamtsprecherin Ina Krug um durchschnittlich rund 30 Prozent angehoben. Der Grund für die höhere Einschätzung läge an der attraktiven Lage des Landkreises sowie den weiterhin niedrigen Zinsen. Der höchste Bodenrichtwert von rund 1100 Euro pro Quadratmeter ist in Bad Aibling bestimmt worden. Die Werte werden alle zwei Jahre neu ermittelt und liegen aktuell bei den Gemeinden für einen Monat kostenlos aus.

Sowohl in Rosenheim als auch in Traunstein und Mühldorf kostet der Quadratmeter circa 20 Prozent mehr als noch vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Hat man sich beispielsweise im Jahr 2019 eine neue, 75 Quadratmeter große Wohnung in Rosenheim leisten wollen, kostete diese rund 390 000 Euro. Will man jetzt in einen Neubau einziehen muss man sich mittlerweile auf fast eine halbe Millionen Euro einstellen.

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Einen Grund dafür sieht Harald Kraus, Vorstandsmitglied der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, in dem immer größer werdenden Druck aus der bayerischen Hauptstadt. „Die Käufer, die sich Wohnungen in Kolbermoor oder Bad Aibling leisten, kommen mittlerweile fast alle aus München“, stellt er fest. Die meisten Grundstücke würden dabei sogar direkt vom Plan weggekauft werden, schon bevor der Bau überhaupt begonnen habe. Gerade der Münchner Osten drücke immer mehr in den „Speckgürtel Rosenheimer Landkreis“, was die Wohnproblematik drastisch erhöhe. Aber auch in Mühldorf und Traunstein bekomme man die Auswirkungen zu spüren.

„Es geht immer weiter nach draußen“, betont Hungbaur und ist beeindruckt, wie schnell heutzutage Häuser gekauft werden. Dass in den vergangenen beiden Jahren in der Region rund 800 Millionen Euro mehr in Immobilien investiert wurde als noch 2019 zeige, dass die Umsatzgeschwindigkeit rasant gestiegen ist.

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Auch hier ist laut Kraus die Auswirkung der Pandemie zu spüren. In der besonderen Zeit sei es den Leuten manchmal egal, wie viel das Haus oder die Wohnung kostet. „Da wird dann eben schon nach drei Bildern aus dem Prospekt entschieden“, meint der Sparkassenvorstand.

„Wenn viele aus München in den Rosenheimer Landkreis drücken, weichen die Einwohner zum Beispiel nach Schechen, Rott oder Griesstätt aus“, analysiert Alexander König von Immobilien Werner aus Rosenheim die Lage. Dadurch entstehe eine wellenartige Bewegung, die sich immer weiter in Richtung Land ausbreitet.

Diese Tatsache sei mitunter ein Grund, dass bezahlbarer Wohnraum in der Region immer schwieriger zu bekommen ist. Ein anderer ist laut Statistik die coronabedingt schleppende Fertigstellung von Bauprojekten. Im Jahr 2018 wurden im Landkreis Rosenheim 1942 Wohneinheiten gebaut, wie das Statistische Landesamt belegt. Seit dem Ausbruch der Pandemie kamen nur noch 716 dazu. Der steigende Wohnbedarf wird dementsprechend bei Weitem nicht gedeckt.

Hohes Niveau auch ohne Pandemie

Eine große Entlastung sieht Kraus aber auch ohne die Coronalage nicht auf die Region zukommen. „Das hängt nicht alles mit dem Virus zusammen“, ist er überzeugt. Natürlich würde die aktuelle Situation die seit Jahren angespannten Verhältnisse auf dem Markt noch befeuern. Doch selbst wenn die Pandemie beendet wäre, bleibe die Preiskurve konstant hoch. „Bezahlbarer Wohnraum“, so der Vorstand, „ist bei der überhitzten Lage in nächster Zeit erst einmal nicht zu schaffen.“

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