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Mit dem Reisebus in die Schule

„Das ist irre“ – Wie die Blockabfertigung den Alltag von Schülern und Busunternehmern erschwert

Das Steuer fest im Griff: Kurt Margreiter muss einen Reisebus als Schulbus umfunktionieren, weil zwei Busse auf der Autobahn feststecken.
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Das Steuer fest im Griff: Kurt Margreiter muss einen Reisebus als Schulbus umfunktionieren, weil zwei Busse auf der Autobahn feststecken.

Über ein dutzend Blockabfertigungen in den kommenden drei Wochen, Stau-Chaos in der Region: Tag eins gestaltete sich am Montag, 23. Mai, unter anderem für Busunternehmer Kurt Margreiter zu einer Herausforderung. Er betreibt zwei Schulbuslinien im Inntal aus der Richtung Kiefersfelden, Nußdorf, Brannenburg und Raubling.

Nußdorf/Brannenburg/Raubling - Es ist kurz nach 7 Uhr, Margreiter wartet auf dem Parkplatz vor seinem Busunternehmen in Nußdorf. Brille, Jeans, blaue Jacke. Bisher sei es noch relativ ruhig auf der Autobahn. Wenige Minuten später klingelt sein Mobiltelefon. „Scheibenkleister“, sagt Margreiter. Zwei seiner Schulbusse stecken auf der Autobahn fest.

Er fährt einen Reisebus aus der Garage. Normalerweise veranstaltet der Unternehmer damit Radreisen, nun muss er als Schulbus herhalten. Erster Stopp: Grundschule Nußdorf. „Dieses Chaos haben wir fast an allen Tagen der Blockabfertigung“, sagt Margreiter. Lastwagen blockieren die Zu- und Abfahrten von Autobahnen oder weichen über die Landstraßen aus und verstopfen diese.

„Spannend“ von Polizei eskortiert zu werden

Der Gipfel war im April, als die Polizei die Kinder mit einem Streifenwagen in die Schule eskortieren musste. Mit Begleitschutz in die Schule – für die Kinder war das aufregend gewesen. „Die finden das natürlich spaßig und lachen dann“, sagt Margreiter. Das bestätigt die 16-jährige Sarah: „Mein Bruder war dabei. Er hat gesagt, das war ein spannendes Erlebnis.“ Ihre Freundin Leonie ergänzt: „Für uns ist so was natürlich spannend und cool, wenn wir mal zu spät kommen.“ Doch auf Dauer findet das keiner der Schüler gut.

„Das ist schon immer recht nervig“, sagt Matthias (16). Er ist in der 10. Klasse der Realschule in Brannenburg und kurz vor dem Abschluss sei es ihm besonders wichtig, pünktlich zu sein. Die Jungen und Mädchen um ihn herum nicken. „Wir kommen meistens noch früher als die anderen Schüler“, sagt Leonie. Vor Kurzem hätten sie eine Schulaufgabe in der ersten Stunde geschrieben und eine Gruppe aus Raubling sei zu spät gekommen. „Das ist dann natürlich stressig.“ Und Stress finden die Jugendlichen gar nicht gut.

Was sie hingegen begeistert, ist der Bus mit den großen Sitzen. „Endlich wieder mit dem Reisebus fahren“, raunt ein Junge von den hinteren Reihen. „Der ist besser, da ist mehr Platz“, stimmt ihm ein Anderer zu. „Fahren wir nach Italien“, ruft der Nächste. Doch nach Italien geht es für keinen der Schüler. Margreiter öffnet die Türen und die Kinder strömen in die Realschule.

Ausweichen auf Züge ist keine Lösung

Nächster Halt: Inntal-Schule, ebenfalls in Brannenburg. Auf dem Weg erklärt Margreiter, dass die Schüler eine Bus-Schienen-Karte haben. Wer auf den Zug ausweichen kann, zögere nicht lange. Doch das sei keine Lösung, nicht alle Kinder leben in der Nähe eines Bahnhofs. Die Schüler müssten zudem Straßen überqueren, die von den Lastwagen blockiert werden. „Das ist total gefährlich. Und alles nur, weil die Fahrer einen Teil des Staus umgehen und sich über die Landstraßen vordrängeln. Sie sparen sich maximal eine Stunde. Da geht’s um nix“, sagt Margreiter.

Er hält an der Inntalschule. „Tschau, bis zum nächsten Mal“, ruft ihm ein Junge zu. „Ja, aber hoffentlich nicht unter diesen Umständen“, antwortet er. Nun sitzen nur noch zwei Schüler im Bus. Letzter Stopp: Gymnasium Raubling.

Die Staatsregierung ist für die Landstraßen zuständig

Margreiters Forderung, um die untragbare Situation vor Ort zu lösen: ein Transitverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen ab Bad Feilnbach. Die Spediteure dürften dann nicht mehr über die Landstraßen ausweichen. „Das tut doch niemandem weh.“ Doch ganz so einfach ist es nicht. Der Landrat habe nur wenig Einfluss. Mit der Forderung nach einem Transitverbot war Margreiter bereits im April an Landrat Otto Lederer herangetreten. Damals hieß es auf OVB-Anfrage seitens eines Sprechers des Landratsamtes: „Nach den geltenden Regelungen der Straßenverkehrs-Ordnung kann die Untere Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt bestimmte Verkehrsgruppen nicht von überörtlich bedeutsamen Straßen ausschließen.“ Margreiter wird sich also vorerst weiter ärgern müssen: „Der Gipfel ist ja, dass die Österreicher ein Transitverbot haben.“

An dieser Stelle müsste Margreiter abbiegen, doch er hat kaum eine Chance aufgrund der Lastwagen.

Er lässt die beiden Kinder aussteigen, verabschiedet sich und fährt auf die Autobahn. Hunderte Lastwagen reihen sich aneinander. Margreiter muss die Ausfahrt Oberaudorf nehmen. Doch die Lkw blockieren die rechte Spur. Ein Abbiege-Manöver wird zur Gefahr. „Das darf nicht sein“, findet Margreiter. Das Heck des Busses steht auf der linken Fahrbahn, die Front auf der rechten Spur. Margreiter hupt. Der Lastwagen bewegt sich ein Stück vorwärts, der Bus quetscht sich vorbei.

Ministerpräsident solle zum Wohle des Volkes handeln

„Das ist irre. Die Haltung der Bayerischen Staatsregierung kann ich nicht verstehen“, empört sich Margreiter. „Der Ministerpräsident hat einen Eid geschworen, zum Wohle des Volkes zu handeln und nicht zum Wohle ausländischer Frachtunternehmen.“

„Die Blockabfertigung bringt mitunter den Alltag im Inntal zum Erliegen – auch für lokale Lieferanten, Pflegedienste, Feuerwehren und Sanitäter. Margreiter hat auch nach Tag eins der aktuellen Blockabfertigungsserie wenig Hoffnung, dass sich die Situation bald verbessert: „Ich glaube, dass sich das alles noch verschärft.“

Pressemitteilung der Polizei: Die Tiroler Behörden begannen nach Angaben von Polizeihauptmeister Werner Mayer um 5 Uhr mit der Blockabfertigung auf der österreichischen Inntalautobahn A12 auf Höhe der Ausfahrt Kufstein Nord, Fahrtrichtung Innsbruck. Anfangs sei eine Anzahl von 150 Lkw pro Stunde erlaubt gewesen. Bis zum Ende um 10.30 Uhr sei die Zahl bis auf 300 Lkw pro Stunde erhöht worden. Gegen 8.10 Uhr erreichte der Lkw-Rückstau seine Höchstlänge von rund 20 Kilometern, und reichte somit bis zur Anschlussstelle Reischenhart. Der Stau auf der A93 hat sich der Polizei zufolge am Nachmittag fast komplett aufgelöst. Es kam lediglich zu weiteren Behinderungen aufgrund der Baustellen auf der A93. Einsatzkräfte der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim sorgten dafür, dass sich die Behinderungen für den Individualverkehr so gering wie möglich hielten. Verstöße gegen das Lkw-Überholverbot wurden konsequent geahndet. Diese Woche findet jeden Werktag eine Blockabfertigung statt.

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