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Hitzige Diskussionen

Zu viel bayerische Tracht beim G7-Gipfel? So reagieren Vereine aus der Region auf die Attacken

Bayerische Gebirgsschützen und Trachtler stehen Spalier zur Begrüßung der Gäste des G7-Gipfels: (von links im Vordergrund) Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, mit Florian Herrmann (CSU), Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, am Flughafen München.
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Bayerische Gebirgsschützen und Trachtler stehen Spalier zur Begrüßung der Gäste des G7-Gipfels: (von links im Vordergrund) Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, mit Florian Herrmann (CSU), Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, am Flughafen München.

Beim Empfang der Staats- und Regierungschefs während des G7-Gipfels haben Trachtler Dirndl, Lederhosen und Janker getragen. In den sozialen Medien diskutieren Nutzer seitdem, dass das Gewand Deutschland nicht repräsentiere. Vorsitzende heimischer Trachtenvereine und Landtagspräsidentin Ilse Aigner weisen die Kritik zurück.

Aschau – „Gibt‘s wos Scheenas, als unser Hoamat zu repräsentieren?“, fragt Sebastian Graf, Vorsitzender des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins (GTEV) Lamstoana Frasdorf. Sieben Mitglieder des Vereins waren am Sonntag beim Staatsempfang in der Münchner Residenz. Er sei nicht dabei gewesen. Die Staatsminister aus Indien und Südafrika sind Graf zufolge „natürlich kein Biden oder Macron“. Dennoch sei es ein tolles Erlebnis, das die Trachtler nicht vergessen werden.

Sebastian Graf, Vorstizender des GTEV Lamstoana Frasdorf.

Spalierstehen für Barack Obama

Die Diskussion um den Empfang versteht der Vorsitzende nicht. Es sei nicht außergewöhnlich, dass Politiker von Trachtenvereinen begrüßt werden. Auch der ehemalige US-amerikanische Präsident Barack Obama sei schon von Trachtlern empfangen worden. Vor Jahren habe die Frasdorfer Musikkapelle den ehemaligen russischen Präsidenten Dmitri Anatoljewitsch Medwedew in München begrüßt.

„Ein Großteil der Welt verbindet Deutschland mit Bayern. Die Tracht steht für Heimat, Brauchtum, Halt und Gemeinschaft“, sagt Graf. Über die Kritik in den sozialen Medien könne er nur lachen. Denn die Tracht habe wieder einen hohen Stellenwert bei Jung und Alt. Der Trend gehe „weg von der Discount-Tracht, hin zu einer hochwertigen Tracht.“ Neben dem Rosenheimer Herbstfest sei das Münchner Oktoberfest das beste Beispiel, dass die Tracht „extrem lebt“. In den 70er Jahren habe kaum jemand Dirndl und Lederhosen getragen. Damals seien die Trachtler herausgestochen. Heute falle auf, wer keine Tracht trägt.

Eine Tradition, die nicht mehr wegzudenken ist

Siegfried Hundhammer, GTEV D`Hartseer Eggstätt.

Das bestätigt Siegfried Hundhammer, Vorsitzender D`Hartseer Eggstätt: „In meiner Jugend sind viele mit der Jeanshose aufs Oktoberfest gegangen.“ In den vergangenen zehn bis 20 Jahren habe sich die Tracht durchgesetzt – bei Bierfesten, Hochzeiten und anderen Veranstaltungen. Und das Oktoberfest sei nicht nur beliebt wegen den Bierzelten, sondern weil dort Tradition gelebt wird. Das Schöne an der Tracht sei der Zusammenhalt der Leute. Sie hätten alle die gleiche Gesinnung, Lebensart und Freude daran. „Das ist eine Tradition, die nicht mehr wegzudenken ist“, sagt Hundhammer.

Nicht zur Schau gestellt oder aufgepusht

Die Beleidigungen in den sozialen Netzwerken nehme er nicht persönlich. Kritik habe es schon immer gebeben. Auch das Argument, dass der Auftritt das Stereotyp vom Sauerkraut-essenden und Bier-trinkenden deutschen Schuhplattler in Tracht verstärke, zählt für ihn nicht. In Bayern seien Trachtenvereine oder Gebirgsschützen seit Jahrzehnten bei Staatsempfängen dabei. Die „althergebrachte“ Tradition werde immer gepflegt und nicht nur zu solchen Gelegenheiten. „Das ist nicht zur Schau gestellt oder aufgepusht“, sagt Hundhammer. Wer nach Bayern kommt, solle schließlich etwas vom Land sehen. „Es ist gut und richtig, dass wir unsere Tradition der ganzen Welt zeigen.“

Claus Reiter, GTEV D’Griabinga Hohenaschau.

Das findet auch Claus Reiter, Vorsitzender D’Griabinga Hohenaschau: „Wenn die Regierung Gäste in Bayern einlädt, dann präsentieren wir uns von der besten Seite.“ Und nichts könne das Land besser widerspiegeln als Brauchtum. Mit Dirndl und Lederhose hebe sich jeder von der Gesellschaft ab. Wenn jemand die Tracht trägt, schätze er damit Traditionen, die über Generationen gewachsen sein. Das Gewand stehe für „Freude und Weltoffenheit“.

Teil der Identität und des Brauchtums

Wer die Tracht lebt, identifiziere sich damit und sei stolz darauf. Dass sich sogenannte „Trolle“ im Netz über Lederhosen und Dirndl lustig machen, nehme er nicht persönlich. „Ich sehe das nicht als Beleidigung“, sagt Reiter. Manche Internet-Nutzer würden jedoch eine Grenze überschreiten. Das ist dem Vorsitzenden zufolge heutzutage normal. Die Leute würden sich im Internet „auskotzen“.

Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags.

Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner verteidigt die Tracht in einem Facebook-Beitrag. Sie ist seit 25 Jahren Mitglied im Westerhamer Trachtenverein D‘Mangfalltaler. In dem Beitrag schreibt die Politikerin, dass sie selbst oft und gerne Tracht trägt und das zu Bayern gehört. „Und Bayern steht für Tradition und Fortschritt“, heißt es weiter. Deshalb findet sie die Debatte „kleinkariert und aus bayerischer Sicht ziemlich provinziell“.

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