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Flutkatastrophe

Wie im Kriegsgebiet: So chaotisch ist für Helfer aus der Region die Lage nach dem Hochwasser

Die Wasser ziehen sich zurück, viele Probleme beginnen erst: Von Flut verwüstete Straße in Euskirchen. Foto. dpa
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Die Wasser ziehen sich zurück, viele Probleme beginnen erst: Von Flut verwüstete Straße in Euskirchen. Foto. dpa

Es ist ein Aufbruch ins Ungewisse: Die meisten Helfer aus dem der Region Rosenheim wussten nicht, wo sie die Nacht verbringen oder wo sie eingesetzt werden. Aber eines wissen sie, und das oft aus eigener Erfahrung: Ihre Hilfe ist in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bitter notwendig.

Rosenheim – Eine Katastrophe wie die in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz schwemmt Häuser und Autos hinweg, zerstört Existenzen. Und sie wirbelt Abläufe und Notfallpläne durcheinander. Während sich die Fluten zurückziehen, rücken mehr und mehr Helfer an. Für die Trupps aus der Region Rosenheim ist es eine Reise ins Ungewisse.

Nicht nur Essen und Trinken: Auch für andere menschliche Bedürfnisse machten sich Hilfstransporte auf den Weg in die Unglücksgebiete nach Rheinland-Pfalz.

Zum Beispiel für die Helfer des Technischen Hilfswerks. Spät am Samstagabend erfuhren sie, dass das freie Wochenende für sie vorbei ist: Macht euch bereit für Euskirchen, lautete die Nachricht, die gegen 22.30 Uhr eintraf.

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Alsbald glühten die Drähte, es mussten Telefonate mit Chefs geführt werden. Seien ja schließlich alles Ehrenamtliche, sagt THW-Sprecher Stefan Huber, Menschen, die einem Beruf nachgehen, wenn sie nicht gerade die Welt retten. „Und da geht‘s nicht nur um einen Tag, den man schnell mal am Arbeitsplatz fehlt“, da gehe es um eine Reihe von Tagen im Katastrophengebiet. 16 Helfer haben sich losgeeist und am Sonntagvormittag aufgemacht. Mittlerweile haben sie sich in Brühl (Nordrhein-Westfalen in der Dreifachturnhalle einer Schule eingerichtet.

„Wie in einem Kriegsgebiet“

Beunruhigende Nachrichten aus den Krisengebieten haben die THW-Leute aus der Region Rosenheim schon bei der Anfahrt erreicht. „Wie in einem Kriegsgebiet“ sei es, hat THW-Sprecher Stefan Huber gehört, „nur ohne feindliche Truppen“. Es fehle an Wasser und Strom, umgekehrt kann Abwasser nicht entsorgt werden. Atemschutzmasken werden an die Helfer verteilt. Denn es droht Gefahr aus der Atemluft: Mit Abwasser verschmutzter Schlamm trocknet, der Wind wirbelt die Schmutzpartikel durch die Luft. „Die Menschen bekommen Ausschlag davon“, sagt Huber.

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Mit 250 Kilogramm Wurst und einem Scheck über 1000 Euro macht sich der Rosenheimer Metzger Herbert Lohberger für die Innung auf den Weg.

Bereits am Samstagmorgen hatte sich der Rosenheimer Metzger Hubert Lohberger auf den Weg nach Rheinland-Pfalz gemacht. Im Auftrag der Metzgerinnung brachte er rund 250 Kilogramm Wurstwaren in den Ort Weibern, rund 15 Kilometer südlich des vom Hochwasser besonders gezeichneten  Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dem örtlichen DRK in Weibern überbrachte der Innungsobermeister nicht nur die Lebensmittel. Auch einen Scheck über 1000 Euro der Rosenheimer Metzgerinnung übergab er als Spende für die Flutopfer – „und 100 Euro von der Schwiegermutter“.

Erinnerungen an das Hochwasser in Rosenheim und Kolbermoor

Rund siebeneinhalb Stunden war Lohberger mit seinem Transporter unterwegs. Auf dem Weg dorthin kamen ihm immer wieder Einsatzfahrzeuge verschiedener Hilfsorganisationen entgegen. Aber auch Kolonnen, die mobile Toiletten geladen haben. Das gab Lohberger zu denken, dass es noch andere wichtige Sachen neben Essen und Trinken gebe.

Mit Morast besudelte Fahrzeuge und Helfer in schlammverkrusteten Gummistiefeln weckten in ihm Erinnerungen an das Hochwasser 2013 in Rosenheim und Kolbermoor. Da stand auch Lohbergers Keller unter Wasser. „Kein Vergleich“ mit den jüngsten Ereignissen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, sagt Lohbeger. Aber er erinnert sich trotzdem an die Solidarität damals. Die Bereitschaft der Menschen, Betroffenen finanziell, aber auch durch Anpacken zu helfen. Die Metzgerinnung wiederum sei auch eine Solidargemeinschaft, sagt Lohberger. Und so sei es ihm und seinen Kollegen wichtig gewesen, ihren Teil „beizutragen, um die schwierige Situation der Flutopfer zu lindern“. 

Erleichterung: Die Feuerwehr hat endlich ein Quartier

Das größte Kontingent der Helfer aus der Region Rosenheim stellen die Feuerwehren des Landkreises: 100 Rettungskräfte und 27 Fahrzeuge. Eine Armada, ausgerüstet, den Kampf mit Trümmern und Schlammmassen aufzunehmen. Tanklöschfahrzeuge zum Freispülen, Rüstfahrzeuge mit Bergematerial und Seilwinden, Stromerzeuger, Beleuchtungseinheiten, schweres Räumgerät, Radlader, Bagger, Lastkraftwagen mit Kran. Kurz: Alles, was helfen kann, die zerstörte Infrastruktur zu ersetzen. Ihnen vorausgefahren ist am Montag Kreisbrandrat Richard Schrank. Sein Ziel: der früher von der Luftwaffe genutzte Flugplatz Mendig. Vorbesprechungen stehen auf dem Programm.

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Auch für die Feuerwehrleute ist es ein Aufbruch ins Ungewisse. „Wir würden etwas mehr Struktur erwarten“, sagt Schrank, „würden gerne wissen, was los ist.“ Andererseits ist da diese besondere Lage, die man so – in diesem Ausmaß, mit diesem Chaos – in Deutschland nicht erwartet hätte. „Die Lage scheint katastrophal zu sein“, sagt Schrank nachdenklich.

Quartier am Nürburgring

Immerhin hat er gestern erfahren, wo seine Leute unterkommen. Nicht in einem Hangar auf dem Flugplatz Mendig, aber auch nicht im Freien. Die Helfer aus dem Landkreis Rosenheim werden am Nürburgring untergebracht. „Ich bin froh“, sagt Schrank. Die Oberbayern bringen Duschen, eigene Toiletten, Lebensmittel zumindest für einen Tag. „Wir können da eine richtige Zeltstadt bauen“, sagt Schrank.

Er rechnet mit schweren Belastungen auch für die Psyche seiner Leute. „Da ist nichts mehr, die Menschen stehen vorm Nichts.“ Die Feuerwehr nimmt Aufbauhelfer für die Seele mir. Mitarbeiter der psychosozialen Dienste. Für die Notfallversorgung der Einsatzkräfte.

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