Gemeinderat stellt Bebauungsplan auf

Tuntenhausener Ortsteil Bolkam darf sich langfristig verdreifachen

Dieser Entwurf für die Bebauung von Bolkam zeigt, wie die großen Hofstellen erhalten und neue Baufenster (weiße Gebäude) eingefügt werden könnten.
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Dieser Entwurf für die Bebauung von Bolkam zeigt, wie die großen Hofstellen erhalten und neue Baufenster (weiße Gebäude) eingefügt werden könnten.

Wie kann sich der Ortsteil Bolkam entwickeln? Dieser Frage ging der Planungsverband Münchent im Auftrag der Gemeinde Tuntenhausen nach. Ein Bebauungsplan, der neue Baufenster eröffnet, wurde vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet. So könnte es in 20 Jahren 97 statt derzeit 45 Wohneinheiten geben.

Tuntenhausen – Ziel war es, den Bauwünschen der Einheimischen nachzukommen und gleichzeitig eine harmonische Entwicklung des Ortes – also eine maßvolle, ortsbildverträgliche Nachverdichtung – zu ermöglichen. Der dörfliche Charakter soll erhalten bleiben.

Umfassende Bestandsaufnahme

Für eine Bestandsaufnahme schauten sich die Münchener Stadtplaner erst einmal in Bolkam um und kamen mit den Grundstücksbesitzern ins Gespräch, um konkrete Wünsche und Vorhaben in die Planungen einfließen lassen zu können. Aus der bisherigen Mischnutzung aus Landwirtschaft, Wohnen, Handwerk und Gewerbe leiteten sie für den Ort mögliche Nachnutzungen ab. Ihre Vorschläge finden sich im Bebauungsplan Nr. 74 für Bolkam wieder.

Um die ortsbildprägenden Hofstellen auch nach Ende einer landwirtschaftlichen Nutzung erhalten zu können, dürfen sie für Wohnzwecke umgenutzt werden. Auch die Möglichkeit, Nebengebäude abzureißen und an deren Stelle neue Häuser zu bauen, wird eröffnet. Da dadurch eine große Anzahl an neuen Wohnungen entstehen könnte, ist eine Regulierung vorgesehen.

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Um ein unverhältnismäßiges Wachstum des Ortes zu vermeiden, soll die Anzahl der Wohnungen entsprechend der Geschossfläche begrenzt werden. So sollen bis zu 300 Quadratmetern maximal zwei Wohneinheiten, bis zu 580 Quadratmetern vier und bis zu 1.060 Quadratmetern acht Wohneinheiten erlaubt sein. Im Bereich des Sägewerkes wurde die Zahl der Wohneinheiten auf sechs beschränkt.

Die Größe künftiger Baukörper soll sich an der vorhandenen Bebauung orientieren. „Die massigeren Baukörper befinden sich in der Mitte des Ortsteiles. Nach außen wird die Bebauung lichter und kleiner“, erläuterte Architektin Kathrin Geßl. Deshalb sollen neue Baufenster am Ortsrand die Struktur der bereits vorhandenen Einzelgebäude aufnehmen.

Kleiner Ort ganz groß: Bolkam darf sich entwickeln. Einen Bebauungsplan mit vielen neuen Bauplätzen hat der Gemeinderat jetzt verabschiedet.

Einzel- und Doppelhäuser sind erlaubt

Für den Osten des Ortes sehen die Stadtplaner neue, kleinere Gebäude von 125 Quadratmetern Grundfläche vor. Im Westen, Süden und Norden sind größere Gebäude mit 140 Quadratmetern Grundfläche möglich. Auch im Nordwesten sind Ergänzungsbauten vorgesehen, die entlang der vorhandenen Erschließungsstraße verlaufen und sich entsprechend der Topografie staffeln könnten. Der östliche Ortseingang soll neu gestaltet werden: mit zwei Gebäuden und einer ortsumrandenden Begrünung.

Erlaubt sind nur Einzel- und Doppelhäuser. Ihre bauliche Gestaltung soll sich an die der typischen Bauernhäuser mit verputztem Wohntrakt und mit Holz verkleidetem Wirtschaftsteil anlehnen, um ein einheitliches Ortsbild zu sichern. Empfohlen werden symmetrische Satteldächer. Dacheinschnitte wie Gauben werden ausgeschlossen, um die ruhige Dachlandschaft zu erhalten. Jeder Bauantrag werde aber trotzdem als Einzelfall geprüft, um den Erhalt von Gebäuden nicht zu erschweren, so Geßl.

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Nach den Planungen würde sich die Zahl der Wohneinheiten von derzeit 35 auf maximal 97 erhöhen. Damit könnte die Zahl der Einwohner langfristig von aktuell 90 auf 245 ansteigen.

„Mit dem neuen Bebauungsplan berücksichtigen wir die Wünsche der Bolkamer Bürger und schaffen auch ein Grundstück für das Einheimischenmodell“, informierte Bürgermeister Georg Weigl (CSU/FWG). Zugleich machte er darauf aufmerksam, dass der anstehende Ausbau des Leitungssystems für Trinkwasser und Entwässerung mit Beginn der Bautätigkeit erforderlich wird.

Anton Messerer (FWG Beyharting) hinterfragte das Vorhaben kritisch: „Bolkam ist ein kleiner gewachsener Bauernweiler, den wir damit fast verdreifachen. Ist das verträglich?“ Bürgermeister Weigl ordnete die tatsächlichen Ergänzungen aber als überschaubar ein, da im Bereich der Hofstellen bereits Baurecht bestehe. Zudem werde sich der Ort im Laufe der nächsten 15 bis 20 Jahre entwickeln. Künftige Bebauungen müssten sich in den Ort einfügen. Um das zu gewährleisten, habe der Gemeinderat auch in Zukunft über die konkreten Bauanträge ein Mitspracherecht.

Öffentliche Auslegung beginnt am 6. April

Der Gemeinderat stimmte dem Entwurf des Bebauungsplanes Nr. 74 „Bolkam“ einstimmig zu. Für die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden liegt dieser nun vom 6. April bis zum 7. Mai öffentlich aus. Interessenten können ihn auf der Homepage der Gemeinde unter dem Punkt „Bekanntmachungen“ finden.

Er wird aber auch im Flur des Bauamtes im Obergeschoss des Rathauses ausgehängt. Wer dort Einsicht nehmen möchte, muss sich vorab unter der 0 80 67/90 70 32 oder unter bauleitplanung@tuntenhausen.de einen Termin vereinbaren. Zudem gelten beim Betreten des Rathauses Maskenpflicht sowie Hygiene- und Abstandsregeln.

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