Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Historische Postkarte von Familie Jordan

Prost Neujahr! Postkartengrüße von Kolbermoor nach China

In speziellen Kartons hat Christian Poitsch die Postkarten abgeheftet – es ist einer von 150. Foto: Weinzierl
+
In speziellen Kartons hat Christian Poitsch die Postkarten abgeheftet – es ist einer von 150.

Christian Poitsch sammelt Postkarten. Er hat auch viele historische Exemplare aus Kolbermoor. Auch eine Neujahrskarte, die 1913 von Kolbermoor nach China geschickt wurde. Adressiert war sie an Willy Jordan, den einstigen Spinnerei-Direktor.

Kolbermoor – „Prost“ steht auf der Vorderseite der alten Postkarte. Das hat der Absender, der Spinnerei-Direktor Carl Jordan aus Kolbermoor, wohl eigenhändig darauf geschrieben hat, vermutet Christian Poitsch, denn die fünf Buchstaben oben links auf der Vorderseite der Neujahrskarte ähneln der Handschrift auf der Rückseite.

Lesen Sie auch: Diese großen Projekte wurden in Kolbermoor heuer abgeschlossen

Dem Bad Aiblinger, der auch für das Kolbermoorer Stadtmarketing verantwortlich zeichnet, gehört die Postkarte aus Kolbermoor. Er hat rund 25.000 bis 30.000 Karten. Seit über 30 Jahren sammelt er die historischen Dokumente. Die meisten stammen aus den Jahren von 1880 bis 1960. Sie alle eint, dass sie alle Ansichten aus dem Mangfalltal zeigen oder von Bürgern aus der Region geschrieben wurden – wie die von Familie Jordan aus Kolbermoor.

Frohes neues Jahr von Kolbermoor nach China: Diese Postkarte soll Carl Jordan am 18. Dezember 1913 verfasst haben.

Ansichten aus der Mangfallstadt sind „etwas Besonderes“

Kolbermoorer Ansichten sind etwas Besonderes, sagt Poitsch. Denn die Stadt war ja nie touristisch oder hatte Urlaubsgäste. Ansichten von Karten sind eine Sache, Absender aus der Mangfallstadt eine andere. Und um so eine handelt es sich ja bei der Neujahrskarte, die Carl Jordan an seinen Sohn Willy geschickt hat, erklärt Poitsch.

Lesen Sie auch: Chamäleon Picasso freut sich: Das sind die neuen Ideen der Kolbermoorer Tierheim-Mitarbeiter für 2022

Ergattert hat er sie bei einer Online-Auktion. Das es sich bei dem Absender um die Familie Jordan handelt, zeigt der Name des Adressaten, so Poitsch: W. Jordan – Unteroffizier in der Reserve des 3 Seebataillons. Zielort war Tsingtau – eine Stadt in China. Sie gehörte von 1898 bis 1919 zum Deutschen Reich.

Schriftstück am 18. Dezember 1913 verfasst

Geschrieben wurde die Karte am 18. Dezember 1913 in Kolbermoor. Der Text: „Prost müssen wir heute schon schreiben, sonst kommt es nicht rechtzeitig in Chinesien an.“ Verschickt wurde die Karte mit dem Hinweis „postlagernd“. Deshalb ist davon auszugehen, dass W. Jordan mehrmals die Woche zum Amt gegangen ist und nach Post aus der Heimat gefragt hat, so Christian Poitsch.

Briefmarke kostete zehn Pfennig

Abgestempelt wurde die Kolberloorer Neujahrskarte am 13. Dezember – zwischen „1 und 2 Uhr“, erklärt Christian Poitsch. Das kann man noch genau an dem Stempel erkennen, ebenso wie die Großbuchstaben Kolbermoor. Wie lange sie dann ins rund 8300 Kilometer via Luftlinie entfernte Tsingtau gebraucht hat, kann er nicht sagen. Nur soviel: Der Absender hat vermutet, dass sie rechtzeitig ankommt. Zehn Pfennig hat die Briefmarke gekostet – „dafür bekommt man heute zwei bis drei Semmeln“, so Christian Poitsch.

600 bis 700 sind aus Kolbermoor

Wo lagert er seine ganzen Karten? „Früher in Schuhkartons“, sagt Poitsch und lacht. Heute stecken die meisten in speziellen, säurefreien Kisten, wo kein Staub hineingelangen kann. Einzeln sind sie in Hüllen abgelegt. Sie sind sortiert – nach Städten, Straßenzügen. Aus Kolbermoor hat er rund 600 bis 700. „Da nehme ich alles, was ich kriegen kann“, sagt er. Luftbilder, Häuser, Spinnerei, Firmenkarten. Müssen sie denn alt sein? „Wenn es eine vom Neuen Rathaus geben würde, würde ich die auch sammeln – irgendwann ist die ja auch mal alt.“

Postkarten haben eine junge Geschichte

Die Postkarte hat quasi eine junge Geschichte – genau wie die Stadt Kolbermoor: Im Königreich Bayern durften sie ab 1. Januar 1873 verschickt werden. Zum Vergleich: In den USA ab 1. Oktober 1869. „Das war eine Revolution“, sagt der Bad Aiblinger. Denn sie kam schneller zum Ziel und war günstiger, als das Porto für einen Brief.

„Prost“ steht auf der Vorderseite der alten Postkarte.

Post damals mehrmals täglich verteilt

Außerdem war es früher so, dass die Post mehrmals täglich ausgetragen wurde: „Mir hat die Buchhändlerin Luise Schönmetzler aus Bad Aibling erzählt, dass wenn sie morgens eine Buchbestellung von Bad Aibling nach Leipzig geschickt hat, wurde das Buch am selben Nachmittag losgeschickt“, sagt Poitsch, der nach dem Abitur in der Bad Aiblinger Buchhandlung gearbeitet hat.

Alles aus dem Mangfalltal

Christian Poitsch sammelt ausschließlich Postkarten aus dem Mangfalltal – „allerdings gibt es eine große Selbstbeherrschung was die Themen betrifft“, sagt er und lacht. Denn die Auswahl sei riesig. Er hat Straßen-, Hotel- und Brauereiansichten, aber auch Fabrikbilder und jede Menge Künstlerkarten.

Auch vom Künstler Brynolf Wennerberg. Der deutsch-schwedische Künstler lebte 35 Jahre bis zu seinem Tod 1950 mit seiner Familie in Bad Aibling. Was Poitsch allerdings fehlt, ist eine handgeschriebene Postkarte des Künstlers – „die hätte ich gerne“. Und vielleicht ergattert er 2022 eine bei einer Online-Auktion.

Spinnerei-Direktor Willy Jordan in Fernost

Die Karte nach Tsingtau ist an W. Jordan adressiert. „Das W steht für Willy, er war der Sohn des Spinnerei-Direktors Carl Jordan“, sagt Heimatmuseumsleiter Stefan Reischl. Und er hat in seinem Fundus noch mehr über Willy Jordan gefunden: In einem Artikel im Mangfall-Boten vom 14. Januar 1971. Anlass war der 80. Geburtstag von Willy Jordan, der zu diesem Zeitpunkt in Ramsau gewohnt hat.

Somit ist er 1891 geboren, wann er gestorben ist, kann Reischl nicht sagen. Allerdings gibt der Zeitungsartikel weitere Hinweise: Von 1924 bis 1960 war er Kolbermoorer Spinnerei-Direktor, zuständig war er für die Rohstoffbeschaffung und den -einkauf. Auch war er für den Ausbau des Betriebes zuständig. Am Ende des Artikels steht, dass er gerne über seine „Militärzeit als Einjährig-Freiwilliger bei der kaiserlichen Marine-Infanterie“ spricht, mit der er 1913 bis nach Tsingtau kam. Und was spricht er? Nichts. „Das ist der letzte Satz“, sagt Stefan Reischl.

Kommentare