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Der ganze Körper ist das Instrument

Stimmbildnerin Ruth Seebauer gibt einen Jodelkurs in Bad Endorf

Die Teilnehmer des Jodelskurses wärmen sich mit vollem Körpereinsatz im Kurpark auf. Links Kursleiterin Ruth Seebauer.
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Die Teilnehmer des Jodelskurses wärmen sich mit vollem Körpereinsatz im Kurpark auf. Links Kursleiterin Ruth Seebauer.

„Tri e ho dero“ ertönt es in der nächsten Zeit Donnerstags von der Orangerie im Kurpark Bad Endorf her. Stimmbildnerin Ruth Seebauer bietet ein- und mehrtägige Jodelkurse im Kurort an, bei dem die Teilnehmer in den kraftvollen und berührenden Klang eintauchen und die Stimme bilden können.

Bad Endorf – „Ich habe ein Leben lang gesungen und deswegen den Beruf der Stimmbildnerin gewählt. Das Interesse am Jodeln kam später, als ich die Stimmkraft und den archaischen Klang für mich entdeckt habe“, erinnert sich Seebauer. Auf die Idee, Jodelkurse anzubieten, kam die geborene Prienerin bei einem Songfestival. Der dort von ihr spontan angeboten Workshop zog plötzlich fast 100 Teilnehmer an. Jodeln ist aber nicht nur etwas Außergewöhnliches, sondern für die Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin aus „etwas Heilsames“.

Fehler und schiefe Töne sind erlaubt

Bevor es aber ans Jodeln geht, ist es wichtig, die Stimme aufzuwärmen und das mit vollem Körpereinsatz – da wird schon mal der ganze Körper geschüttelt. Damit sich wirklich jeder traut zu Jauchzen und zu Jodeln, schafft Seeburger eine schützende Atmosphäre. Denn „Jodeln hat viel mit Lachen zu tun. Die Dinge einfach laufen lassen, sich nicht streng zu bewerten und jeder darf auch Fehler machen“, sagt die Stimmbildnerin.

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Nach den Aufwärmübungen in der Abendsonne sorgten schon die ersten Silben beim Lernen von einem Jodler: „Ho la ri ti djo e ri ti djo e ha la rei dul ja“ für eine allgemeine Fröhlichkeit. Seeburger beginnt mit einfachen Jodlern, die vor- und dann nachgesungen werden. Noten müsse für den Kurs keiner Lesen können. Begleitet werden die Jodler mit einer Gitarre. Viele der Teilnehmer sagen zu Seebauer, sie könnten nicht singen und würden es jetzt einfach mal mit Jodeln probieren. Singen und Jodeln seien aber zwei ganz unterschiedliche Paar Stiefel. „Jodeln ist ein Wechsel von Tönen mit größeren Intervallen“, erklärt Seebauer. Man singe auf Silben.

Der größte Unterschied zwischen Singen und Jodeln sei aber der Registerbruch. Er wird beim Jodeln hörbar gemacht. Er mache „das Jodeln gerade erst schön“. Deswegen ermutigt Seeburg die Jodel-Anfänger, auch mal hässliche Töne von sich zu geben.

Den Alltag hinter sich lassen

Beim Jodeln geht es auch darum, den Alltagsstress hinter sich zu lassen. „Schon bei dem Gedanken ans Jodeln löst sich große Lebensfreude im Zwerchfell und die Anspannungen des Alltags entladen sich mit einem Juchzer“, schwärmt Seebauer. Und das merkt die Stimmbildnerin an den Teilnehmern. „Ich sehe, wie von ihnen der Stress abfällt und schon nach einer halben Stunde, werde ich mit strahlenden Gesichtern belohnt“.

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Immer wieder sorgen Lacher für Heiterkeit in der Gruppe, bevor wieder der Wechsel von Brust- und Kopfstimme im Kanon erneut angestimmt wird. Unter den Teilnehmern waren neben Anfängern auch regelmäßige Kursbesucher dabei.

Diese haben dann schon mehr Erfahrungen mit den großen Intervallsprüngen und dem weiten Tonumfang sowie den Takten- und Harmoniewechseln. Das Jodeln berührt einfach „Bei jeder Stunde gibt es immer einen Moment, bei dem es feuchte Augen gibt“, so Seebauer.

Archaische Gesänge gibt es überall

Mit dem Jodeln bekomme man einen Zugang zu den archaischen Klängen, erklärt die Stimmbildnerin. Und wer denkt, dass Jodeln etwas rein bayerisches ist, der wird auch eines besseren belehrt. Verwandte Gesangstechniken finden sich auf der ganzen Welt, so auch in Schweden, Dänemark, in den USA (Country Musik) oder in Afrika. Für Seebauer sei Jodeln wie nach Haus kommen. „Ich habe damit die Heimatklänge für mich entdeckt.“ Das Jodeln setze Einen in eine Beziehung mit der Natur. „Wenn man im Chiemgau auf den Berg geht, kann man einen Jauchzer, einen Jodler von sich geben. Das Jodeln berührt mich einfach.“

Wer Jodeln will:

Der nächste Jodelkurs findet am 23. September und am 7. Oktober zwischen 19 und 21 Uhr statt. Es können beide Kurse oder nur ein Kurs belegt werden. Ein Kurs kostet 18 Euro. Die Anmeldung erfolgt unter im@stimmfluss.de oder der 089/202 10 99. Weitere Informationen gibt es bei der Tourist Info Bad Endorf.

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