Mäßige Resonanz

Test-Pflicht für Arbeitgeber: Teure Kits bleiben in der Region oft im Schrank liegen

In der Region bieten Unternehmen nicht nur Selbsttests, sondern auch Schnelltests durch geschultes Personal an.
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In der Region bieten Unternehmen nicht nur Selbsttests, sondern auch Schnelltests durch geschultes Personal an.

Die Bundesregierung hat Unternehmen dazu verpflichtet, Corona-Tests für ihre Mitarbeiter anzubieten. Die Nachfrage ist jedoch gering. Und sowohl die Gewerkschaften als auch die IHK haben was zu meckern.

Rosenheim – Krankheitsdiagnosen gehen den Arbeitgeber rein rechtlich eigentlich gar nichts an. Ob den Mitarbeiter Magen-Darm, eine Depression oder eine Geschlechtskrankheit plagt, darf ein Geheimnis bleiben.

Bei Corona ist das anders, schließlich müssen Infektionsketten nachverfolgt werden. Seit 20. April müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Covid-19-Tests anbieten – mit eher mäßiger Resonanz in der Region.

51 von den 160 Mitarbeitern machen mit

Bei der Traunsteiner Firma Leimer, sind bereits 2400 Tests für die rund 160 Mitarbeiter eingekauft worden, so Sprecherin Beate Unterforsthuber. Es klingt unaufgeregt, wenn sie davon spricht: „Wir haben ein extra Test-Zimmer und nach einer kurzen Einweisung durch den internen Verantwortlichen kann man dort in Ruhe seinen Test machen und auf das Ergebnis warten.“ Zwar wollen viele Mitarbeiter wissen, wie das genau abläuft und funktioniert, auch ob es verpflichtend sei. 51 Mitarbeiter haben sich schon in der ersten Woche testen lassen.

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Für die Firma Leimer eine große Erleichterung: „Falls doch mal eine Infektion auftreten sollte, können wir sofort reagieren.“ Eine staatliche Testpflicht ist allerdings nicht im Sinne der Firma, denn über seinen Körper solle jeder selbst entscheiden können.

Matthias Oettel, CEO der Meggle Group

Nix Neues bei Meggle

Gar nicht so neu sind freiwillige Tests bei der Firma Meggle in Wasserburg, sagt Sprecher Maximilian Böning. Schon früh hatte das Unternehmen Test-Kits in großer Menge geordert und bietet bereits seit September 2020 kostenlose Antigen-Schnelltests an, die während der Arbeitszeit stattfinden.

Geschultes Fachpersonal entnimmt die Abstriche und stellt auf Wunsch sogar Bescheinigungen aus, die die Mitarbeiter privat nutzen können. Auch die Außendienstmitarbeiter werden seit einigen Monaten mit Selbsttests versorgt.

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Konkrete Zahlen darüber, wie die Tests angenommen werden, möchte das Unternehmen nicht nennen. Matthias Oettel, CEO der Meggle Group verrät so viel: „Gerade durch diese betrieblichen Testungen, kombiniert mit unseren weiteren, zahlreichen Präventionsmaßnahmen, konnten wir bisher interne Infektionsketten vermeiden.“

13 Prozent der Infektionsübertragungen am Arbeitsplatz

640 Schnelltests bestellt die Firma Steelcase wöchentlich für ihren Standort in Rosenheim, an dem rund 300 Mitarbeiter und Leiharbeiter tätig sind, so Werksleiter Christian Bokor. 100 Mitarbeiter haben sich vergangene Woche testen lassen, der Ablauf sei ohne Problem und gut eingespielt gewesen. Ebenso wie Meggle möchte auch Steelcase proaktiv vorgehen und spricht sich ausdrücklich für die Tests aus.

Denn obwohl sich ein Großteil der Ansteckungswege nicht mehr nachvollziehen lasse, fallen immerhin 13 Prozent der Infektionsübertragungen mit Covid-19 im Landkreis Rosenheim laut Landratsamt auf den Arbeitsplatz.

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Diese Problematik sieht auch Günter Zellner, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Region Oberbayern: „Die Gewerkschaften rufen seit Wochen dazu auf, Testangebote der Arbeitgeber wahrzunehmen.“ Er wisse auch von Fällen, dem Angebot noch nicht nachkommen. Zu einer generellen Testpflicht meint Zellner: „. Bislang gibt es dafür jedoch keine grundgesetzliche Rechtsgrundlage.“

Drücken sich manche Arbeitgeber um ihre Pflichten?

Das Interesse der Gewerkschaften sei in erster Linie der Schutz der Mitarbeiter, in der Produktion sei kein Homeoffice möglich und viele Betriebsvereinbarungen seien in den letzten Monaten abgeschlossen worden, um die Mitarbeiter dort zu schützen. „Gerade in Unternehmen, die keine Mitbestimmungsgremien haben, sieht das aber leider oft anders aus.“

IHK nicht begeistert

Für Jens Wucherpfennig, Leiter der Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Rosenheim, haben die Arbeitgeber schon viel unternommen, um die Infektionsgefahr zu senken. „Dass jetzt auch noch Aufgaben des allgemeinen Infektionsschutzes auf die Unternehmen abgewälzt werden, darüber wundern wir uns schon“, sagt Wucherpfennig.

Wie diese Angebote seitens der Mitarbeiter überhaupt angenommen werden, könne er nicht einschätzen. „Für die Arbeitgeber besteht eine Pflicht, für die Arbeitnehmer nicht. Unsere Sorge ist, dass viele Unternehmen auf den teuren Tests sitzen bleiben“, sagt der Geschäftsführer.

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