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Leidet das Rotwild im Priental?

Wildbiologin Christine Miller wirft dem Forstbetrieb Ruhpolding Tierquälerei vor

Wildbiologin Christine Miller
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Wildbiologin Christine Miller

Das Rotwild-Wintergatter Kreuth ist 2015 unter Protest aufgelöst worden. Um den Bergwald zu schützen, sollte der dortige Rotwildbestand dezimiert werden. Seitdem kritisiert Christine Miller, Vorsitzende des Vereins „Wildes Bayern“, der sich für die Rechte der Wildtiere einsetzt, die dortigen Maßnahmen des Forstbetriebes Ruhpolding.

Aschau/Ruhpolding – „Sechs Jahre Tierleid und Waldschaden“ titelt die Wildbiologin, in einem online erschienen Bericht über das Jagdrevier Hohenaschau-Sachrang. Miller wirft dem Forstbetrieb Ruhpolding vor, das es durch die Auflösung des Wintergatters zu Tierquälerei und Waldzerstörung gekommen sei.

Verbissschäden vom Rotwild nahe des ehemaligen Wintergatters Kreuth.

Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller wehrt sich massiv gegen die Vorwürfe, die Miller in ihrem Dossier vorbringt. „Ich habe mir die Behauptungen sehr genau durchgelesen und habe Punkt für Punkt feststellen können, dass die einzelnen Vorwürfe nicht den Tatsachen entsprechen“. Hier werde mit Falschdarstellungen versucht, ein Eindruck zu erwecken, der mit der Realität nicht im Einklang stehe. Die Auflösung der Fütterung in Kreuth sei erfolgreich gewesen. „In den umliegenden Schutzwäldern gelingt es jetzt, Mischbaumarten wie die Tanne zu etablieren“, resümiert Höglmüller.

Es liegt keine Waldzerstörung vor

Auch die zuständige Untere Jagdbehörde des Landratsamts Rosenheim sieht keine Verfehlungen seitens des Forstbetriebs Ruhpolding. „Eine Tierquälerei liegt nicht vor. Auch von dem Begriff der Waldzerstörung distanzieren wir uns.“

Miller kritisiert jedoch, dass die Waldbestände rund um das Wildgatter Kreuth von dem hungernden Wild blank geschält seien. Ihr sei das bereits im vergangenen Jahr aufgefallen, und „in diesem Winter hat der Verbiss massiv zugenommen“, sagt die Wildbiologin.

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Forstbetriebsleiter Höglmüller bestätigt, dass es Schälschäden gebe, aber „der Verbiss ist besser geworden und das können wir deutlich erkennen“. Bei den Schälschäden, die Miller anprangere, gehe es um einen kleinen Umfang. „Die Bäume waren aufgrund des Wintergatters eh schon geschält. Jetzt hat das Wild die Bäume noch einmal geschält. Der wirtschaftliche Schaden ist marginal.“

Kein Tierleid im Priental

Auch gegen den Vorwurf, das Wild hungere, wehrt sich Höglmüller. In unmittelbarer Nähe des aufgelösten Wildgatters Kreuth werde eine Winterfütterung betrieben. „Bevor die Tiere verhungern, würden sie immer dort hingehen.“ Und genau diese private Fütterung sei unter anderem der Grund gewesen, warum das Wintergatter Kreuth 2015 überhaupt aufgelöst worden sei. Zwei so nahe Fütterungen am Rande eines Schutzwaldes hätten keinen Sinn ergeben.

Höglmüller bekräftigt außerdem, es sei kein Wild im Umkreis des ehemaligen Gatters verhungert. Nur vier Kilometer entfernt in Maurach habe der Forstbetrieb ein Wintergatter, an dem gefüttert werde. „Das ist keine Strecke für ein Rotwild“, sagt der Förster.

Tiere würden nach Nahrung suchen

Miller spricht in ihrem Dossier von rund 30 Tieren, die nach wie vor nachts in dem Bereich des ehemaligen Wintergatters stehen. Die „wechseln immer wieder über die Straße und suchen vor allem bei hohem Schnee verzweifelt nach Nahrung.“

Die Zahlen, die der Forstbetriebsleiter nennt, unterscheiden sich massiv von denen Millers. Im vergangenen Winter habe man dort vier Stück Wild gezählt.

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„Wir haben hier ein sauberes Monitoring betrieben und Kameras aufgestellt“, erklärt Höglmüller. Bei Neuschnee hätten die Förster ebenfalls zum ehemaligen Wintergatter geschaut. Die Zahl des Rotwilds am Wintergatter Maurach belaufe sich auf rund 65 Tiere.

Des Weiteren kritisiert Miller, dass in dem Bereich des Gatters „überall gejagt, gekirrt und gestört“ werde. Das sei ein Problem für das Rotwild. Es wolle im Winter seinen Stoffwechsel absenken. „Wenn ich aber verhindere, dass die Tiere in diesen Zustand gehen, indem ich einerseits bis Ende Januar massiven Jagddruck ausübe und anderseits ihnen keine Rückzugsgebiete zur Verfügung stelle, dann bleiben die Tiere unter Stress“ – und Stress sei per Definition Tierquälerei, so Miller.

Jagdzeit soll verkürzt werden

Sie spricht sich für eine verkürzte Jagdzeit aus, in der dann von kompetentem Personal die Abschussquoten erfüllt werden. „Aber das können die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten nicht. Sie kriegen Schnappatmung, wenn sie draußen ein Stück Wild sehen und sie können nicht sofort zur Waffe greifen.“

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Höglmüller hält dagegen, dass er sich an die vorgegeben Jagdzeiten halte. Natürlich werde die Witterung in die Entscheidung einbezogen, wie lange gejagt werde. „Bei einem halben Meter Schnee Rotwild zu jagen, wäre gegen den Tierschutz und wird auch nicht gemacht“, so der Förster. Ebenfalls bestehe ein Kirrverbot (Wild wird mit Futter angelockt, um dann geschossen zu werden) im Umfeld der ehemaligen Fütterung. Hier sollte der Bestand aufgrund des Verbisses verringert werden. Ein Anlocken von Wild „sei kontraproduktiv“, erklärt Höglmüller.

Absurde Vorwürfe gegen Jäger

Im Staatswalddistrikt „Geschwendt“ wurde die Jagd eingestellt, um hier den Bestand zu erhöhen. Und das laut Höglmüller mit Erfolg.

„Wir haben acht Berufsjäger. Denen zu unterstellen, dass sie als Tierquäler mehr oder weniger rücksichtlos agieren, ist völlig absurd. Und es verletzt mich, dass meine Mitarbeiter in eine Schublade gesteckt werden, in der wir nicht stehen. Wir machen nichts, was außerhalb der Rahmengesetze liegt“, sagt Höglmüller.

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