Wenn Solaranlagen brandgefährlich werden

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Risiko Solaranlage: Photovoltaikanlagen auf Dächern können für Feuerwehrleute zur Gefahr werden.

Rosenheim - Solaranlagen auf dem Dach können im Brandfall sehr gefährlich werden. Diese Erfahrung mussten auch Feuerwehrleute aus der Region bereits machen.

Schon mehrfach mussten Feuerwehren Häuser, auf denen Fotovoltaikanlagen installiert waren, kontrolliert abbrennen lassen. Diese Fälle haben auf eine neue Problematik aufmerksam gemacht: Produzieren Solarzellen auf Dächern Strom, kann der Löscheinsatz für die Einsatzkräfte besonders gefährlich werden. Im Landkreis Rosenheim wussten sie sich bisher stets zu helfen, doch Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer warnt: "Ein Löscheinsatz wird durch eine Fotovoltaikanlage erschwert."

"Stromstärken von bis zu 700 Volt sind nicht zu unterschätzen", betont auch Martin Kaffl, Obermeister der Elektroinnung in der Kreishandwerkerschaft. Trotzdem warnt er davor, das Thema Brandschutz bei Fotovoltaikanlagen angesichts der Energiewende zu "überhitzen". Auch Kreisbrandrat Ruhsamer wirbt für eine Versachlichung der Diskussion: "Dass wir nicht löschen können, ist uns im Landkreis noch nie passiert. Eingreifen können wir immer."

Tatsache ist: Viele Fotovoltaikanlagen werden auf Dächern installiert, ohne dass über einen von außen erreichbaren Notschalter die Stromproduktion unterbunden werden kann. Dass jedoch bei nächtlichen Einsätzen die starken Feuerwehrscheinwerfer ausreichen, um in den Solarzellen gefährliche Spannungen zu erzeugen, stimmt nach Angaben von Björn Hemmann, Experte für Brandschutz bei der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie, nicht: "Messtechnisch kann eine solche Gefahrenstelle nicht festgestellt werden." Auch das Löschwasser, das Strom schließlich leitet, fällt nach Informationen von Ruhsamer aus einer solch großen Entfernung zwischen Löschfahrzeug und Fotovoltaikanlage auf das Dach, dass keine Gefahr für die Einsatzkräfte bestehe.

Solaranlagen stürzen ab

Der Kreisbrandrat sieht jedoch andere Problematiken: Bereits vorgekommen ist es bei Einsätzen im Landkreis, dass die Fotovoltaikplatten auf nicht ausreichend hitzebeständigen Trägern ins Rutschen geraten und herunter gefallen sind. Dabei bestehe eine hohe Verletzungsgefahr für die Einsatzkräfte. Auch der Zugang werde erschwert, wenn das Dach dicht mit Platten zugebaut sei. Manchmal sei jeder Quadratmeter ausgenutzt worden, würden Schneisen und Gassen zwischen den Feldern fehlen. Dann könne ein Brand leicht auf einen weiteren Abschnitt überspringen. Auch Brandwände, die ein solches Übergreifen der Flammen verhindern sollten, würden oft überbaut. Unter den Platten könnten sich versteckte Brandherde entwickeln, so Ruhsamer. Der Obermeister der Elektroinnung sieht außerdem die Möglichkeit, "dass es die Platten zerreißt". Die herumfliegenden Siliziumsplitter könnten die Einsatzkräfte gefährden.

Kaffl weist grundsätzlich auf die Bedeutung einer sicheren Montage hin. Sie ist bisher noch nicht standardisiert. Umfassende Informationen dazu haben Solarwirtschaft, Sachverständige, Fachplaner, Berufsfeuerwehr sowie das Handwerk jedoch in einer Broschüre zum Brandschutz bei Photovoltaikanlagen zusammengefasst, teilt die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie mit. Erfahrene Elektro-Handwerksbetriebe würden außerdem eng mit Dachdeckern zusammenarbeiten, um Anlagen zu installieren, die die Dachstatik nicht gefährden, Schneelast und Sturm trotzen und auch Brandgefahren abwehren, so der Innungsobermeister. Fachfremde Firmen, die mit Billigpreisen für Material oder Montage werben würden, könnten eine sichere Installation oft nicht bieten. Richard Krogler, öffentlich vereidigter Sachverständiger für das Elektrohandwerk, sieht ebenfalls in einer falschen oder nachlässig vollzogenen Montage das Hauptproblem. Häufig fehle sogar der äußerliche Blitzschutz, was zu verheerenden Folgen führen könne. Die Solarzellen würden oft zu eng aneinander montiert. Der Zeitdruck, der durch die ständig sinkende Einspeisevergütung ausgelöst werde, könne außerdem zu Installationen auf die Schnelle führen. Außerdem würden Erfahrungswerte zur Sicherheit der jungen Anlagen fehlen. "Der Alterungsprozess beginnt jetzt ja erst."

Fehlende gesetzliche Vorgaben

Eine Sicherheitsabnahme, heute üblich bei vielen Produkten, ist bei Fotovoltaikanlagen jedoch noch nicht gesetzlich vorgeschrieben - nur eine Funktionsüberprüfung vor Ort wird durchgeführt, so Kaffl. Auch die Gebäudeversicherungen haben das Thema noch nicht im Blick. Der Innungsobermeister warnt außerdem vor dem Einsatz von besonders billigen Bauteilen aus dem Ausland ohne Zertifizierung.

Kaffl appelliert an Hauseigentümer außerdem, die Anlagen regelmäßig warten zu lassen. Das macht nach Ansicht von Krogler auch wirtschaftlich Sinn: Denn turnusmäßig gereinigte und geprüfte Anlagen würden sich auch positiv auf den Ertrag auswirken. Auch Hemmann weist darauf hin, dass Wartungsverträge eine gewisse Sicherheit bieten: "Jeder Hausbesitzer muss sich bewusst sein, dass er auf seinem Dach ein eigenes Kraftwerk installiert hat, um das er sich auch kümmern muss", appelliert er.

Experten raten zu einem Notschalter

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie rät deshalb unter anderem dazu, ein Gebäude mit Solarstromanlage von außen gut sichtbar zu markieren und einen Notschalter anzubringen - mit Anlagenplan für die Feuerwehr. Auch die Leitungen sollten feuerfest gewählt und von außen am Gebäude angebracht werden. Damit es erst gar nicht zu einem größeren Brand kommen kann, gibt es nach Erfahrungen von Hemmann außerdem ein einfaches Warnsystem: Rauchmelder. "Die gibt es schon für gut zehn Euro im Baumarkt."

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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