Viel zu warm für die Jahreszeit

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Landkreis - Der Herbst fällt bisher erstaunlich mild aus. Am Dienstag war es sogar geradezu sommerlich. Was das für die aktuellen Wetterprognosen bedeutet.

Wie angekündigt ist es am Dienstag noch mal richtig warm geworden. Die Höchstwerte haben im Süden und Westen stellenweise 25 Grad erreicht, so zum Beispiel in Bad Kreuznach und Darmstadt. Damit war das Kriterium für einen Sommertag erfüllt - und das Ende Oktober! Stellenweise wurden sogar Rekorde für die letzte Oktoberdekade gebrochen. So war es in Frankfurt am Main mit 23,8 Grad der höchste Werte der letzten Oktoberdekade seit 1870. In Trier war es mit 23,3 Grad der höchste Werte in einer dritten Oktoberdekade seit 1948.

Derzeit ist es in Mitteleuropa ungewöhnlich warm und es bleibt auch erst einmal für die Jahreszeit viel zu mild. In den Landkreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land ist mit Temperaturen bis zu 20 Grad zu rechnen. In den Landkreisen Mühldorf und Altötting wird es rund 18 Grad warm, im Landkreis Traunstein 19 Grad. Das zeigt ein Blick auf die Wettervorhersage für die Region.

Keine Vorhersage für den gesamten Winter

"Aktuell mehren sich die Anfragen, ob das deutlich zu warme Oktoberwetter ein Anzeichen für einen sehr kalten oder eher warmen Winter sein könnte. Allerdings muss ich hier enttäuschen. Aus dem Wetter eines Monats kann man nicht auf die Wetterlagen der Folgemonate schließen, geschweige denn auf eine ganze Jahreszeit. Das würde dann eher in die Kategorie „Bauernregeln“ fallen“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net.

Für eine längerfristige meteorologische Aussage eignen sich lediglich sogenannten klimatologische Projektionen. Das sind sogenannte Trend-Berechnungen für die kommenden Monate. Diese können aber auch nur sagen, ob eine Jahreszeit wärmer oder kälter als im langjährigen Mittel ausfallen könnte. Hier laufen viele Faktoren mir ein, unter anderem auch die weltweiten Wassertemperaturen, Meeresströmungen, Meereisbedeckung etc.

Bei Stichwort Meeresströmungen fällt natürlich schnell auch das Augenmerk auf den Golfstrom. Der Golfstrom ist quasi die Wärmepumpe Europas. Er sorgt dafür, dass es bei uns vor der Haustüre auch im Winter nie so richtig eisig kalt wird, denn er beeinflusst maßgeblich das Klima in Nordeuropa.

Vor einem Jahr ist vor der Küste Nordamerikas bis weit in den Atlantik hinein eine durchgängige hohe Strömungsgeschwindigkeit, man könnte es auch eine gesunde Strömung nennen, zu sehen. Von Florida und entlang der gesamten Küste Nordamerikas ist die Strömungsgeschwindigkeit nahezu unverändert gleichmäßig hoch.

Im Vergleich zu 2012 weist der Golfstrom dieses Jahr aber einen deutlich gestörten Strömungsverlauf auf. Noch vor der Küste Nordamerikas bricht seine Strömungsgeschwindigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich ein. Stellenweise hat sich die Strömungsgeschwindigkeit dort halbiert.

Weniger Wärme für Nordeuropa

„Woher genau diese Anomalie der Fließgeschwindigkeit in diesem Jahr kommt ist derzeit noch unklar“ so Wetterexperte Jung. Der Golfstrom ist natürlich nach wie vor vorhanden und auch nicht abgebrochen, ein Abbruch wäre für unser Klima ohnehin fatal. Allerdings hat sich seine Fließgeschwindigkeit stark vermindert und damit wird der Wärmetransport Richtung Nordeuropa deutlich gedrosselt und das unmittelbar vor dem kommenden Winter. Noch nie war der Golfstrom in den vergangenen fünf Jahren zu dieser Jahreszeit vor Nordamerika so langsam.

„Das könnte vielleicht ein weiteres Anzeichen für einen überdurchschnittlich zu kalten Winter sein“, so Diplom-Meteorologe Jung weiter.

wetter.net/redro24

Quelle: rosenheim24.de

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