Oberbayern wagen das Wüsten-Abenteuer

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Rosenheim/Mühldorf - Sechs Männer, drei Autos, ein Ziel: die Allgäu-Orient-Rallye. Im Video schwärmen die "Desert Wild Boys" von der Faszination Wüsten-Rallye.

Sechs Männer aus der Region wagen das Abenteur Allgäu-Orient-Rallye 2013: Daniel Kojer (27) aus Mühldorf, Daniel Klein (29) aus Teising, Thomas Zann (48) aus Kirchseeon, Herbert Meyer (43) aus Amerang, Carglayan Kirtay (37), genannt Charly, aus Bad Endorf und Sebastian Hipp (24) aus Bernbeuren. In drei alten Audi 80 Avant starten sie als Team "Desert Wild Boys" am 27. April in Oberstaufen eine Tour quer durch Europa und den Nahen Osten. Ihr Ziel ist die jordanische Hauptstadt Amman.

Autobahnen und Navis sind tabu

Die Allgäu-Orient-Rallye findet heuer bereits zum achten Mal statt. Die Streckenwahl ist den Teilnehmer grundsätzlich freigestellt, allerdings sind Autobahnen - ebenso wie Navigationsgeräte - verboten. Die Rallye ist weniger ein Rennen, sondern vielmehr ist eine Mischung aus Schnitzeljagd und Wohltätigkeitsveranstaltung. Die Teilnehmer müssen sich stets an die Straßenverkehrsordnung des jeweiligen Landes halten und dürfen pro Tag nicht mehr als 666 Kilometer zurücklegen.

Die Teams müssen unterwegs Aufgaben lösen

Dafür stellt der Veranstalter den insgesamt 111 Teams in jedem Land eine besondere Aufgabe. 2009 mussten die Teilnehmer zum Beispiel in Kappadokien in der Türkei einen Cafébesitzer finden, der sein Geschäft in einem Bau aus Tuffgestein betreibt.

Neben kniffligen Aufgaben stellt das eingeschränkte Budget die Teilnehmer vor Herausforderungen. Die Fahrzeuge müssen nämlich mindestens 20 Jahre alt sein, es sei denn, sie sind maximal 1111,11 Euro wert. Auch die Unterkunft der Fahrer darf pro Person nicht mehr als 11,11 Euro am Tag kosten.

Die Autos werden in Jordanien versteigert

Die harten Bedingungen unterstreichen den karitativen Charakter der Rallye. Die Autos aller 111 Teams werden nämlich in Amman unter der Schirmherrschaft König Abdullah II. zugunsten des World Food Programme der Vereinten Nationen versteigert. Im letzten Jahr wurden die Fahrzeuge direkt dem "Flüchtlingshilfeverein Bergkarabach“ gespendet. Dieser hat die Autos dann an bedürftige Flüchtlingsfamilien als Existenzgrundlage übergeben.

Der Sieger gewinnt ein Kamel

Auch der Preis für das Siegerteam wird traditionell gespendet. Allerdings hätten die Sieger auch Schwierigkeiten, diesen speziellen Preis nach Deutschland mitzunehmen: Dem besten Team der Rallye winkt nämlich ein Kamel. Auf deutschen Wiesen fehl am Platze, kann dieses Tier im Orient eine wichtige Existenzgrundlage sein. In der Regel verschenkt der Sieger sein Kamel an einen jungen Beduinen oder Farmer am Zielort.

Zusätzlich bringen alle Teams jedes Jahr ein besonderes Geschenk ins Zielland mit. 2011 transportierten die Teilnehmer Nähmaschinen nach Anatolien. Drei Frauenarbeitsschulen konnten so mit Arbeitsgeräten versorgt werden. In diesem Jahr sollen Musikschulen in Jordanien unterstützt werden. Jedes Team hat die Aufgabe, ein Musikinstrument mit nach Amman zu transportieren. Die "Desert Wild Boys" werden die alte Gitarre von Thomas Zanns Frau mit auf ihr Wüstenabenteuer nehmen.

Drei "Desert Wild Boys" sind Autoverkäufer

Die Hilfsprojekte sind den "Desert Wild Boys" wichtig, aber für sie zählt auch das Abenteuer. Aufregend wird die Tour schon alleine deshalb, weil nur Teamchef Herbert Meyer, ein Kfz-Meister, viel von Autoreparatur versteht. Zwar sind immerhin drei Teammitglieder Autoverkäufer - Daniel Kojer, Charly Kirtay und Sebastian Hipp -, der Fachmann bleibt aber Herbert Meyer. In Sachen Kfz-Kompetenz stehe er schon ziemlich alleine da, scherzt der 43-Jährige. Jeder im Team könne aber ein bisschen helfen. "Ich muss nicht alleine schrauben, sondern mehr delegieren. Das passt schon."

Kojer, Hipp und Klein sagten spontan zu

Meyer ist auch der einzige, der schon einmal an der Allgäu-Orient-Rallye teilgenommen hat. Im Juli 2012 hatte sich Herbert Meyer dann bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit drei Freuden, darunter Thomas Zann und Charly Kirtay, bei der Rallye angemeldet. Als der Vierte im Bunde aus beruflichen Gründen aussteigen musste, fehlten dem Team noch drei Mitglieder.

Als Charly Kirtay auf einer Veranstaltung seines Arbeitgebers Daniel Kojer kennenlernte, erzählte er ihm, dass die "Desert Wild Boys" noch Mitstreiter für die Rallye suchen. "Ich musste nicht lange überlegen und sagte zu", erzählt Kojer. Auch seine Freunde Sebastian Hipp und Daniel Klein seien schnell von der Idee begeistert gewesen und komplettierten das Team.

Die Autos warten schon auf ihren Einsatz

Die "Desert Wild Boys" haben 15.000 Euro investiert

Um auf die Rallye nicht allzu viele Ersatzteile mitnehmen zu müssen, sind die "Desert Wild Boys" mit drei nahezu identischen Audi 80 Avant unterwegs. Für einen komplett einheitlichen Auftritt haben sie die Autos vor einigen Wochen gelb lackiert. Obwohl die Fahrzeuge deutlich unter der Wertgrenze von 1111,11 Euro liegen, hat das Team eine große Summe in das Rallye-Projekt investiert. Inklusive aller Versicherungen und Zollgebühren für die Autos haben die sechs Männer etwa 15.000 Euro ausgegeben. Die hohen Kosten machten die Sponsorensuche beinahe so wichtig wie das Schrauben an den Autos und so verdecken inzwischen zahlreiche Werbeaufkleber den strahlend gelben Lack.

Der Türke Charly Kirtay wird zum Fremdenführer

Freilich hätten sie das Geld auch einfach spenden können, so Daniel Kojer. Trotz des karitativen Aspekts wollen die "Desert Wild Boys" aber auch Spaß haben. Neben der sportlichen Herausforderung reizen sie auch die kulturellen Erfahrungen, die sie gerade auf dem langen Abschnitt durch die Türkei erwarten. "Man sieht Orte, die man als Tourist nie sehen würde", sagt Kojer. Das Ass im Ärmel des Teams ist dabei der Türke Charly Kirtay. "Ich bin der Dolmetscher des Teams", scherzt Kirtay. Der 37-Jährige hat Verwandte in der Türkei und freut sich darauf dem Team seine Heimat zu zeigen.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © bla

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