Kopf einer Schleuserbande verhaftet

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In vier Ordnern mit 60 Fallakten lieferte die Rosenheimer Bundespolizei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eine Fülle von Ermittlungsansätzen, die in Österreich zur Festnahme einer mutmaßlichen Schlepperin führte

Rosenheim/Innsbruck -  Dank der Ermittlungen der Bundespolizei konnte jetzt der Kopf einer Schleuserbande identifiziert und verhaftet werden.

Ermittlungen der deutschen Bundespolizei haben die Staatsanwaltschaft Innsbruck auf die Spur einer internationalen Schleuserorganisation gebracht. Nun konnte ein Kopf der Bande identifiziert und von der österreichischen Polizei festgenommen werden. Ein Riesenerfolg für die Rosenheimer Bundespolizei, geht es doch um Schleusungen von bis zu 350 Menschen.

Die Ermittlungen der Bundespolizei fanden bereits im Frühjahr 2009 ihren Ursprung: Unerlaubt eingereiste Iraker, Iraner und Syrer wurden von Fahndern vermehrt am Bahnhof in Rosenheim festgestellt. Männer, Frauen, ja sogar Kinder fuhren mit ihren wenigen Habseligkeiten und ohne irgendwelche Papiere illegal nach Deutschland. Zum Teil handelte es sich um einzelne Personen, zum Teil um ganze Gruppen, die nachweislich mit Zügen aus Österreich kamen.

Vier Ordner, 60 Fallakten und eine heiße Spur

Identische Routen, beschaffte Fahrkarten, dubiose Ansprechpartner – viele Indizien sprachen dafür, dass es sich bei den Zugreisen um organisierte Schleusungen handelte. Für die Fahrt von Italien nach Deutschland mussten die Flüchtlinge kurdischer Abstammung nach eigenen Angaben pro Person bis zu 400 Euro zahlen. In akribischer Kleinarbeit sammelten die Ermittler der Rosenheimer Bundespolizei Anhaltspunkte aus rund 350 Vernehmungen und stellten ein umfassendes Beziehungsnetz mutmaßlicher Hintermänner zusammen. Das Ergebnis: Vier prall gefüllte Ordner mit etwa 60 Fallakten und eine heiße Spur, die nach Innsbruck führte. Das dortige Landeskriminalamt übernahm in enger Zusammenarbeit mit der Bundespolizeiinspektion Rosenheim das umfangreiche Ermittlungsverfahren im Rahmen der internationalen Rechtshilfe.

Für den Ehemann „in die Bresche gesprungen“

In den Fokus der Behörden war eine 35-jährige Italienerin gerückt, die sich wiederholt in Tirol aufgehalten hatte. Nach ersten Erkenntnissen der Behörden war die Frau für ihren Ehemann „in die Bresche gesprungen“. Der Gatte befand sich wegen eines anderen Schleusungsfalls im Visier der Rosenheimer Bundespolizei-Ermittler und war wegen eines Gefängnisaufenthalts zwischenzeitlich unabkömmlich. Wie sich herausstellte, ermittelten auch die italienischen Behörden wegen Menschenhandels gegen den Mann.

Eines der umfassendsten Ermittlungsverfahren

Gegen die „Stellvertreterin“ des polizeibekannten Schleppers wurde aufgrund der vorliegenden Beweise schließlich Haftbefehl erlassen. Im August gelang es der österreichischen Polizei die mutmaßliche Organisatorin der Schleusungen in Innsbruck zu verhaften. Nun muss sie sich im Herbst dieses Jahres in Österreich vor Gericht verantworten. Für das Landeskriminalamt Tirol und die Bundespolizeiinspektion Rosenheim ist damit eines der umfassendsten Ermittlungsverfahren mit rund 60 Schleusungsfällen und bis zu 350 Geschleusten abgeschlossen. Dazu gehört unter anderem der Fall der irakischen Kinder im Alter von 6 und 8 Jahren, die in der Silvesternacht 2010 in Innsbruck in den Zug Richtung Deutschland gesetzt worden waren. Eine junge Frau sorgte sich um die Alleingelassenen und verständigte die Polizei, die beide Minderjährigen am Rosenheimer Bahnhof in Gewahrsam nahm.

Pressemitteilung Bundespolizeiinspektion Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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